Adventsserie „Angekommen“ Debbie Prüfer – in England geboren, in Rieste heimisch

Von Ilona Uphaus


Rieste. Sie leben in Bramsche, Neuenkirchen-Vörden, Rieste. Manche seit Jahrzehnten, andere erst seit ein paar Monaten. Sie sind geflohen oder haben Arbeit gesucht und manchmal auch die große Liebe gefunden. Die Adventsserie „Angekommen“ beschreibt moderne Herbergssuchen. Heute: Deborah Prüfer aus England.

Sie hat vielfältige Talente und Leidenschaften, die sie von England über Berlin nach Rieste geführt haben: Deborah Prüfer, genannt Debbie, ist 66 Jahre alt und lebt seit 45 Jahren in Deutschland. 1951 geboren, wächst sie als Einzelkind auf und lebt als Jugendliche drei Jahre in den USA bei Verwandten. Nach dem Abitur arbeitet sie ein halbes Jahr im Rennpferdestall einer Freundin ihrer Mutter in Holland, denn „ich liebe Pferde“. In London verlässt sie mit Diplom nach einem Jahr die französische Kochschule und arbeitet anschließend in verschiedenen Restaurants. Als der Vater erkrankt, geht sie zurück nach England, um die Mutter zu unterstützen und besucht gleichzeitig das technische College für das Fach Hotelrezeption.

Über Berlin nach Rieste

Um sich Taschengeld zu verdienen, jobbt sie in einem großen Hotel und lernt Hansjoachim „Jochen“ Prüfer kennen, der dort Manager ist. Nach einem Jahr wird in ihrem Heimatort Tiverton Hochzeit gefeiert. Beide führen in Bexhill ein großes Hotel, aber in Debbie Prüfer erwacht der Wunsch, die Muttersprache ihres Mannes zu erlernen. Also geht es nach Berlin, wo dessen Eltern leben. „Eine wunderbare Stadt“, findet Debbie Prüfer. Sie habe Deutschland sehr positiv erlebt, sei aber sehr bedrückt gewesen wegen der Mauer, auf die sie bei vielen gemeinsamen Radtouren immer wieder gestoßen sei. „Ich konnte nicht glauben, dass ein ganzes Volk eingesperrt ist“, sagt sie. Und an der Grenze mussten sie und die Freunde, die zu Besuch kamen, bis zu acht Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. So ergreifen die Prüfers die Gelegenheit, zunächst für zwei Jahre nach Rieste zu ziehen, um den Schwager zu unterstützen, der das Hotel Kommende Lage übernimmt.

Störche und Champignons

Hier gerät Debbie Prüfer so richtig ins Schwärmen. Zwei Herden New Forest Ponys seien damals auf den Weiden hinter der Kommende gelaufen und auf dem Dach habe ein Storchenpaar genistet. Auf den Wiesen habe sie jede Menge Champignons gesammelt. „Wir sind jeden Tag geritten, wo jetzt der Alfsee ist“. In einem kleinen Apartment in der Kommende zu leben war für sie „traumhaft“. „Ich bin sowieso ein Mädchen vom Lande“, erklärt sie. Als sie schwanger wird, ziehen sie in ein Häuschen mitten im Ort, wo ihre beiden Söhne groß werden.

Chorgesang und Kaffeeklatsch

Als eine Nachbarin sie im Garten singen hört, wird sie zum Chor mitgenommen, „sehr herzlich aufgenommen“ und kommt dort als Solosängerin zum Einsatz. „Hier habe ich richtig Deutsch gelernt mit deutschem Liedgut“, erzählt sie strahlend. Auf dem ersten Kaffeekränzchen in der Nachbarschaft wundert sie sich über die vielen Torten, die auf dem Tisch stehen. Und als die Nachbarn zum zehnten Hochzeitstag der Prüfers zum „Kranz ausmessen“ vor der Tür stehen, versteht sie zuerst überhaupt nicht, warum sie eine Wasserwaage holen soll. „Die kränzen hier sehr oft“, stellt sie bald fest.

Ritterbankett

Als der Schwager den Winzerkeller in Heppenheim übernimmt, bleiben Prüfers in Rieste, weil ihnen „der Ort ans Herz gewachsen ist“. Jochen Prüfer macht eine Umschulung und Debbie verdient mit einer Änderungsschneiderei zum Lebensunterhalt dazu. Insgesamt 20 Jahre lang bieten beide für die folgenden Pächter der Kommende Lage die damals berühmten „Ritterbankette“ an. Die ganze Familie macht mittelalterliche Musik dazu. Debbie spielt Gitarre und irische Harfe und sorgt für die passende imposante Kleidung, die sie für ihre Familie und für die Servicekräfte selbst entwirft und schneidert.

Gartenparadies

Nach dem Fall der Berliner Mauer besuchen sie als Aussteller die Urlaubsmesse. „Wir haben auch ein paar Stücke aus der Mauer rausgekloppt“, gesteht Debbie Prüfer. Die Familie bezieht im Riester Neubaugebiet ein Eigenheim und Debbie kann einer weiteren Leidenschaft frönen. Es entsteht ihr „Secret Garden“ – ein kleines Gartenparadies hinter hohen Hecken verborgen, das die Prüfers regelmäßig für die Öffentlichkeit öffnen und das es gerade ins frisch gedruckte Buch „Gärten und Gartengesichter im Osnabrücker Land“ geschafft hat.

Malleidenschaft

Und noch eine echte Leidenschaft hat Debbie Prüfer. Seit ihrer Jugend malt sie mit großer Hingabe Bilder. In ihrem kleinen Atelier entstehen bis heute zauberhafte Gemälde. Zum Beispiel eine Auftragsarbeit als Geschenk für den Superintendenten: Sämtliche Kirchen im Evangelischen Kirchenkreis Bramsche auf einer Leinwand verewigt – ein äußerst beeindruckendes Bild. Auch das Logo zur 750-Jahrfeier von Rieste ist ihrer Feder entsprungen. Nicht nur in Riester Häusern hängen einige Bilder von ihr, doch eine Ausstellung plant sie im kommenden Jahr zum allerersten Mal.

Jetzt freut sich die Riesterin auf die Weihnachtstage. Dann reisen nämlich beide Söhne aus Bremen und Heidelberg mit ihren Familien an. Vier Enkelkinder werden dann durch das Haus toben. Herrlich für Debbie Prüfer, denn sie ist ja Trubel gewöhnt.