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Ein Jahr Austauschschülerin Aus Paraguay nach Lappenstuhl

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 11.07.2014, 21:02 Uhr

Von der südamerikanischen Großstadt Asunción ins dörfliche Lappenstuhl, aus dem sonnigen, immer warmen Paraguay ins verregnete Norddeutschland - die Extreme, zwischen denen sich Jeanette Chorro Roger zurzeit bewegt, könnten kaum größer sein. Jeannette macht das nichts aus. Im Gegenteil, sie hat ihren Gastaufenthalt gerade verlängert.

Seit fast fünf Monaten wohnt und lebt die 18-Jährige bei Familie Nelles. Mit der 17-jährigen Tochter Julia besucht sie das Fachgymnasium Soziales in Osnabrück-Haste. Eigentlich hat sie in der Heimat die Schule schon abgeschlossen, dennoch soll es im September am Greselius-Gymnasium weitergehen. Die junge Frau ist auf Vermittlung der Austauschorganisation AFS (American Field Service ) nach Deutschland gekommen. „Ich wollte immer nach Europa, eine andere Kultur kennenlernen“, erzählt sie.

Aber vor das Vergnügen hat AFS auch in diesem Fall die Arbeit gesetzt. Junge Menschen, die einen Auslandsaufenthalt anstreben, müssen sich ausführlich schriftlich bewerben, mehrere Auswahlgespräche führen. Für die Gastfamilien ist alles etwas einfacher. „Man bewirbt sich mit einem Foto der Familie, schreibt dazu, aus welchem Land oder welcher Region der Gast kommen soll“, berichtet Gastmutter Antje Nelles. „Ganz wichtig ist, dass die gesamte Familie dahinter steht“. Einer der Söhne räumte für Jeanette sogar sein Zimmer. „Es war auch für uns ein Test“, sagt Antje Nelles. Der Versuch ist gelungen. Aus den zunächst avisierten drei Monaten wird jetzt ein ganzes Jahr. „Meine Familie daheim war schon ein bisschen traurig“, gibt Jeannette Chorro zu.

Ob es an den vielen Ausflügen liegt, die Julia und Jeannette unternommen haben? Die Augen der beiden jungen Damen blitzen auf. „Shoppen, das tun alle Frauen gern“, sagt die junge „Paraguya“. Ihre Gastschwester nickt. Ausgiebige Besuche in angesagten Läden waren offenbar einer der wesentlichen Bestandteile des touristischen Programms. „Mädchensachen“, findet Jeanette, so wie Haare machen, schminken und die Fachsimpeleien über Highheels („Die trägt jede Südamerikanerin“) und partytaugliche Outfits. Ein wenig Bedauern schwingt in Jeannettes Stimme. „Zuhause kann ich einfach irgendwo hin, wenn ich ausgehen möchte. Das geht hier nicht“.

Wenn sie erst im Herbst das Greselius-Gymnasium besucht, werde sich der Bekanntenkreis in Bramsche sicher vergrößern, hoffen Jeannette und ihre Gastmutter. In feste Gruppen aufgenommen zu werden, sei hierzulande schwierig, obwohl niemand unfreundlich sei „In Südamerika ist das ganz anders. Da reißen sich alle um die Austauschschüler und wollen was mit ihnen unternehmen“, erzählt die Austauschschülerin. „Das ist nichts Persönliches“, versichert Antje Nelles.

Wohl auch wegen des etwas reservierten norddeutschen Wesens unternehmen die AFS-Schüler in der Region viel gemeinsam und mit den Gastfamilien. Bei Nelles‘ gehören inzwischen Chipas, ein Käsegebäck,Empanadas (Teigtaschen) und die „sehr leckere“ Chimi Churri-Soße zum Koch-Repertoire. Jeannette besorgte sich die Originalrezepte von Mama, in Zeiten von Handy und Internet kein Problem.