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Besuch von IHK und Arbeitgebern Heytex in Engter wächst, beklagt aber Fachkräftemangel

Von Marcus Alwes | 01.10.2015, 19:55 Uhr

Die anderen Wirtschaftskapitäne aus der Region lauschten aufmerksam. Der Hauptsitz des Spezialisten für beschichtete und laminierte Textilien sei zwar Bramsche, doch die Heytex GmbH sei „konsequent dabei, ihre internationale Basis auszubauen“, so Geschäftsführer Heribert Decher. Das habe die unlängst erfolgte Aufnahme der Bondcote Corporation in die Unternehmensgruppe noch einmal deutlich unterstrichen.

Decher konnte seinen rund 20 Gästen der Industrie- und Handelskammer (IHK), aber auch des Industriellen Arbeitgeberverbandes (IAV) an diesem Abend eine unter dem Strich aufstrebende Organisation vorstellen. Weltweit sei Heytex inzwischen am Markt aktiv, sagte der Geschäftsführer. Zu den Produktionsstandorten Engter (160 Mitarbeiter), Neugersdorf (67) und Zhangjiagang/China (94) sei vor kurzem Pulaski/Virginia (92) in den USA hinzugekommen. Die Integration der Bondcote Corporation sei dabei „extrem schnell gelungen“, so Decher, „nach etwas mehr als einem halben Jahr“. Das stimme ihn und die anderen Verantwortlichen natürlich zufrieden. Die Zahl der Beschäftigten an den vier Standorten sei auf mehr als 400 angewachsen.

Mehr als 400 Beschäftigte insgesamt

Zufrieden war übrigens auch die Besuchergruppe. Im Rahmen der Kampagne „Industrie hat Zukunft“ hatte sie an jenem Tag zunächst Einblick in das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück erhalten, anschließend dann den Weg nach Engter gefunden. Techniken, Arbeitsprozesse und Produktionsabläufe wurden ihnen an beiden Orten vorgestellt. „Wir haben die unterschiedlichsten Technologien, die wir unseren Kunden auch anbieten können“, stellte Decher als eine Trumpfkarte der Bramscher heraus. Die Konkurrenten am Markt seien hingegen häufig eher zu spezialisiert. In dieser Gemengelage sieht der Geschäftsführer einen Wettbewerbsvorteil für die Heytex-Gruppe. Auf einem „kontinuierlichen Wachstumspfad“ wähnt Decher sein Unternehmen somit auch künftig.

Doch es gibt neben dem lachenden auch ein weinendes Auge bei den Managern in Engter. Decher machte deutlich, dass Heytex weiter händeringend nach weiteren hoch qualifizierten Kräften suche. „Wir haben einen Bedarf an Facharbeitern. Relativ stark. Ich habe das schon vor einiger Zeit einmal angemerkt. Aber, wir kriegen diesen Bedarf momentan nicht gedeckt. Das ist schlecht.“ Dadurch könne das Unternehmen augenblicklich „gar nicht so viel produzieren, wie unsere Kunden eigentlich abverlangen.“ Das sei eine weniger schöne Entwicklung, so Decher. Auf Dauer drohe möglicherweise der Verlust von Kunden und Aufträgen. Der allgemeine Fachkräftemangel in der Wirtschaft sei „ein Punkt, der uns schon belastet.“

Das Labor modernisiert

Dennoch überwiege das Positive beim Nachfolger der Julius-Heywinkel-GmbH, der ursprünglich 1913 als Segeltuchmacherei in Osnabrück gegründet wurde und später zum Automobilzulieferer Karmann gehörte, jetzt aber seit längerer Zeit bereits eigenständig ist. In nächster Zeit wolle das Unternehmen, so Decher, beispielsweise seine unlängst modernisierten Laborräume am Standort in Bramsche auch öffentlich vorstellen. Eine Ankündigung, die auch die Spitzen der Industrie- und Handelskammer ausdrücklich begrüßen dürften. „Die Industrie ist unverzichtbarer Teil unserer regionalen Wirtschaft. Mit der Kampagne ,Industrie hat Zukunft‘ rücken wir dies immer wieder ins Bewusstsein“, betonten die Hautgeschäftsführer von IHK und IAV, Marco Graf und Axel Busch, in einer Presseerklärung. Entscheidend für industrielles Wachstum seien aber auch Planungssicherheit und Akzeptanz in Politik und Gesellschaft. „Nur mit einem klaren Bekenntnis zur Industrie hat unser Wirtschaftsraum eine gute Zukunft“, so Graf und Busch weiter.