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Adventskalender-Serie Die BN öffnen Türen: Im Abwasserbeseitigungsbetrieb

Von Matthias Benz | 20.12.2014, 13:03 Uhr

„Die Bramscher Nachrichten öffnen Türen“ – unter diesem Motto stellen wir bis Heiligabend Orte und Räumlichkeiten aus Bramsche und Umgebung vor, die sonst nicht unbedingt zugänglich sind. An jedem Erscheinungstag einen, einem Adventskalender gleich. Heute sind wir mit dem Abwasserbeseitigungsbetrieb unterwegs.

Bramsche ist leider keine Großstadt: „Wir können hier nicht mit dem Schlauchboot durch die Kanalisation fahren wie zum Beispiel in Berlin“, muss uns Frank Möller schon am Anfang ein wenig enttäuschen. Der Abwassermeister arbeitet seit über 30 Jahren für die Stadtwerke, und als Leiter der Kläranlage ist er auch für rund 130 Kilometer Schmutzwasserleitungen zuständig.

In den Untergrund führt er uns trotzdem, auch wenn es „nur“ der Kellerraum des Pumpwerks am Hasesee ist. Insgesamt 34 Pumpwerke verteilen sich über die Stadt, dieses ist das größte. „Hier fließen pro Tag bis zu 4000 Kubikmeter Abwasser durch, das entspricht etwa drei Vierteln des gesamten Abwassers in Bramsche.“ Aus Engter, Lappenstuhl, Schleptrup und der Gartenstadt kommt es hier an, und zwar nicht nur aus den Privathaushalten. „Wir haben in dem Bereich auch wasserintensive Industrie, die einen erheblichen Teil ausmacht“, erklärt Möller.

Drei gewaltige Pumpen sorgen dafür, dass das Abwasser auch die letzte Etappe unter dem Hasesee her bis zum Heinrich-Beerbom-Platz und schließlich zum Klärwerk an der Maschstraße schafft. Allerdings ist immer nur eine der 650 Kilogramm schweren Maschinen im Einsatz. „Wir lassen sie abwechselnd laufen, damit keine für lange Zeit unbenutzt bleibt.“ Gleichzeitig ist der Abwasserbeseitigungsbetrieb der Stadtwerke so doppelt abgesichert, falls eine Pumpe mal defekt sein sollte. Für diesen Fall wird aber auch präventiv gearbeitet: „Natürlich werden die Pumpen regelmäßig gewartet“, betont Frank Möller.

120 Liter pro Haushalt

Ein Stockwerk höher zeigt er uns auch den Frequenzumrichter, der automatisch reguliert, dass „nur das gepumpt wird, was anfällt“. Wenn zu wenig anfällt, schalten sich die Pumpen auch mal aus. „Es gibt schon auch Spitzenzeiten, zum Beispiel morgens, wenn in den Haushalten viel Wasser verbraucht wird. Geschätzt wird, dass jeder Bramscher am Tag durchschnittlich 110 bis 120 Liter Wasser verbraucht.“ Dass dieser Wert deutlich unter den 150 Litern liegt, die früher mal verbraucht wurden, sieht Frank Möller überraschend kritisch. „Wassersparen ist natürlich gut und ökologisch. Aber für uns ist Wasser in erster Linie auch ein Transportmittel, mit dem der Schmutz zum Klärwerk gespült wird.“ Geringerer Wasserverbrauch bedeute eben auch, dass das Schmutzwasser in den Kanälen deutlich dickflüssiger und langsamer werde.

Möller veranschaulicht das mit einem Blick in einen Gully vor dem Pumpwerk. Das Schmutzwasser rauscht unter uns entlang. „Wie schnell das genau ist, kann man schwer einschätzen. Aber wir brauchen eigentlich überall eine Mindestgeschwindigkeit von 60 Zentimetern pro Sekunde, damit sich kein Sand in den Leitungen ablagert.“ Das entspricht 2,16 km/h.

Auch den Pumpenvorschacht möchte uns Frank Möller nicht vorenthalten. Durch eine Metallluke schauen wir in den fünf Meter tiefen Schacht, in dem das Schmutzwasser ankommt, bevor die Pumpen es weiterbefördern. Im Moment steht der Pegel vielleicht bei einem oder anderthalb Metern, allerdings kann man an der Betonwand Ablagerungen erkennen, die darauf hindeuten, dass das Abwasser hier auch mal bis zum Rand steht. „Das läuft hier aber nicht über“, lacht Frank Möller und deutet auf einen Sensor, der die Stadtwerke alarmiert, wenn der Pegel in einen kritischen Bereich kommt. Vorsichtig bewegen wir uns an der Luke, auf ein Bad in dieser stinkenden braunen Brühe können wir verzichten.

Mit Schnee und Eis hat das Klärwerk übrigens kein Problem. „In der Regel hat das Wasser auch im tiefsten Winter noch eine Temperatur von etwa 10 Grad Celsius, wenn es an der Maschstraße ankommt. Da friert so schnell nichts zu.“ Viel eher machen Frank Möller Dinge Sorgen, die nichts im Abwasser zu suchen haben. „Zum Beispiel Feuchttücher. Die sind nicht aus Papier und lösen sich nicht auf.“

Ein anderes Problem seien Medikamente. Vermehrt seien Rückstände von Arzneien im Abwasser zu finden. „Die meisten Kläranlagen, auch wir hier in Bramsche, sind dafür noch nicht ausgestattet“, warnt Möller davor, dass die Konzentration in einen kritischen Bereich steigen könnte.