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Rogler im Bramscher Universum:Stimmung mit und ohne „Mutti“

Seinen Sportunfall bei der Sportschau demonstrierte Richard Rogler. Foto: Heiner BeinkeSeinen Sportunfall bei der Sportschau demonstrierte Richard Rogler. Foto: Heiner Beinke

be Bramsche. „Bombenstimmung hier in Bramsche“, freut sich Richard Rogler über den Auftrittsapplaus am Donnerstagabend im „Universum“. Aber er weiß: Der Spaß ist bedroht, „Mutti“ könnte noch kommen.

„Muttis“ richtiger Name will ihm partout nicht einfallen. „Abgebrannter Brennstab“ nennt er sie oder „atomare Altlast“, bis endlich der Groschen fällt: „Merkel, Dr., noch.“ Die Bundeskanzlerin ist der Inbegriff der Mitte, die sie ganz für sich beansprucht, auch in Bramsche, wenn sie denn noch kommen würde.

„Mutti“ steht bei Rogler für den ganzen Politzirkus, von dem er so richtig die Schnauze voll hat. Die Demokratie hat eine neue Stufe erreicht, das Volk erwartet vom Politiker gar nichts mehr. Und Parteien sind etwas für Menschen, die auf normalem Wege keine Freunde mehr finden. Klare Sache für den altgedienten Kabarettisten: Keine Politik mehr auf der Bühne, „da läuft hier nix“.

Der 61-jährige Altmeister des politischen Kabaretts kann sie nicht mehr sehen, diese vereinten Dilettanten aller Parteien: „Der Niebel“, da reicht schon die Betonung, um den Entwicklungshilfeminister als peinliche Fehlbesetzung abzutun. Oder, langer Blick zurück auf ein hartes Spötterleben, der Scharping, dessen „höchster militärischer Orden das Seepferdchen“ gewesen ist. Dann doch lieber zu Guttenberg, der findige Wortschöpfer, Erfinder des „kriegsähnlichen Zustands“ in Afghanistan und der freiwilligen Wehrpflicht.

Rogler hat, zumindest für dieses Programm, sein übliches politisches Alter Ego Camphausen eingemottet. Stattdessen gesteht der Kabarettist autobiografisch einsame Selbstgespräche, Selbstzweifel und Lebensfrust. Natürlich geht es dabei um Politik, um was wohl sonst bei Rogler. Aber nicht um den tagespolitischen Kleinkram, sondern um die Unfähigkeit des ganzen Betriebs.

Aber das ist ja noch nicht alles. Rogler treibt es den Schweiß auf die Stirn, wenn er auf den Sportwahn der Mitmenschen zu sprechen kommt. Walker mit Schweißband und Hantelgewicht gehören wegen „Erregung ästhetischen Ärgernisses“ mit Bußgeld belegt, Stretching führt nur dazu, „dass mein Kopf und meine Füße zwischendurch unterschiedliche Postleitzahlen hatten“. Und dann Gernot und Barbara, die sich nichts weiter wünschen als ein einfaches Leben, aber auf hohem Niveau.

Rogler reitet wie gewohnt einen wilden Parforceritt durch gesellschaftliche Irrungen und Wirrnisse, spottet, malt nach Herzenslust Zerrbilder, lässt Dampf ab und kommt ohne Pause zur Zugabe. Zeit ist kostbar, und das Schöne am Kabarett ist ja, dass es auch mal vorbei ist. Der lang anhaltende Applaus im Universum zeigt, dass dem Publikum auch die „Stimmung“ vor dem Ende bestens gefallen hat.


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