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Adventskalender-Serie BN öffnen Türen: Im Kirchturm von St. Martinus

Von Ilona Ebenthal | 23.12.2015, 11:37 Uhr

„Die Bramscher Nachrichten öffnen Türen“ – unter diesem Motto stellen wir bis Heiligabend Orte und Räumlichkeiten aus Bramsche und Umgebung vor, die sonst nicht unbedingt zugänglich sind. An jedem Erscheinungstag einen, einem Adventskalender gleich. Heute öffnet sich eine Tür in der St. Martinus-Kirche in

Ein kleines Abenteuer ist es, wozu Werner Luttmer uns einlädt. Wir wollen den Kirchturm besteigen. Hinter einer unscheinbaren Holztür eines Wandschranks in der Sakristei verbergen sich nicht nur Putz-Utensilien, sondern auch eine fest an der Wand installierte schmale und lange Eisenleiter, die senkrecht nach oben führt und die Werner Luttmer für seine 77 Jahre erstaunlich behände emporklettert.

Er drückt eine Holzluke hoch, damit wir die erste Ebene erklimmen können. Wieder öffnet sich eine Tür. In einem Holzschrank in der Mitte des Raumes befindet sich das imposante Uhrwerk der Kirchturmuhr, die vom früheren Pfarrer Hindemith wöchentlich nachjustiert wurde, wie der Rentner berichtet. Der große Schrank ist rundum mit Styropor beklebt, um das Uhrwerk vor Kälte zu schützen. Gegenüber der Uhr befindet sich eine Eisentür.

Vorsicht, Kopf einziehen

Dahinter entfernt Luttmer erst einmal zahlreiche Spinnennetze und führt uns dann mit der Warnung „Vorsicht, Kopf einziehen“ auf die Decke des Kirchenschiffs, die über Holzstege beschritten werden kann. Eine dicke Eisenkurbel dient zum Bewegen des großen Holzkreuzes in der Kirche und zwei Angelspulen halten das Kreuz rechts und links an Schnüren fixiert.

Jetzt geht es zurück und dann weiter über eine zweiteilige Aluminiumleiter, die zwar gut verankert ist, aber doch erhebliche Schwingungen zeigt, gut im Takt mit den zitternden Knien. Die nächste Luke geht hoch und endlich haben wir wieder festen Holzboden unter den Füßen. Auf dieser Ebene ist es aber reichlich eng, denn hier befinden sich die drei gewaltigen Glocken von St. Martinus. Deren Läutwerk hat Luttmer zum Glück vorsorglich abgestellt. Die Glocken sind sorgfältig grau lackiert und mit Inschriften versehen. Doch wir müssen noch eine Aluminiumleiter nach oben steigen, bevor wir den Dachstuhl der Kirchturmspitze erreichen.

Leiter hinter Schranktür

Ein kräftiger frischer Luftzug ist zu spüren. Auf dem Boden liegt hier und da schwarzer Mull. Eine dicke Schicht toter Fliegen räumen die Gemeindemitglieder einmal jährlich weg, berichtet Luttmer. Zumindest Tauben finden hier keinen Zugang. Der Abstieg funktioniert dann viel schneller als der zugegeben recht mühsame Aufstieg. Endlich ist auch die letzte Sprosse der steilen Eisenleiter bewältigt und Werner Luttmer kann die Schranktür wieder schließen.