Kontakt durch „Puschenprojekt“ Roma-Frauen aus Rumänien zu Gast in Bramsche und Rieste

Von Christoph Lützenkirchen

An den Filzpuschen haben die Frauen aus Probstdorf auch während des Waldorf-Basars gearbeitet. Unser Foto zeigt (von links) Alicee Florea, Julia Krämer, Liliana Ghebenei, Rodica Gottschling und Marioara Gabor. Fotos: Christoph LützenkirchenAn den Filzpuschen haben die Frauen aus Probstdorf auch während des Waldorf-Basars gearbeitet. Unser Foto zeigt (von links) Alicee Florea, Julia Krämer, Liliana Ghebenei, Rodica Gottschling und Marioara Gabor. Fotos: Christoph Lützenkirchen

Bramsche/Rieste. Sieben Frauen aus dem rumänischen Probstdorf sind derzeit in der Region zu Gast auf Einladung von Julia und Erich Krämer. Das Paar stammt aus Bramsche und unterstützt die Roma in Siebenbürgen.

„Wir sind doch nur irgendwelche Frauen aus einem kleinen, unbedeutenden rumänischen Dorf“: Mioara Avram ist beeindruckt von der Gastfreundschaft, die sie bei ihrem Besuch in Bramsche erlebt. „Die Menschen haben sich alle gefreut, dass wir da sind, niemand hat uns einen Unterschied spüren lassen“, sagt die 35-jährige Mutter von zwei Kindern aus dem rumänischen Probstdorf. Sie gehört zu einer siebenköpfigen Gruppe von Roma-Frauen, die für eine Woche in der Arche Alfsee in Rieste zu Gast ist. „Ich denke, dass die Begegnung auf Augenhöhe ein sehr großes Thema für sie ist“, erklärt Julia Krämer, gemeinsam mit ihrem Mann Erich hat sie die Reise der Frauen organisiert: „In Rumänien werden die Frauen als Roma immer ausgegrenzt, vor allem in ihrem Dorf, wo jeder weiß, wer Roma und wer Rumäne ist.“

Reise lange geplant

Schon vor zwei Jahren hat Erich Krämer den Frauen vorgeschlagen, gemeinsam nach Deutschland zu reisen. Sie gehören zum Team des „Puschenprojekts“, das das Paar seit 2015 in dem kleinen Dorf in Siebenbürgen aufgebaut hat. Die Frauen stellen Filzpantoffel („Puschen“) her, die in Deutschland verkauft werden; unter anderem auf dem Adventsbasar der Freien Waldorfschule Evinghausen vor wenigen Tagen und im Bramscher Weltladen. Für ihre Arbeit bekommen sie die Hälfte der Einnahmen. Die andere Hälfte wird für Wolle, Leder, Garn, Farbe, Seife, Essig, Salz und den Transport nach Deutschland benötigt. Die Frauen entscheiden selbst, wie viel sie arbeiten können und wollen.

Große Unterstützung

Es habe bis zum Sommer 2017 gedauert, bis das Vertrauen gewachsen sei und die Frauen dem Vorschlag der gemeinsamen Reise zustimmten, sagt Erich Krämer. Die spontane Unterstützung aus dem Kreis der Freunde und Förderer des Projekts war groß. Der Weltladen beteiligte sich an den Reisekosten. Beate und Siegbert Wulf von der Arche Alfsee stellten kostenlos eine große Ferienwohnung zur Verfügung, außerdem einen Kleinbus, mit dem die Gruppe zahlreiche Ausflüge unternahm. „Zum ersten Mal in ihrem Leben haben die Frauen ihre Familien und ihr Dorf für längere Zeit verlassen“, sagt Krämer: „Seit frühester Jugend kennen sie außerdem kein Leben ohne ihre tägliche Arbeit.“

Die Filzpuschen waren beim Basar auch zu erwerben. Ansonsten werden sie auch im Bramscher Weltladen angeboten.

Bei der Frage, worauf sie sich bei der Rückkehr nach Hause besonders freue, fängt die 63-jährige Marioara Gabor an zu weinen. Sie denkt an ihr Probstdorf, da ist sie aufgewachsen, das ist ihre Heimat. Mioara Avram kann sich vorstellen, noch einmal nach Bramsche zu reisen – dann aber nur für drei Tage. Eine Woche ohne ihre Familie ist ihr zu viel. Deutschland sei schön, da sind sich die Frauen zwischen 35 und 70 einig, manchmal aber auch anstrengend. Zum Beispiel auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt. „Was wollen nur all die Menschen hier?“, wundern sie sich, in Siebenbürgen geht es beschaulicher zu.