Symbiofilter in Lappenstuhl Bramscher Öko-Projekt im Blick deutscher Forscher


Lappenstuhl. In einem ausrangierten Schiffscontainer auf dem Werksgelände der Firma Aqua Light im Bramscher Ortsteil Lappenstuhl wird an einem ökologischen Projekt von besonderer Bedeutung geforscht. Das beweist die Nominierung für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis im Bereich Forschung. Ein Besuch.

Entengrütze als Segen

Entengrütze ist bei Teichbesitzern nicht besonders beliebt. Helgo Feige sieht das ganz anders. Der Biologe will die besonderen Eigenschaften der kleinen Wasserlinse nutzen, um Wasser und Luft ganz einfach zu reinigen. Bei der Firma Aqua Light experimentiert er mit dem Symbiofilter, dem er eine große Zukunft prophezeit.

Die Aqua Light GmbH ist ein Hersteller und Großhändler für Aquaristik. Die Aufbereitung und Reinigung von Wasser ist dabei neben Beleuchtung ein zentrales Thema. Der Biologe Helgo Feige forscht im Betrieb seines Bruders Klaus-Jürgen Feige über Möglichkeiten, biologische Eigenschaften für den Prozess auszunutzen. Und stieß auf Algen und Entengrütze.

Mikrokumpel

„Mikrokumpel“ nennt Feige jene Kleinstlebewesen, die sich von dem ernähren, was als unerwünschter Schadstoff gilt: Kohlendioxid, Phosphate, Stickstoff und anderes mehr: Die kleine Wasserlinse, lateinischer Name Lemna minor, „holt alles raus an Gift, was es gibt im Teich“, hat Feige festgestellt. Das müsse sich doch nutzbringend anwenden lassen, dachte sich der Biologe, der über einen Zeitungsbericht in den Bramscher Nachrichten den richtigen Partner für Verfahrensfragen entdeckte: Berichtet wurde über den Bramscher Physikprofessor Hilmar Franke, der sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt, wie die Fotosynthese bei Algen durch Kohlendioxid und Licht beschleunigt werden kann. Eine kleine Versuchsanlage entstand am Klärwerk. Es war nur der Anfang.

Forschung im Container

Ein ausrangierter Schiffscontainer auf dem Gelände der Firma Aqua Light ist heute das Zentrum der Forschung. Nur ein kleines Schild weist darauf hin, dass hier Bedeutsames im Gange ist: „Gefördert durch Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages“, steht da.

Dem Besucher schlägt feuchte Wärme entgegen, der Boden ist nass vom Kondenswasser. „Das sind ideale Bedinungen für die Wasserlinse“, erläutert Helgo Feige. Er geht an einer Art Regalsystem vorbei, in den sich Kunststoffschalen mit Wasser stapeln, auf denen Entengrütze schwimmt. Die einzelnen Behältnisse sind durch Rohre und leichte Neigung miteinander verbunden. Durch diese künstlichen Miniteiche wird belastetes Wasser geleitet. Was eingeleitet wird, wie die Biomasse darauf reagiert und wie stark die Wasserlinsen wachsen wird ebenso genau festgehalten wie die Reinigungsleistung. Beteiligt am Projekt ist auch die Universität Osnabrück.

Begeisterung beim Biologen

Die bisherigen Ergebnisse begeistern die Biologen. Feige sieht viele praktische Anwendungsmöglichkeiten für den Symbiofilter. Und das nicht nur für Abwasser, sondern auch für Abluft. Die wird ebenfalls rein biologisch in einem Wäscher gereinigt, in dem diese Abluft durch Wasserkaskaden geleitet wird. Hier wird mit den Düsen experimentiert, die das Wasser möglichst fein verteilen sollen. Zu fein darf es aber auch nicht werden, sonst werden die als Stoffwechselspezialisten eingesetzten Algen zerfetzt. Bei einer zu großen Einstellung leidet die Reinigungsleistung.

Viele Anwendungen

Abwasser aus Kläranlagen, Gülle, Abluft aus verkehrsbelasteten Innenstädten - Feige kann sich zahlreiche Anwendungen vorstellen für den Symbiofilter. Und nicht nur er: Das Projekt ist mit zwei weiteren für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Forschung nominiert, das diesmal den Umgang mit Wasser als Schwerpunkt hat. „Das ist wie ein Ritterschlag für uns“, freut sich Feige.

Online-Voting

Eine genauere Vorstellung des Projektes wird im Rahmen des Wettbewerbs um den Nachhaltigkeitspreis noch folgen. Unter anderem wird dazu das Wissenschaftsmagazin „nano“ einen Film ausstrahlen der am 7.11.2017 um 18,30 Uhr gezeigt wird. Aber schon jetzt ist das Online-Voting freigegeben. Jeder kann hier teilnehmen. Unter den Teilnehmern des Public Votings werden zwei Eintrittskarten für den 10. Deutschen Nachhaltigkeitstag mit Preisverleihung am 8. Dezember in Düsseldorf verlost.

Der einzige Hinweis auf die Bedeutung des Forschungsprojektes ist das Schild an der Tür.


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