Früherer Profisportler zu Gast Dieter Baumann läuft auch als Kabarettist im "Universum" Bramsche

Von Holger Schulze | 13.09.2021, 15:33 Uhr

Der frühere Weltklasse-Läufer Dieter Baumann ist heutzutage als Kabarettist unterwegs. Jetzt war er im Kino "Universum" in Bramsche zu Gast.

Ein Olympiasieger auf der "Universum"-Bühne ist schon für sich genommen eine Rarität. Wenn der Kabarettist dann auch noch im Trainingsanzug seine Vorstellungen auf dem Laufband absolviert, sind die Sonderpunkte für Originalität und Einsatz bereits vor der ersten Pointe eingespielt.

„Dieter Baumann läuft halt. Weil singen kann er nicht“, so lautete der Programmtitel für die erste Live-Vorstellung im Bramscher Filmtheater nach der Corona-Durststrecke. Man durfte gespannt sein, wie der ehemalige Weltklasse-Athlet sich lange Jahre nach seiner extrem erfolgreichen Läuferkarriere nun auf den Brettern einer Bühne fortbewegen würde. Doch um es vorwegzunehmen: Die Vorstellung lief einfach rund. Veranstaltet wurde der Abend in Zusammenarbeit mit den Bramscher Rumläufern.

Sportliches Kulturprogramm

Dass Dieter Baumann über eine hervorragende Kondition über die längeren bis ganz langen Distanzen im Stadionrund und auf der Strecke verfügte, ist zumindest bei fortgeschritteneren Jahrgängen immer noch hinlänglich bekannt. Ein „sportliches Kulturprogramm“ in möglichst reinem Hochdeutsch versprach der Schwabe zu Beginn seiner Vorstellung. Zunächst einmal arbeitete Baumann die vielen Läufertypen von den Manchmal-Freizeitläufern bis hin zu den Ultramarathon-Läufern auf unterhaltsame Weise ab. Danach zog er die Jacke aus und begab sich auf das durchtragende Stilelement des Abends: ein Laufband in Kombination mit einem fiktiven Ultramarathon von 100 Kilometern, den Baumann selbst in trainierten Jahren zusammen mit 3000 Teilnehmern in der Schweiz hinter sich gebracht hatte.

Dieter Baumann ist ein Kabarettist, der die lauten Töne und ausladenden Gesten ebenso beherrscht wie die leiseren Momente in seinem Bühnenprogramm. Er hat es ferner ganz überwiegend nicht nötig, die Lacher im Publikum durch Spott über die Unzulänglichkeiten und Katastrophen in seinem Umfeld und darüber hinaus zu generieren. Sein eigener sportlicher Lebenslauf reichte ihm, um Höhen und Tiefen, Glück und Absturz in humorvoller Weise auf die Bühne zu bringen. In einer intelligent und einfallsreich aufgebauten Show brachte sich Baumann in Bewegung und die Gefühle des Publikums auf die Bahn.

Wie ein Uhrwerk

Wie ein Uhrwerk liefen die Beine und das Mundwerk des Kabarettisten die imaginäre 100-Kilometer-Distanz herunter. Wann lernt man schon einmal im Leben die Gedankengänge eines Dauerläufers während des Laufens kennen? Baumann träumt auf den ersten Kilometern vom Zieleinlauf am frühen Morgen oder der anschließenden Teilnahme am Frühstücksbuffet. Zwischendurch streifte er in die Literatur ab. Unter der Einspielung von Klaviermusik rezitierte er mehrfach aus der „Einsamkeit des Langstreckenläufers“.

Immer weiter im Vorwärtsgang auf dem Laufband berichtete Baumann über sein Laufprojekt mit Jugendlichen in Vollzugsanstalten aus ganz Deutschland. Er kann also auch nachdenklich und sozial engagiert sein. Ein wenig schweigen durfte Baumann während einer O-Ton-Einspielung des Sportreporters bei seinem Olympiasieg über 5000 Meter. Bei der anschließenden Siegerehrung war der Goldmedaillengewinner ebenfalls stumm geblieben. Das Mitsingen der Nationalhymne wollte ihm ob seiner mangelhaften Sangeskünste einfach nicht über die Lippen gehen, bekannte der Kabarettist. Am bereit stehenden Klavier der "Universum"-Bühne bewies er dem Publikum diese Unfähigkeit eindrucksvoll und zum Davonlaufen. Natürlich blieben die Zuschauer und bedachten diesen Sprechgesang ebenfalls mit Beifall.

Mit Lauftipps, kombiniert mit der Persiflage von unterschiedlichen Laufstilen, ging das persönliche Fitnessprogramm von Dieter Baumann auf der Bühne weiter. Seine Koordinationsübungen zur Ballettmusik ließen sich gleichfalls sehen.

Zum Schluss nachdenklich

Dieter Baumann lief auf dem Laufband weiter, bis zu den Olympischen Spielen in Sydney, bei denen die bekannte Zahnpastatube die Sperrung wegen Dopings bewirkte und im Ergebnis auch die sich dem aktiven Leistungssport anschließende berufliche Karriere tragisch beendete. „Ein gelungenes Leben kann ja nur aus vielen kleinen Mosaiksteinen zusammengesetzt sein. Wir brauchen auch ein gutes Team und Menschen, die einen unterstützen. Ich habe immer versucht, dieses Bild neu und schön zusammenzusetzen“, wurde Baumann im letzten Abschnitts seines Programms nachdenklich.

„Manchmal muss man in Krisenzeiten nicht sein ganzes Leben verändern. Manchmal reichen zwei Stellschrauben und wieder entsteht ein neues, schönes Bild“. Vom Olymp auf die Kleinkunstbühne hatte diese Stellschraubenveränderung schließlich das neue Leben von Dieter Baumann geführt.

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