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Adventskalender-Serie BN öffnen Türen: Heizen mit Holz in Evinghausen

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 21.12.2015, 11:31 Uhr

„Die Bramscher Nachrichten öffnen Türen“ – unter diesem Motto stellen wir bis Heiligabend Orte und Räumlichkeiten aus Bramsche und Umgebung vor, die sonst nicht unbedingt zugänglich sind. An jedem Erscheinungstag einen, einem Adventskalender gleich. Heute sind wir bei Rolf und Monika zu Besuch und dürfen einen Blick in ihren riesigen Holzhackschnitzel-Speicher werfen.

„Es hat mich einfach fürchterlich geärgert, dass Energie, die hier gewachsen ist, nicht verwertet wird“. Der Evinghausener Landwirt Rolf Bruning kann sich echauffieren, wenn er an die Zeiten denkt, als Holz, das nicht für den Bau oder die Möbelindustrie zu vermarkten war, im Wald verbrannt wurde oder liegen blieb und verrottete. Der Evinghausener und seine Frau Monika überlegten deshalb nicht lange, als endlich eine Technologie zur Verfügung stand, diesen wertvollen Rohstoff zu nutzen. Seitdem wird der Hof an der Icker Landstraße - und nicht nur der - mit Holzhackschnitzeln geheizt .Steigende Ölpreise und ein wachsendes Umweltbewusstsein schärfen den Blick für die umweltfreundliche Heizalternative. Anlage stehen mittlerweile unter anderem in der Waldorfschule und der Johannesschule, aber auch die St. Johannis-Kirchengemeinde in Engter wird derart mit Wärme versorgt.

Holz sammeln gehörte zum Alltag

Monika Bruning erinnert sich noch an ihre Kindheit. Holz sammeln für den Ofen gehörte damals zum Alltag. Die jetzige Heizung ist genau so umweltschonend, der Aufwand, eine warme Stube zu haben, minimal. „Es riecht bloß nicht mehr so schön“, sinniert die Evinghausener Ortsvorsteherin mit ein bisschen Bedauern. Was jetzt bei Brunings verheizt wird, hat bei aller Natürlichkeit, schon einige Bearbeitungsschritte hinter sich, bei denen der Holzduft (leider) auf der Strecke bleibt.

Stämme bis 55 Zentimeter Durchmesser

Vor dem Lager auf dem Hof erklärt Bruning: „Wir verarbeiten Holz aus unseren heimischen Wäldern. Bäume werden heute meist maschinell ‚geerntet‘ und nach Durchmesser und Qualität getrennt an die Waldwege ‚gerückt‘. Das „Waldrestholz“ wird dabei in der Regel schon an den festen Wegen gestapelt“. Rolf Bruning und sein Sohn Lars holen es dort ab und bezahlen pro Schüttmeter. Noch vor Ort kommt der sogenannte „Holzhacker“ zum Einsatz, der Stämme bis zu einem Durchmesser von 55 Zentimeter, ohne dass vorher entastet werden muss, mit seinen scharfen Zähnen und Motorkraft in Hackschnitzel verwandelt. Die enorme Kraft dieses schweren Geräts beeindruckte vor einigen Jahren selbst den damaligen niedersächsichen Ministerpräsidenten Christian Wulf nachdrücklich, als er sich ein Bild von der neuen Heizung an der Waldorfschule machte.

Nach drei Tagen steigt Dampf auf

„Im Lager auf dem Hof lassen wir die Schnitzel im Freien, nur mit einem luftdurchlässigen Flies abgedeckt, warm werden“, erläutert Bruning weiter. In einer Art Gärprozess erhitzen sich die abgedeckten Schnitzel auf 60 bis 70 Grad. „Nach drei Tagen ist der Haufen warm. Dann steigt richtig Dampf auf“ Gut ein halbes Jahr dauert es, bis kein Wasser mehr da ist und das Holz verheizt werden kann. „Es ist der einfachste und direkteste Weg zu heizen“, findet der Landwirt, dessen Betrieb 2014 mit dem niedersächsischen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde. 

Die Technik ist aufwendig. Nicht jeder Waldbesitzer kann und will sein Holz selbst verarbeiten. Außerdem fällt Material aus „landespflegerischen Maßnahmen“ an oder wenn neue Baugebiete erschlossen werden. „Wir hacken deshalb auch im Lohnbetrieb“, berichtet Bruning. Eingelagert wird dann in der Regel auf den Höfen der Waldbesitzer, die mit den Schnitzeln heizen. Mit der Waldorfschule oder der Kirchengemeinde Engter haben Brunings einen Vertrag geschlossen. Sie sorgen dafür, dass der Spänebunker, aus dem sich die Heizung selbst die Schnitzel ansaugt, nicht leer wird.

Asche als natürlicher Dünger

Von der Funktion her unterscheidet sich eine Holzhackschnitzelheizung kaum von einer konventionellen Heizung. Je nach Typ reagieren allerdings manche Geräte empfindlich auf den Holzstaub des Brennmaterials. Nur eine Entstaubungsanlage kann da Abhilfe schaffen, wie sie Sohn Lars gerade auf einem benachbarten Hof im Einsatz hat und die mit lautem Krach die Spreu vom Weizen, also die „Qualitätshackschnitzel“ vom Staub, trennt. „Ein Riesenaufwand“ findet Bruning. Weil das Gerät nur wenige Tage im Jahr zum Einsatz kommt, ist es nur geliehen.

Die Energie, die hier gewachsen ist, sinnvoll zu verwenden, ist Brunings Credo. Er weist immer wieder darauf hin. Das gilt sogar über das Heizen hinaus: „Die Asche, die übrig bleibt, geben wir anschließend der Natur zurück“. Sie enthält wichtige Mineralstoffe und ist ein natürlicher Dünger.