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Beratung im Ausschuss Entscheidung über Bramscher Schulen ins neue Jahr vertagt

Von Heiner Beinke | 25.11.2015, 19:54 Uhr

Anfang nächsten Jahres werden sich Mitglieder des Bramscher Stadtrates in kleinerer Runde noch einmal zusammen setzen, um über die Zukunft der Bramscher Sekundarschulen zu beraten. Danach wird es eine Ratssitzung geben, in der die Entscheidung fallen soll, ohne jeden Fraktionszwang, wie der SPD-Fraktionsvorsitzende Oliver Neils forderte. Das ist das Ergebnis einer mehr als zweistündigen Beratung im Ausschuss für Schule und Kultur am Dienstagabend.

In der Sitzung hatte Wolfgang Furche für die Stadt Bramsche das Zahlenmaterial zusammengefasst und mögliche Szenarien durchgespielt. Die Zahlen seien keine Prognosen, sondern lediglich beispielhafte Rechnungen, betonte Furche. Eine Tabelle geht davon aus, dass sich die Schülerströme prozentual verteilen so wie im letzten Jahr. Da gingen 36 Prozent der angehenden Fünftklässler zum Gymnasium, 30 Prozent zur Integrierten Gesamtschule (IGS), 24 Prozent zu Haupt- und Realschule sowie 10 Prozent zu auswärtigen Schulen.

Zahlenspiele

Wenn die Eltern der 296 Kinder, die im Sommer 2016 von der Grundschule wechseln, und die folgenden Jahrgänge sich ähnlich entscheiden, bleibe die Realschule zweizügig, vielleicht auch dreizügig, die Hauptschule werde einzügig, auch zwei Klassen pro Jahrgang wie in diesem Jahr seien möglich.

Das bedeutet laut Furche, dass die Bandbreite bei diesen Schulformen zwischen 18 und 24 Klassen liegen könne. Damit könnten bei einer getrennten Hauptschule und Realschule im Gebäude Heinrichstraße ab dem Schuljahr 2018/2019 „erhebliche Raumprobleme“ auftreten. Ausreichende Fachräume seien auf jeden Fall vorhanden, Verwaltungsräume jedoch nur für eine Schulform. Würden die Schulformen zusammengefasst, seien sie ziemlich sicher stabil dreizügig, erklärte Furche.

Realschule mit Außenstelle

So oder so werden die Kinder, die im Sommer zur Realschule angemeldet werden, laut Furche die Ersten sein, die am Standort Heinrichstraße unterrichtet werden. Die Vereinbarung mit dem Landkreis sieht vor, dass die Realschule das Gebäude an der Malgartener Straße jahrgangsweise verlässt und die IGS jahrgangsweise nachwächst. Die Berechnungen gehen davon aus, dass die neue Schulform weiterhin vierzügig bleibt.

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Der Leiter der Realschule, Norbert Szczepanek, meldete Zweifel an, ob eine solche Außenstelle überhaupt zulässig sei. Dies widerspreche der Schulorganisatonsverordnung, meinte der frühere Dezernent der Schulaufsichtsbehörde. Der Erste Stadtrat Ulrich Willems entgegnete, das Vorgehen sei im Vorfeld mit der Schulaufsichtsbehörde abgesprochen.

Mit den Worten „Die Realschule steht zur Realschule“ hatte Szczepanek auf das einstimmige Votum des Schulvorstands zum Erhalt der Schule hingewiesen. Die Realschule liefere regelmäßig Absolventen mit einem qualifizierten Abschluss, das Niveau sei deutlich höher als bei Oberschulen. Szczepanek verwies darauf, dass die Situation der Realschule nicht nur wegen der Außenstelle sehr schwierig sei. Er werde bald in den Ruhestand versetzt, angesichts der unklaren Zukunft fehle es an Bewerbern für die Nachfolge.

Die Hauptschule sei in diesem Jahr noch „knapp in die Zweizügigkeit gerutscht“ und habe daher ideale Bedingungen mit sehr kleinen Klassen, sagte die Hauptschulleiterin Sandra Castrup. Sie hatte jedoch große Sorge, dass auf Dauer nur eine Klasse pro Jahrgang überbleibt. Dann stelle sich aber die Frage, wie die Hauptschule dauerhaft die Arbeit auf dem bisherigen Niveau sichern soll.

Für Castrup und das Kollegium der Hauptschule ist dabei die Bildung einer Oberschule der beste Ausweg. Dies könne auch so geschehen, dass es in einem Jahrgang einen Realschul- und einen Hauptschulzweig gebe. Gut die Hälfte des Unterrichts könnte getrennt erfolgen. In diesem System könnten die Schulformen zusammenwachsen, „die Kollegen sind so weit“, sagte Castrup.

Neue Variante

Für die Verwaltung brachte schließlich Ulrich Willems eine neue Variante ins Spiel: Anstatt die Realschule auslaufen zu lassen und die Hauptschule in eine Oberschule umzuwandeln, wie es zunächst sein Plan gewesen ist, sei es auch möglich, beide Schulen unter einem Dach zu einer Oberschule zu entwickeln. „Das bietet eine Perspektive unter einem Dach und es gibt keine Gewinner und Verlierer“, meinte der Stadtrat.

Angesichts der großen Bedeutung für Bramsche sollten jetzt noch alle offenen Fragen abgeklärt werden. Der Rat solle dann „ohne irgendwelche Verpflichtungen“ entscheiden, wie das auch bei der Entscheidung über die Hauptschule Engter der Fall gewesen sei, meinte Oliver Neils (SPD). Man solle „ohne Scheuklappen“ weiter diskutieren, ergänzte Bürgermeister Heiner Pahlmann. Für die CDU erinnerte Imke Märkl allerdings an den gültigen Ratsbeschluss, Haupt- und Realschule weiterhin bestehen zu lassen. Mit einem derart breiten Angebot an weiterführenden Schulen habe Bramsche dann sogar „ein Alleinstellungsmerkmal“, befand Dagmar Völkmann (Grüne).