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Ein Jahr auf Bewährung Bramscher wegen Drogenbesitzes verurteilt

Von Holger Schulze, Holger Schulze | 06.02.2017, 11:59 Uhr

Wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln ist ein 38-jähriger Bramscher vom Schöffengericht am Amtsgericht Bersenbrück zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Vor mehr als zwei Jahren, im Dezember 2014, waren bei dem Angeklagten in dessen Wohnung in Bramsche 214,87 Gramm Marihuana nebst zwei Feinwaagen sowie Klemmverschlusstüten gefunden worden.

Hauptschule ohne Abschluss, keine Berufsausbildung, dafür Maßnahme bei der Brücke in Hesepe, verschiedene Jobs, lange Zeiten der Arbeitslosigkeit, aber nun seit 2008 angestellt, so schilderte der Angeklagte seinen beruflichen Werdegang. Mit 15 gehörten zunächst Cannabis und Marihuana, zwei Jahre später dann Amphetamine und Ecstasy und schließlich Heroin zu seinem Drogenkonsum. Seit 2000 befindet sich der Angeklagte im Methadonprogramm.

Drogen für die Freundin gekauft?

Zur Sache befragt gab er an, am 29. November 2014 250 Gramm Marihuana für seine damalige Freundin von deren Geld gekauft zu haben. Diese habe seinerzeit bei ihm in der Wohnung gelebt. Die Feinwaagen sowie das Verpackungsmaterial in seiner Wohnung hätten ihr gehört. Was seine damalige Freundin mit dem von ihm erworbenen Marihuana vorgehabt habe, wisse er nicht.

Der als Zeuge gehörte Polizeibeamte, der das Auffinden des Rauschgiftes schilderte, ließ schon erste Zweifel an den Einlassungen des Angeklagten aufkommen. Er hätte nicht den Eindruck gehabt, dass in dessen Wohnung eine weitere Person gelebt habe, teilt der Zeuge dem Gericht mit. Anschließend nahm eine Bekannte des Angeklagten auf den Zeugenstuhl Platz. Diese Zeugin saß auf der Fahrt zum Drogengeschäft im Wagen des Angeklagten. Sie gab an, auf der Fahrt nach Osnabrück ein Gespräch zwischen dem Angeklagten und seiner damaligen Freundin mitgekommen zu haben, in dem diese den Angeklagte um einen Gefallen gebeten habe. Nur einmal sollte er für sie eine größere Menge Marihuana kaufen, weil sie Geld brauche. In Osnabrück hätte der Angeklagte dann ein Einfamilienhaus in der Nähe einer Tankstelle aufgesucht. Anschließend sei sie, die Zeugin, am Heger Tor abgesetzt worden.

Als letzte Zeugin wurde die ehemalige Freundin des Angeklagten angehört. Sie habe nicht wirklich beim Angeklagten gewohnt, gab sie an, war aber mit ihm zusammen. Von den beim Angeklagten aufgefundenen Drogen wusste sie nichts. Es würde nicht stimmen, dass sie den Wunsch nach einer größeren Menge Betäubungsmittel geäußert habe. Auch den dafür notwendigen Geldbetrag hätte sie nie besessen.

Rechtlicher Hinweis

Nach Abschluss der Beweisaufnahme erging an die Prozessbeteiligten vom Gericht der rechtliche Hinweis, dass auch eine Verurteilung lediglich wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln in einem minder schweren Fall sowie Beihilfe zum Handeltreiben in Betracht käme. Dieser rechtlichen Würdigung schloss sich die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer an. Ein Jahr und zwei Monate auf Bewährung sowie eine Geldauflage in Höhe von 1500 Euro lauteten die Kernpunkte ihres Antrags.

Sicher nachweisbar sei nur der Besitz der Drogen, befand hingegen der Verteidiger. Für eine Beihilfe zum Handeltreiben hätte dem Angeklagten Kenntnis vom Bestimmungszweck der Betäubungsmittel nachgewiesen werden müssen. Diese Beweisführung jedoch vermisste die Verteidigung. Der Angeklagte könne daher nur wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln in einem minder schweren Fall zu einer Freiheitsstrafe unter einem Jahr auf Bewährung verurteilt werden.

Ein Jahr auf Bewährung

Das Urteil fand sich schließlich zwischen den beiden Anträgen wieder. Das Schöffengericht urteilte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung aus. Auf eine Geldauflage wurde verzichtet. Dafür aber eine engmaschige Begleitung des Angeklagten durch die Beiordnung eines Bewährungshelfers sowie mittels der Auflage angeordnet, jedes Ergebnis einer Urinkontrolle im Rahmen des noch laufenden Methadonprogramms dem Gericht mitzuteilen.

Ihre nachdrückliche Ermahnung zu einem fortan absolut straffreien Verhalten, da sonst ein Widerruf der Bewährung in Betracht käme, verband die Vorsitzende Richterin mit dem Hinweis: „Sie sind unter strengster Kontrolle“. Ein von der Staatsanwältin und dem Verteidiger erklärter Rechtsmittelverzicht ließen das Urteil noch im Gerichtssaal rechtskräftig werden.