Streit um Pastorenweggang Kontroverse Debatte bei Gemeindeversammlung in Engter

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Engter. Phasenweise stark emotional verlief am Dienstagabend die öffentliche Gemeindeversammlung in der voll besetzten St.Johannis-Gemeinde in Engter. Thema waren gut zwei Stunden lang Umstände und Ursachen des Weggangs der Pastorenfamilie Danckwerts zum 31. Oktober. Viele Gemeindemitglieder waren gekommen, um Fragen zu stellen. Besonders auf Superintendent Hans Hentschel prasselte dabei zeitweise harte Kritik ein.

„All Fehd‘ hat nun ein Ende“, heißt es jeden Sonntag im Gloriagesang des Gottesdienstes. Ganz so wird es jetzt in der Gemeinde nach der Aussprache am Dienstag nicht sein, auch wenn etliche Unklarheiten beseitigt wurden. Denn viele Anwesende waren am Ende frustriert und seien so schlau aus der Kirche rausgegangen, wie sie reingekommen sind, wie es ein Redner auf den Punkt gebracht hat. Der Zorn einiger Anwesender richtete sich auch gegen den Superintendenten, was sich ab und an in drastischer Wortwahl ausdrückte. Noch relativ milde war der Einwand einer Wortmelderin, die sagte: „Sie reden immer von Differenzen zwischen Kirchenvorstand und Pastor. Was waren das denn für Differenzen? Den Knackpunkt nennen Sie nicht.“ Schon drastischer klang der Einwand eines älteren Gemeindemitglieds: „Ich bin schon so lange in der Gemeinde. Wir wollen nicht verarscht werden. Bei mir zu Hause und alle meine Nachbarn wollen nur eines wissen: Warum musste dieser Mann gehen?“ Auch ein jugendlicher Wortmelder fand deutliche Worte. Er lobte zunächst die Jugendarbeit des an diesem Abend nicht anwesenden Pastor Danckwerts: „Wir Jugendliche sind unfassbar traurig, dass Hilko Danckwerts weg ist. Die Situation, wie sie jetzt ist, ist scheiße. Das sage ich bewusst so krass, weil das unsere Sprache ist.“

Hentschel: Die Gemeinde ist traurig, traurig, traurig

Hentschel ging auf die Kritik folgendermaßen ein: „Die Gemeinde ist traurig, traurig, traurig. Das verstehe ich. Ich teile diese Traurigkeit mit Ihnen.“ Gleichzeitig bekräftigte der Superintendent, dass er nicht der weise Richter sei und an diesem Abend keine Aussagen zu den konkreten Umständen der Streitigkeiten zwischen Kirchenvorstand und Pastor treffen wird. Daraufhin reagierte ein Anwesender mit dem Zwischenruf: „Egal, was wir hier fragen. Wir hören von Ihnen immer nur, dass sie traurig sind. Wir haben konkrete Fragen und wir wollen darauf Antworten.“ „Antworten“, „Antworten“, „Antworten“, schallte es daraufhin aus verschiedenen Ecken der Kirche. Die Stimmung drohte dann zu eskalieren, als Kirchenvorstandsmitglied Edda Schmidt der Gemeinde eine gewisse „Sensationslüsternheit“ vorwarf. Schmidt übte dann noch als erste an diesem Abend Kritik an Hilko und Julie Danckwerts: „Diese junge Familie war für die anstehenden Aufgaben in der Gemeinde nicht geeignet. Sie war überfordert.“

Kopp: Familie hat Recht auf privates Leben

Diese Aussagen des Kirchenvorstandsmitglieds heizte die Stimmung noch mal an. Den Zündstoff nahm daraufhin Pastor Anderson Kopp aus der Diskussion, zum einen mit dem Hinweis darauf, dass der Weggang des Pastors keine Entscheidung des Kirchenvorstands war. Diese habe Hilko Danckwerts selber getroffen. Zum anderen wies Kopp vage, aber vielsagend auf eine andere mögliche Ursache für die Streitigkeiten hin: „Die Familie Danckwerts hat ein Recht auf ein privates Leben. Unter dieser Konstellation passieren manchmal Dinge, die schwierig sind. Darauf hat der Kirchenvorstand keinen Einfluss und dazu kann der Kirchenvorstand auch nichts sagen.“ Ein Gemeindemitglied interpretierte diese Aussage nach dem Ende der Veranstaltung beim Herausgehen aus der Kirche so: „Pastor Kopp hat damit durch die Blume gesagt, dass ein privater Konflikt der Grund für den Streit ist.“

Tatsache ist, dass die Familie Danckwerts den Dienst in der Gemeinde inzwischen quittiert hat. Das veranlasste den Superintendenten zu einer Bestandsaufnahme: „Die Entscheidung von Hilko Danckwerts ist unveränderlich. Wir sind aneinander gescheitert. Das ist nichts, was mich stolz macht. Sie sehen hier heute keine Sieger. Wir müssen nach vorne sehen.“ Diese Worte unterstützte Kirchenvorstandsmitglied Ralf Hörnschemeyer: „Wir vom Kirchenvorstand fühlen uns jetzt nicht als die glücklichen Sieger, die die Danckwerts vom Hof gejagt haben.“ Hörnschemeyer versprach, dass der Kirchenvorstand in Zukunft seine Entscheidungen transparenter machen und den Gemeindemitgliedern mehr Rückmeldungen geben wird.

Nachfolger von Hilko Danckwerts ist Pastor Andreas Siemens. „Pastor Siemens ist keine Vakanzvertretung, sondern er ist jetzt unser vollwertiger Pastor“, stellte Hörnschemeyer fest. „Pastor Siemens ist ein verlässlicher pastoraler Ansprechpartner“, fügte der Superintendent hinzu. Zusammen mit Pastor Kopp führt Siemens in der Gemeinde die Jugend- und Konfirmandenarbeit fort. Der nach eigenen Angaben sehr sangesfreudige Geistliche, der auch die Gemeindeversammlung moderierte, ließ am Ende des Abends das Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich“ anstimmen.


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