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Am 24. und 25. Februar 2017 Tagesstätte in Bramsche öffnet mit Bücherbasar

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 14.02.2017, 08:14 Uhr

Am 24. und 25. Februar 2017 lädt die Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen am Brückenort zum großen Bücherbasar ein. In den Räumen der HpH-Einrichtung wartet ein breites Spektrum von gedruckten Schätzen - vom antiquarischen Exemplar bis zum aktuellen Bestseller.

Im Erdgeschoss der alten Villa am Brückenort stapeln sich knapp zwei Wochen vor dem Basar die Bücherkartons. Bis auf den Aufenthaltraum wird jeder Quadratmeter genutzt. Ein Aufruf in den Bramscher Nachrichten hatte ein Riesenecho, freut sich Tagesstättenleiterin Sylke Stoiber. „Ganz viele Leute sind mit Büchern vorbeigekommen, und ganz viele haben sich auch für unsere Arbeit und für das Haus interessiert, erzählt Stoiber. Das HpH-Team nahm Kontakt zum Heimatverein auf. Erich Goltze und Günter Surendorf versprachen eine Chronologie des Gebäudes zu erstellen und zum Bücherbasar alte Fotos zu besorgen. „Dieses historische Interesse hatten wir zuerst gar nicht so im Blick“, gibt Stoiber zu. Jetzt freuen sich die Mitarbeiter über das große Interesse, dass die Tagesstätte offenbar in der Bramscher Bevölkerung findet. „Die Leute waren so offen und herzlich“, sagt Stoiber.

Zwölf Bananenkisten voller Bücher auf dem Anhänger

Und sie brachten Bücher in Mengen. „Einmal kam eine Familie mit einem Anhänger und zwölf Bananenkisten voller Bücher“, erzählt HpH-Mitarbeiterin Sabine Hartke. Senioren kamen gleich mehrmals, immer mit ein paar Büchern in der Tasche und nutzten die Gelegenheit zum Gespräch. Wieder andere, besonders ältere Damen, nutzten das Angebot, die Bücher abholen zu lassen. „Das hat unsere Gartenfirma dann übernommen. Die Mitarbeiter, von denen die meisten eine geistige Beeinträchtigung haben, „freuten sich, dass sie mal richtig was zum Stemmen hatten“.

Durch diese Aufgabe profitiert das Gartenteam ebenso von der Spendenfreudigkeit der Bramscher wie die psychisch erkrankten Gäste der Tagesstätte, die das Sortieren übernehmen. „Das ist so realitätsnah. Wunderbar, dass wir mit so etwas ganz Normalem hier in die Arbeit einsteigen können“, ist Stoiber ganz glücklich - kein künstlich strukturierter Tagesablauf, sondern die Arbeit an einem ganz konkreten Projekt von der Ablaufplanung bis zum Kuchenbacken für den Basar. Stoiber könnte sich durchaus eine Wiederholung vorstellen.

Beim Sortieren genau Hinsehen

Vorerst steht aber noch das Sortieren im Vordergrund und dabei sehen Christiane Böttcher, Sabine Hartke und Sylke Stoiber ganz genau hin. Da muss schon mal etwas aus dem Verkehr gezogen werden, weil das „Handbuch des deutschen Kaufmanns“ aus den späten 30ern des vergangenen Jahrhunderts mit einem Vorwort aus Hitlers „Mein Kampf“ versehen ist. Genauso alt, aber diesmal für unverdächtig erachtet, ist der Vorgänger des Panini-Albums, den Sabine Hartke entdeckt hat: Ein Band mit Sammelbildern zum Einkleben der Olympischen Spiele von 1936. Weiter führt der kulturhistorische Streifzug in Buchform zu „Rosenresli“ noder den gesammelten Werken von Karl May, zu Bestsellern der frühen Jahre wie Jules Vernes „20 000 Meilen unter dem Meer“, James F. Coopers „Der Wildhüter“ über Sylke Stoibers Kindheitserinnerungen“ in Gestalt der „Hanni und Nanni“-Reihe oder „Pippi Langstrumpf“. Klassik-Liebhaber werden bei Goethe- und Schiller-Ausgaben fündig, die der Nachkriegsliteratur bei Grass und Böll. „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg...“ von 2011 liegt neben dem Erotik-Schmöker „Fifty Shades of Grey“. Eine Buchhandlung lieferte sogar Kisten voller neuwertiger aktueller Leseexemplare. Krimis und „Frauen-Literatur“ sind ebenso reichlich vertreten wie Sachbücher für jedes Interessenspektrum und Kinderbücher aller Art.

Ein Zettel von der verstorbenen Ehefrau

So manches „Schätzchen“ kam beim Sortieren zu Tage - das Zettelchen der verstorbenen Ehefrau, das als Lesezeichen gedient hatte, und einen alten Herr zu Tränen rührte, die Kinderzeichnung, das getrocknete Sträußchen Heidekraut, die Notizen für eine Komposition oder der einfache Einkaufszettel. Stoiber und ihre Mitarbeiterinnen haben eine ganze Sammlung angelegt.

Das breite Echo zeige, dass „den Menschen unsere Arbeit am Herzen liegt“, freut sich Stoiber. Der Bücherflohmarkt anlässlich der Eröffnung der Tagesstätte sit am Freitag, 24. Februar 2017 von 10 bis 16 Uhr und am Samstag, 25. Februar von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Telefonisch sind die Mitarbeiter un ter 05461/7084737 zu erreichen.