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Ausflug in „eine andere Welt“ Bramscher Abend voller Eindrücke aus Madagaskar

Von Holger Schulze | 10.07.2012, 08:55 Uhr

Madagaskar kann so nah sein: Im Wohnzimmer von Horst Zech konnten die Gäste in eine fremde Welt eintauchen. Möglich machten das bewegende Reiseeindrücke von Ulrike und Helmuth Kohn sowie von Horst Zech.

Über das Leben auf Madagaskar ließ sich auch die Initiative für das Miteinander der Kulturen (BIKU) informieren, die sich nach Worten von Annette Specht zum Ziel gesetzt hat, „über den Tellerrand hinauszuschauen und das Miteinander der Kulturen über Bramsche hinaus zu leben“.

Hasina Samoelinanja – in Madagaskar Reiseleiter der Bramscher Gruppe und zurzeit bei Familie Kohn zu Gast – vermittelte dabei in sympathischer, humorvoller und lebhafter Art und Weise Eindrücke aus seiner Heimat. Mit dem Titel „Eine andere Welt“ überschrieb der junge Reiseleiter seine Heimat, in der die meisten Pflanzen und Tiere nur dort und sonst nirgends auf der Welt in der Natur vorkommen. Vielfältig ist auch das Klima. Vom staubtrockenen Süden bis hin zu den 150 Regentagen im Hochland pro Jahr ist alles vorhanden.

18 Volksstämme leben auf Madagaskar, und ebenso viele Dialekte finden sich hier, die sich so stark unterscheiden, dass eine Kommunikation zwischen den Stämmen nur in Hochmalagassi stattfinden kann. „Das wichtigste Wort bei uns ist Moramora, also langsam, langsam“, machte Hasina Samoelinanja die Mentalität seiner Landsleute den deutschen Zuhörern deutlich. Darüber hinaus sei man in Madagaskar „gastfreundlich, arm, aber zufrieden“.

Weniger als einen Dollar pro Tag verdient der Durchschnittsbewohner auf der Insel, die damit zu den ärmsten Regionen der Welt zählt. So besteht der dortige Reichtum aus den Kindern. Überhaupt ist der Familienzusammenhalt, auch im Hinblick auf die Ahnen, sehr im Denken verankert. Es herrsche die Philosophie: „Man soll, soweit es geht, nicht allein bleiben. Nicht in der Jugend und nicht im Alter.“ Jüngere Geschwister werden von den älteren getragen und beschützt. Der jüngsten Tochter obliegt es, im Haus der Mutter wohnen zu bleiben, wenn alle anderen Kinder ausgezogen sind.

Mangels materieller Möglichkeiten ist auf Madagaskar Kreativität bei der Bewältigung des täglichen Lebens gefragt. Hasina Samoelinanja formulierte diese Kreativität wie folgt: „Wenn Intelligenz und Not zusammenkommen, kann etwas Großes entstehen.“

Oberhalb der Erdkruste von Armut gekennzeichnet – insbesondere auch von Armut an Wissen gekennzeichnet –, ist die Insel reich an Bodenschätzen. Damit befindet sich das Land in einer schwierigen Situation. Die Holzmafia, Buschfeuer und politische Instabilität fügen weitere Probleme hinzu.

Für die Bramscher war der Aufenthalt auf der Insel derart beeindruckend gewesen, dass ein dreistündiger Film von Helmuth Kohn und ungezählte Fotos von Horst Zech entstanden. Es gibt die Überlegung, von Bramsche aus ein Projekt für Madagaskar anzuschieben – eventuell in Form einer mechanischen Wasserpumpe, die auch von der einheimischen Bevölkerung vor Ort repariert werden kann. Und natürlich freut sich Reiseleiter Hasina Samoelinanja darauf, demnächst wieder deutsche Touristen in seiner Heimat herumführen zu dürfen.