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Bio-Weizen aus Kasachstan Landkreis-Grüne diskutieren über Ausbau der ökologischen Landwirtschaft

Von Hendrik Steinkuhl | 29.07.2012, 10:43 Uhr

Wäre dieser Vortragsabend eine Klassenarbeit gewesen, hätte der Lehrer darunter geschrieben: Thema verfehlt. Die Landkreis-Grünen hatten zu einer Veranstaltung geladen, bei der Niedersachsens schwache Rolle im Bio-Landbau diskutiert werden sollte. Die vier Redner sprachen über alles – nur nicht über dieses Thema. Trotzdem bot der Abend einen hohen Erkenntnis-Gewinn.

Ein Sommer im Kontinentalklima ist normalerweise sehr heiß und trocken. Ideale Wachstumsbedingungen für viele Weizensorten, die den Bäckern hohe Qualität versprechen. „Deshalb importieren wir immer mehr Bio-Weizen aus Kasachstan“, sagte Armin Meyercordt von der Landwirtschaftskammer Hannover. Meyercordt war der erste von vier Rednern, die auf dem Hof der Familie Hartkemeyer in Pente über den Bio-Landbau in Niedersachsen sprachen, beziehungsweise sprechen sollten.

Laut niedersächsischer Landwirtschaftskammer liegt Niedersachsen mit einem Biobau-Flächenanteil von 2,9 Prozent auf dem letzten Platz in Deutschland. Entgegen der Ankündigung spielte diese Tatsache bei der Vortrags-Veranstaltung keine Rolle. Trotzdem boten die Redner interessante Informationen über die Situation der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland. Die wichtigste Erkenntnis: Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt immens – der Anbau kann damit kaum mithalten. „Die Schere geht immer weiter auseinander“, sagte Meyercordt. Ein Grund seien rasant steigende Pachtpreise. „Wenn früher ein landwirtschaftlicher Betrieb aufgegeben hat, hat man ihn im Dorf aufgeteilt. Das ist lange vorbei.“ Heute würden die Betriebe meist komplett aufgekauft werden – vor allem von den Betreibern von Biogas-Anlagen.

Gesellschaftliche Rolle

Der Ökolandbau habe es damit zunehmend schwerer. Und das, obwohl er laut Heinz-Josef Thuneke von „Bioland“ in Nordrhein-Westfalen doch eine bedeutende gesellschaftliche Rolle habe: „Gerade Bio-Bauern produzieren öffentliche Güter. Sie betreiben zum Beispiel Wasserschutz oder garantieren für Bio-Diversität.“

Thuneke widmete sich anschließend auch noch dem Soja-Import aus Asien und Südamerika. Er gab der konventionellen Landwirtschaft die Schuld dafür, dass für Soja riesige Flächen Regenwald zerstört und das Tierfutter dann über Tausende Kilometer nach Deutschland verschifft würde.

Kritik an Subvention

Josef Voß, Agrar-Referent der Grünen im Landtag, kritisierte die Subventionen für die konventionelle Landwirtschaft. „Da bekommen die Bauern Geld dafür, dass sie nach der Maisernte die Stoppeln zunächst stehen lassen. Das macht sowieso jeder, gilt aber nun als ‚grundwasserschonende Landbewirtschaftung‘.“

Der vierte Redner war Michael Radau, Chef der Superbiomarkt-Kette, die in Osnabrück drei Geschäfte hat. Er machte deutlich, dass das Bio-Angebot in Deutschland die Nachfrage immer weniger befriedigen könne. Der Grundsatz, dass die Bio-Produkte möglichst regional sein sollten, sei damit stark gefährdet. „Und ich habe ehrlich gesagt wenig Lust, in fünf Jahren nur noch Bio-Fleisch von polnischen Schweinen anzubieten. Aber dieses Risiko besteht.“