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„Die Magie der Winzigkeit“ Film über kleine Kunstwerke mit großer Wirkung begeistert Publikum in Bramsche

Von Holger Schulze | 09.11.2011, 15:33 Uhr

Es gibt Dinge, die lassen sich nur unvollkommen mit Worten beschreiben. Man muss sie gesehen haben. Dies gilt für einen Film, bei dem Gisela Kress und Helmuth Kohn hinter den Kameras standen, für den Mitsch Kohn die Musik zur Verfügung stellte und den Ulrike Kohn als Sprecherin vertonte.

Aufführungsort des Films war die Kornmühle des Tuchmacher-Museums. Werbung für diese Premiere bedurfte es nicht. Die Kornmühle stieß auch so an ihre Kapazitätsgrenzen.

„Cornelius Degen – die Magie der Winzigkeit“ ist äußerlich ein filmisches Begleitprotokoll, ein Arbeits- und Gedankenporträt über einen Lebenskünstler, der seine Fertigkeiten als Goldschmiede- und Feinmechanikermeister mit seinen Talenten als Geschichtenerzähler und Zauberer zu einem lebendigen Gesamtkunstwerk zusammengefügt hat.

Über zwei Jahre hinweg begleitete das Filmteam einen Einatmer dessen, was die Natur ihm an Inspirationen schenkt. Gisela Kress und Helmuth Kohn beobachteten ihn aber ebenso beim Ausatmen, wenn er an seiner Drehbank als kulturell Schaffender aktiv wurde.

„Und wenn die Menschen staunen, dann wird ihre Seele auf einmal durchlässig“. Mit dieser Feststellung von Cornelius Degen, der als persönliche Note gerne noch ein „geborener Rentsch“ bei der Vorstellung hinzufügt, beginnt der Film.

Im weiteren Verlauf des Werkes wird, vermittelt durch die sensiblen Bilder, rasch neben dem Staunen noch eine zweite Reaktion beim Zuschauer geweckt: ein Lächeln.

Humor und Handwerk

In Spielfilmlänge ist es allen Beteiligten gelungen, Impressionen von Herzenswärme, Humor, stiller Heiterkeit, handwerklicher Perfektion und eben jener Magie der Winzigkeiten auf die Leinwand zu zaubern, die dem Film seinen Namen gab. Das Staunen und Lächeln der Zuschauer darf dabei ruhigen Gewissens sowohl den Inhalten des Films als auch der Umsetzung jener Inhalte zugerechnet werden.

Gisela Kress und Helmuth Kohn verstanden es nicht nur, die Magie der Kunstwerke von Cornelius Degen einzufangen. Ebenso zeichnen sie mit aufmerksamen Augen überaus stimmungsvoll das Lebensumfeld ihres Protagonisten nach, sodass sich herrlichste Landschaftseindrücke aus dem Norden mit Degens Veredelungsgenialität an der Drehmaschine zu einem Gesamteindruck verbinden, der die Gemütszustände des Publikums zum eigentlichen Filmergebnis werden lässt.

Vordergründig produziert Degen Winzigkeiten aus Rosenholz, Metall oder auch Wachteleiern. Letztere erhalten unter seinen Händen die normalerweise bei diesem brüchigen Material nur schwer vorstellbare Funktion einer aufschraubbaren Dose. Aus einem Stückchen Rosenholz und mit einer guten Drehbank entsteht eine Engelverschenkdose, und damit „schon eine Freude“, wie Cornelius Degen im Film wissen lässt.

Winzigkeitenzauberer

Auf geheimnisvolle Weise implantiert der Winzigkeitenzauberer Rosenblütenblattherzen in Pfennigstücke und verweist auf den Klang dieser Glückspfennige beim Öffnen mit dem Hinweis: „Lauschen Sie, wie es sich anhört, wenn man ein bisschen Herzlichkeit im Geld versteckt.“

Schlichte, schwarze Quadratwürfel werden von Degen in rosenholzgemusterte Pentagondodekaeder verwandelt. Er besitzt die Fähigkeit, anscheinend simple Metallkugeln zu entschleunigen, sodass sie, den Gesetzen der Schwerkraft entzogen, nur noch im Schneckentempo eine Schräge herabrollen.

Im Gegensatz hierzu erhalten winzige Kreisel durch sein erfinderisches Geschick eine Geschwindigkeit, die ihnen eine Drehdauer von um die drei Minuten verleiht. Wer bislang noch keine Dosen in Streichholzkopfgröße zu Gesicht bekommen hat, dem wird im Film gezeigt, dass dies möglich ist.

Die Resonanz aus dem Publikum nach der Premiere legte es bereits nahe: Es müsste eigentlich eine Unmöglichkeit sein, würde dieser kunstreiche, stets kurzweilige und einen genialen Mikrokosmos zärtlich schildernde Film nicht nochmals in Bramsche einem größeren Publikum zur Verfügung gestellt werden.