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Empörung in Bramsche-Evinghausen Illegale Motorradrennen am Engter Berg

Von Jean-Charles Fays | 13.06.2014, 14:32 Uhr

Der beschauliche Bramscher Ortsteil Evinghausen auf den Ausläufern des Wiehengebirges ist zum Mekka für Motorradfahrer geworden. Knapp drei Dutzend Anwohner berichteten in Evinghausen von Hunderten Motorradfahrern, die laut Kennzeichen sogar aus dem Ruhrgebiet kommen, um sich auf den Serpentinen der L 87 gefährliche Rennen zu liefern und fordern stärkere Polizeikontrollen. Der Vorsitzende der Verkehrswacht Bramsche/Wallenhorst, Herbert Bockstiegel, bestätigte die Angaben und sprach von Auswüchsen, die die Bevölkerung noch zwei Kilometer entfernt leiden lasse.

Die Schilderungen der Anwohner an der Gaststätte „Tante Emma“, die an der drei Kilometer langen illegalen Motorrad-Rennstrecke liegt, hören sich abenteuerlich an. „Die haben Kameras in den Helmen und stellen ihre Rennen nachher ins Internet“, sagt einer. „Die legen sich sogar auf die Straße, um sich gegenseitig zu filmen“, berichtet ein anderer. „Meine Tochter kam wegen der rasenden Motorradfahrer gar nicht vom Grundstück“, berichtet eine Mutter und eine andere traut sich gar nicht mehr ihre Kinder über den Engter Berg zu schicken und lässt sie nur noch durch den Wald fahren.

Eigentlich hatte die Evinghausener Ortsvorsteherin Monika Bruning zum Termin mit unserer Zeitung nach eigenen Angaben nur drei Anwohner angerufen, doch der Termin bei „Tante Emma“ spricht sich sich rum und es kommen knapp drei Dutzend, um ihrem Unmut Luft zu machen. Sie fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen, weil sie nicht komme, wenn sie an den Wochenenden wegen der rasenden Motorradfahrer gerufen werde.

Der Anwohner auf dem ehemaligen Bauernhof direkt gegenüber von „Tante Emma“, Willi Grafe, berichtet, dass er am Samstag, 24. Mai, von 10.30 Uhr bis 18.30 Uhr 333 Motorräder gezählt habe. Davon seien 113 normal gefahren und 220 seien extrem laut gewesen. Ob wegen eines technisch hochgezüchteten Bikes oder stark überhöhter Geschwindigkeit, das könne er nicht sagen. Grafe betont: „Es wird immer schlimmer. Wir hoffen schon auf Regen, damit keine Motorräder fahren. Soweit ist es schon gekommen.“

Die Ortsvorsteherin Bruning sagt: „Besonders beliebt ist unsere Strecke, weil sie vor zwei Jahren geteert wurde und die Rüttelstreifen am Bad Essener Berg aufgebracht wurden.“ Die Raser hätten danach den Engter Berg zu ihrer Ausweich-Rennstrecke auserkoren, weil sie sich dort „richtig in die Kurven reinhängen könnten“. Sie ist sich sicher: „Zu lösen ist das Problem nur durch Polizeipräsenz und wenn man die Motorradfahrer wirklich aus dem Verkehr zieht.“ Am besten seien Zivilstreifen auf dem Parkplatz am Engter Berg, dem Treffpunkt der Motorradfahrer.

Herbert Bockstiegel von der Verkehrswacht kennt die Szene. „Einer positioniert sich am Anfang und einer am Ende der Strecke. Es wird weniger auf Radfahrer oder Fußgänger geachtet, aber auf Autos und Lkw, weil es den Spaßeffekt stört, wenn sie im Weg sind.“ Das sei nicht nur für die Rennteilnehmer, sondern auch für Verkehrsteilnehmer gefährlich. Er selbst höre die „Permanentbeschallung durch aufheulende Motorräder“ am Wochenende sogar, obwohl er rund zwei Kilometer entfernt wohne.

Die Polizei bestätigt, dass es an der Strecke einen Unfallschwerpunkt gebe. Deshalb seien dort schon Kontrollen durchgeführt worden. Zudem kündigte Pressesprecher Georg Linke an: „In der kommenden Woche wird sich die Unfallkommission der Polizei mit den Beteiligten an einen Tisch setzen und über Verkehrsplanungsmaßnahme wie etwa Rüttelstreifen sprechen.“