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Einstimmig für Etatkürzung Ortsrat Schleptrup will Gewerbegebiet einsparen

Von Heiner Beinke | 19.01.2018, 18:05 Uhr

Einstimmig bei einer Enthaltung des Ortsbürgermeisters Karl-Georg Görtemöller (SPD) hat sich der Ortsrat Schleptrup gegen die Erschließung des Industriegebietes Eiker Esch in diesem Jahr ausgesprochen. Die dafür im Bramscher Haushalt vorgesehenen rund 650 000 Euro könnten gestrichen werden, empfahlen die Schleptruper.

Mehr Zeit, sich über die grundsätzliche Entwicklung in Schleptrup Gedanken machen zu können, forderte Marius Thye. Das parteilose Ortsratsmitglied der Grünen kritisiere das rasche Vorgehen und die fehlende Information des Ortsrates. Er erinnerte dabei an Zusagen führender Kommunalpolitiker „an der einen oder anderen Stelle“, es werde nach der Ansiedlung von Amazone an der Autobahn keine weiteren Gewerbeflächen in diesem Gebiet geben.

Kritisch sah Thye auch den „immensen Verbrauch an landwirtschaftlichen Flächen. So können wir auf Dauer nicht weitermachen.“ Für die CDU erinnerte Katrin von Dreele daran, dass der Ortsrat diese schnelle Entwicklung schon einmal bei der Aufstellung der Prioritätenliste abgelehnt habe. „Für unsere Fraktion hat sich nichts geändert“, stellte sie klar.

Baudirektor Hartmut Greife räumte ein, dass ein weiteres Industriegebiet an dieser Stelle tatsächlich ein großer Eingriff sei. Die von Thye ebenfalls in Abrede gestellte Wirtschaftlichkeit sei aber beim ersten Abschnitt, der Amazone betrifft, gegeben. Der Landmaschinenhersteller sei „deutlich schneller, als wir erwartet haben. Wir sind als Stadt sehr, sehr zufrieden,“ meinte der Baudirektor. Auch für die betroffenen Landwirte entstehe kein Schaden, da ja Flächen getauscht worden seien.

Fehlende Informationen

Werner Ballmann als parteiloses Mitglied der CDU-Ortsratsfraktion kritisierte, dass es keine nähere Informationen für den Ortsrat gegeben habe, obwohl ausdrücklich darum gebeten worden sei. „Offensichtlich interessiert das keinen, was wir da für Bedenken und Schmerzen haben“, kritisierte er, dass die Summe für die Erschließung im Haushalt auftauche, obwohl der Ortsrat dagegen war. Da hätte er eine Rückmeldung erwartet, fügte Ballmann hinzu.

Die Ausführungen seines Duzfreundes veranlassten Greife zu einer persönlichen Replik: „Du bist in den Stadtrat gewählt worden, weil Du gegen das Gewerbegebiet Engter gewesen bist. Dann ist mit deiner Stimme das größte Gewerbegebiet in der Geschichte der Stadt Bramsche beschlossen worden. Und nun, wo du nicht mehr im Rat bist, bist du wieder gegen Gewerbegebiete“. Das wiederum bestätigte Marius Thye in seiner Einschätzung, dass der Baudirektor sehr wohl als politischer Akteur auftrete und nicht nur als neutrale Verwaltung.

Verständnis für Emotionen zeigte Michael Stutzke (SPD). Es handele sich für Schleptruper um ein brisantes Thema, „da geht es um Zukunftsängste“. Aus genau diesem Grund hätte die Stadt in Sachen Beteiligung des Ortsrates mehr tun können.