Nun ein Mahnmal gegen Krieg Neue Texttafel am Nowotny-Denkmal in Epe angebracht

Die neue Texttafel am Nowotny-Denkmal in Epe ist nun angebracht worden. Der Gedenkstein fungiert künftig als Mahnmal für die Opfer des Krieges. Foto: Björn DieckmannDie neue Texttafel am Nowotny-Denkmal in Epe ist nun angebracht worden. Der Gedenkstein fungiert künftig als Mahnmal für die Opfer des Krieges. Foto: Björn Dieckmann

Epe. Die Umgestaltung des Gedenksteins für den Jagdflieger Walter Nowotny in ein Mahnmal gegen den Krieg ist abgeschlossen: Am Donnerstag wurde an dem Denkmal im Bramscher Ortsteil Epe eine neue Texttafel angebracht.

Mit dem Anbringen der durch Plexiglas geschützten Metalltafel soll ein Prozess des Umdenkens sein Ende finden, der im Frühjahr durch Bürgermeister Heiner Pahlmann angestoßen worden war: Nach Berichterstattungen der Tageszeitung „taz“ und unserer Redaktion aufgenommen wurde, regte Pahlmann die Einrichtung eines Gremiums zum künftigen Umgang mit dem Nowotny-Denkmal an, um das es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen gegeben hatte. Diesem Gremium gehörten der Bramscher Pastor in Rente Winfried Schiller, Oberstleutnant der Reserve Uwe Schrader, Dieter Przygode als historischer Berater, der Ortsbürgermeister von Epe sowie ein Mitglied jeder Ratsfraktion des Ortsrates Epe, der Verwaltungsvorstand der Stadt Bramsche, die Pressesprecherin der Stadt Bramsche sowie die Fraktionsvorsitzenden des Bramscher Stadtrates oder von ihnen bestimmte Vertretungen an.

Bislang erinnerte die Gedenkstätte in Epe an der Straße „Am Zuschlag“ an Walter Nowotny: Er war mit über 250 Abschüssen einer der erfolgreichsten Jagdflieger des Zweiten Weltkrieges und gilt als Mitglied der Hitler-Partei NSDAP als ein Liebling der NS-Propaganda. Nowotny leitete ein in Hesepe und Achmer stationiertes Erprobungskommando für den Düsenjäger Messerschmidt Me 262. Er wurde am 8. November 1944 über Epe abgeschossen. Inwieweit Walter Nowotny ein überzeugter Verfechter der nationalsozialistischen Ideologie war, ist umstritten.

Dokument der Zeitgeschichte

Das eingesetzte Gremium kam überein, dass dem Gedenkstein „jeglicher Charakter einer Heldenverehrung“ genommen werden solle und er fortan als Dokument der Zeitgeschichte genutzt werden solle. Dazu wurde ein Text für eine neue Gedenktafel entworfen, der zwar aufgreift, dass es sich hier ursprünglich und über lange Zeit um einen Gedenkstein für Walter Nowotny handelte. Mit der neuen Inschrift solle aber ein Bedeutungswandel vollzogen werden und das Denkmal zu einem Mahnmal werden für die Opfer des Krieges und für die Menschen, die Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft geleistet haben. Dieser neuen Ausrichtung stimmte später auch der Stadtrat zu.

Das Nowotny-Denkmal im März 2017: Die damalige Aufschrift ließ die Stadt Bramsche später entfernen, auch die Umzäunung, das Beet und die Steinplatten sind jetzt nicht mehr vorhanden. Archiv-Foto: Björn Dieckmann

Die Stadt Bramsche hatte frühzeitig die alte Texttafel entfernen lassen, noch bevor die Entscheidung des Gremiums öffentlich bekannt wurde. Vor Kurzem abgebaut wurde zudem die Umzäunung des Gedenksteins abgebaut, auch das bisherige Beet ist nun nicht mehr vorhanden, ebensowenig wie ein kurzer Gehweg aus Steinplatten. Welche Kosten durch die Umgestaltung entstanden sind, ist noch nicht bekannt.


Der Text auf der neuen Gedenktafel hat folgenden Wortlaut:

Dieses Mahnmal war ursprünglich ein Gedenkstein für den an dieser Stelle abgestürzten Jagdflieger Walter Nowotny. Der Stein wurde noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgestellt und Ende der 50er Jahre von der damaligen Gemeinde Epe wiederhergerichtet. Er trug folgende Inschrift:

„Hier fiel am 8.11.1944 nach 258 Luftsiegen der Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brilanten Major Walter Nowotny für Führer, Volk und Vaterland

geb. 7.12.1920 Gmünd/Oestr.“

Das Wort „Führer“ wurde bei der Wiederherrichtung aus dem Text weggelassen.

Dieser Gedenkstein dokumentierte in der ersten Nachkriegszeit eine Form der Erinnerungskultur, der wir nach unserem heutigen Wissen und Gewissen widersprechen. Jetzt mahnt er uns, nicht vermeintlicher Kriegshelden zu gedenken, die Teil eines Unrechtsregimes waren.

Wir gedenken stattdessen der Opfer des Krieges und der Menschen, die Widerstand gegen die menschenverachtende nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft geleistet haben.

Stadt Bramsche

im August 2017

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