Serie „Meine Kunden und ich“ Kino-Leiter über Popcorn im Saal, den besten Platz und einfallsreiche Eltern

Uli Holstein gehört zum Universum in Bramsche wie das Popcorn zum Kino. Der 63-Jährige ist Leiter des Filmtheaters. Foto: Nadine GrunewaldUli Holstein gehört zum Universum in Bramsche wie das Popcorn zum Kino. Der 63-Jährige ist Leiter des Filmtheaters. Foto: Nadine Grunewald

Bramsche. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – als Kunden haben wir immer wieder mit ihnen zu tun, machen uns aber wenig Gedanken darüber, wie wir wahrgenommen werden. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 7: der Leiter des Universums in Bramsche.

Seit 20 Jahren arbeiten Uli Holstein ehrenamtlich im Bramscher Universum. Trotzdem kann der 63-jährige Leiter des Filmtheaters Popcorn noch immer nicht widerstehen. Im Interview hat er mit uns über den besten Platz, erste Dates und einfallsreiche Eltern gesprochen.

Müssen Sie häufig Kaugummi aus den Sitzpolstern pulen?

Nein. Kaugummi ist im Kino ein No-Go. Und wir verkaufen es hier auch nicht. Das wirkliche Problem im Kino ist Popcorn. Aber Kino ohne Popcorn geht nicht.

Wie viel davon liegt denn nach einer Vorstellung im Saal herum?

Die Besucher kaufen Eimer und werfen mit dem Popcorn ihre Freunde ab... Wenn der Saal voll war, dauert es eine Stunde, bis ich mit dem Staubsauger alles aufgesaugt habe. Wenn mein Hund mit dabei ist, geht es wesentlich schneller (lacht).

Popcorn riecht immer so gut. Mögen Sie es auch noch?

Unser Karamell-Popcorn ist ein Suchtfaktor. Wenn man die Dose aufmacht, ist sie leer. Es ist übrigens ein Aberglaube, dass große Kinos das Popcorn immer frisch zubereiten. Die haben große Lager und wärmen es dann immer nur frisch auf. Wir bekommen unser Popcorn geliefert.

Was sagen Sie, wenn Besucher ihre eigenen Snacks und Getränke mitbringen?

Das kommt vor, geht aber nicht. Unsere Preise sind sehr human. Weil auch unsere Eintrittspreise so günstig sind, ist das für uns das halbe Geschäft.

Bei welchen Vorstellungen ist die Schlange an der Kasse besonders lang?

Bei „Fuck ju Göthe 3“ wird es in den ersten anderthalb Wochen voll sein. Am 14. Dezember spielen wir um 0.01 Uhr den neuen Star Wars. Bei Nachtvorstellungen sind auch immer sehr viele Leute hier, das ist etwas besonderes. Und bei der Feuerzangenbowle, die wir nur an Silvester zeigen, ist das Kino auch immer ausverkauft.

Was hat das Universum, das große Filmpaläste nicht haben?

Unser Kino hat Flair. Gerade viele Ältere kommen hier hin. Wir sprechen die Altersgruppen bis 16, 17 und die Menschen ab 30 an. Ebenso Familien, weil es hier günstig ist. Wer hier einen Kinderfilm sehen möchte, zahlt 4,50 Euro. In Köln zahlt man da schon zwölf Euro. Wenn in NRW Ferien sind und Urlaubsgäste vom Alfsee zu uns kommen, erleben wir immer schöne Geschichten. Entweder freuen sich die Leute dann heimlich, weil sie denken, dass wir ihnen zu wenig Geld abgenommen haben, oder sie kommen zur Kasse zurück und fragen, ob wir uns nicht vertan hätten (lacht).

Müssen Sie häufig Ausweise kontrollieren?

Es geht. Wir spielen hier ja eher Familienfilme. Aber bei Filmen wie jetzt gerade „Es“ müssen wir es natürlich machen. Jugendschutz geht vor. Wenn jemand rein möchte, der erst am nächsten Tag zwölf wird, dann muss er leider am nächsten Tag noch mal wiederkommen. Wenn Eltern ihre Kinder begleiten, ist das etwas anderes. Manche Eltern kaufen sogar für sich eine Eintrittskarte, bringen die Kinder in den Saal und gehen dann wieder. Das passiert nicht oft, aber manchmal. Das können wir dann auch nicht mehr kontrollieren.

Schauen Sie sich die Filme selbst auch an?

Einmal mindestens, einen besonderen Film auch zwei Mal. Aber ich muss einen Film ohne Unterbrechung von Anfang bis Ende gucken können. Auch in meiner Freizeit gehe ich noch gerne ins Kino.

Welches ist der beste Platz im Saal?

Früher sagte man ganz vorne. Hier empfehle ich jetzt Mitte Mitte, weil da auch die Technik gemessen wird. Unsere Leinwand ist übrigens nicht viel kleiner als in den kleineren Sälen großer Kinotempel. Weil unser Saal verhältnismäßig groß ist, wirkt das nur nicht so.

Finden hier viele erste Dates statt?

Früher schon, heute geht ja alles über das Smartphone. Neulich kam vor einer Vorstellung eine ältere Frau im Rollstuhl und fragte, ob sie mal einen Blick rein werfen könne. Da hatte sie Tränen in den Augen und erzählte mir, dass sie hier ihren verstorbenen Mann kennengelernt hätte. Das war eine rührende Szene.

Stört es Sie, wenn Besucher das Kino während des Films verlassen?

Nein, das kommt vor. Manche Besucher gehen kurz vor dem Ende und fragen dann, ob sie das Geld zurückbekommen könnten, weil ihnen der Film nicht gefallen hat.

Und wenn während der Vorstellung mal ein Handy klingelt?

Das passiert relativ selten. (Lacht) Als wir mal einen James-Bond-Film gespielt haben und im Film ein Handy klingelte, lief unser Vorführer in den Saal und rief „Machen Sie das Handy aus!“. Der ganze Saal war am lachen.


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