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Als Bereicherung empfinden Beschwerden: Kitas stellen in Hesepe Konzept vor

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 16.12.2015, 18:32 Uhr

Die fünf evangelischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis Bramsche, die sich in Trägerschaft ihrer Kirchengemeinden befinden, haben sich auf ein gemeinsames Beschwerdemanagement verständigt. Ein Flyer mit den wichtigsten Informationen wird zurzeit in den Einrichtungen verteilt. Grundlage ist Paragraf 8a des Sozialgesetzbuchs, das den staatlichen Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung festlegt.

„Wir sind verpflichtet, ein Konzept für den Umgang mit Beschwerden zu entwickeln“, erläutert Sabine Stein, die Leiterin des Familienzentrums Hesepe. Eine entsprechende Vereinbarung, die Voraussetzung für die Erteilung der Betriebsgenehmigung einer Kindertagesstätte ist, wurde von Elke Bethge (Kita Wirbelwind Engter), Ingrid Cox (Integrativer Kindergarten Arche Noah, Ostercappeln), Denis Fürst (Kindergarten Ueffeln), Karin Richter (Kita Pfiffikus, Engter) und Sabine Stein (Familienzentrum Hesepe) während eines zweitägigen Seminars in der Historisch-Ökologischen Bildungsstelle (HÖB) in Papenburg erarbeitet. Es enthält verbindliche Richtlinien für alle, die aber in den fünf Einrichtungen durchaus noch individuell mit Leben erfüllt werden sollen.

Knappe Leitsätze

Deshalb beschränkt sich auch der Flyer auf relativ wenige, knapp gefasste Leitsätze. „Wir wollen zeigen, dass der Umgang mit Beschwerden im Kindergarten natürlich in erster Linie auf der zwischenmenschlichen Ebene stattfindet“, sagt Fürst und ergänzt: „Kleine Probleme werden sofort gelöst, aber es gibt natürlich auch Dinge, die längerfristig angegangen werden müssen“.

Zu Letzteren zählen Fürst, Richter und Stein, die das Konzept am Mittwoch im Heseper Familienzentrum vorstellten, beispielsweise Sorgen von Eltern bezüglich der vorschulischen Bildung oder Unstimmigkeiten bei den Essenszeiten. „ Wenn Eltern sich beschweren, bedeutet das doch, dass sie sich Sorgen um die Entwicklung ihrer Kinder machen“, sagt Fürst. „Das nehmen wir ernst und tragen es auch in die Teamsitzungen“. Insgesamt sehen die Kita-Leitungen Kritik oder Einwände von Eltern, als eine wichtige Hilfe, die eigene Arbeit zu reflektieren.

„Wenn das Kind nur in der Ecke sitzt, dann stimmt was nicht“

Eine andere, aber nicht weniger wichtige Art von Beschwerden, mit denen sich die Erzieherinnen und Erzieher täglich auseinandersetzen müssen, geht nicht von den Eltern aus. „Auch Kinder beschweren sich. Sie können es nur meist noch nicht so verbalisieren“, sagt Stein. Wenn ein Kind nur noch still in der Ecke sitzt, bei keinem Spiel mitmachen möchte, dann stimmt etwas nicht“, veranschaulicht Fürst die Thematik. „Dann muss man genau auf die Signale achten. Man muss fragen, was los ist. Manchmal hilft es dann schon, das Kind auf den Arm zu nehmen und zu trösten und es behutsam wieder ins Spiel zu bringen“, sagt Stein. Auch das ist eine Art Beschwerdemanagement.

Wichtig sei sowohl für Eltern wie für Kinder , „dass es immer, wirklich in jedem Fall“ eine Rückmeldung gibt - für das einzelne Kind, in einer Gruppenrunde, oder in der „Kinder-Konferenz“, für die Eltern in Einzel- oder Gruppengesprächen oder auch in der Mappe, die die Entwicklung jedes Kindergartenkindes dokumentiert. Auch in die Protokolle der Teambesprechungen wird aufgenommen, wenn sich die Mitarbeiter mit einer Anregung oder einer Beschwerde auseinandersetzen und Lösungen gefunden haben.

Unterschiedliche Meinungen und Bedürfnisse wahrzunehmen und zuzulassen, gehöre zur Basis der Arbeit in christlichen Kindertagesstätten und gebe Anstöße zur Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit, heißt es in dem Papier. Oder, ganz knapp: „Beschwerden sind eine Bereicherung“d.