Fotoausstellung im Rathaus Bramscher Amal-Verein hilft den Roma auf dem Balkan

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Bramsche. Der Bramscher Verein „Amal - Christliche Flüchtlingshilfe“ engagiert sich seit Jahren für Roma in Mazedonien und Bulgarien. Am 3. November 2017 wird um 18 Uhr im Rathaus eine Fotoausausstellung über das Projekt mit einem Vortrag der Amal-Vorsitzenden Heike Samantha Harms eröffnet.

„Es ist kaum vorstellbar, wie die Menschen dort leben - nur gut zwei Flugstunden weg“ . Harms wird nachdenklich, als sie von ihrer jüngsten Reise auf den Balkan erzählt. Manchmal mehrere zehntausend Roma leben dort in Siedlungen , die eher südafrikanischen Townships gleichen. Ohne Verkehrsinfrastruktur, ohne sauberes Wasser, Elektrizität, ohne Zugang zur Bildung und regulärer Arbeit. Hier versucht die Bramscher NGO (Non-governmental Organization) Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die Wochen, die sie mit ihre Familie dort jedes Jahr verbringen, sind der Sozialarbeiterin eine Herzensangelegenheit. Sie selbst ist Roma aus Skopje in Mazedonien,mit einem Deutschen verheiratet und lebt seit zwölf Jahren in Deutschland. Die Sorge um ihre „Menschen“, denn nichts anderes bedeutet das Wort „Roma“ hat sie in diesen Jahren nicht vergessen können. Und auch nicht, wie sich Menschen in der Fremde, ohne Sprachkenntnisse in einem ganz anderen Kulturkreis fühlen. Insofern gibt es auch viele Überschneidungen mit der Flüchtlingsarbeit in Bramsche. „Ich habe schon Menschen in Skopje kennengelernt, die ich dann in der LAB getroffen habe und denen ich später in Mazedonien wieder begegnet bin“, berichtet Harms. Asylbewerber aus dem westlichen Balkan haben in Deutschland kaum eine Chance auf eine Aufnahme. Die Sozialarbeiterin sieht das absolut realistisch. Um so notwendiger seien die Projekte vor Ort: „Wie wissen einfach, wie die Menschen dort leben“. Amal, das in der Sprache der Roma wie im Arabischen „Hoffnung“ bedeutet, hat in den Balkanstaaten Mitarbeiter vor Ort.

„Irgendwo mit irgendwas“ bauen

Landesgrenzen spielen für die Roma traditionell kaum eine Rolle. Deshalb spricht Harms von einem Projekt in „Trakien“, dem Grenzgebiet zwischen Griechenland, der Türkei und Ost-Bulgarien, bei dem die Bilder für die Ausstellung im Rathaus entstanden. In einer „Machalla“, dem arabischen Wort für Nachbarschaft. Hier gibt es Gegenden, in den nur Roma leben. Die Menschen bauten sich dort „irgendwo mit irgendwas“ Unterkünfte. Wasser und Strom gebe es dort, wenn überhaupt, nur illegal. Auch in diesen „Machallas“ gibt es Einzelne, die es zu bescheidenem Wohlstand gebracht haben, weil sie als EU-Bürger irgendwo im Ausland Arbeit gefunden haben, aber sie sind in der Minderheit.

„Moderne Sklaven der Reichen“

Die „Machalla“, in der sich das Amal-Team in diesem Sommer engagiert hat, hat etwa 2000 Bewohner, in der Nähe der bulgarischen Hauptstadt Sofia gibt es eine solche Ansiedlung mit fast 40 000 Bewohner. Die Roma, von denen viele kaum lesen und schreiben können, würden vielfach als „moderne Sklaven der Reichen“ ausgenutzt, findet Harms. Viele verdingten sich zu Hungerlöhnen in den Hotels an der Schwarzmeerküste. „Eine Frau hat dort drei Monate lang gearbeitet und am Schluss hat sich der Hoteleigentümer geweigert, sie auszuzahlen“, schildert sie den Fall einer Mutter, die sie während der Projektarbeit kennenlernte. „Viele Roma leben von Kleinhandel“, erzählt sie weiter. „Jemand kauft bei schlechten Wetter von seinem letzten Geld zwei Regenschirme und versucht, sie mit Gewinn weiter zu verkaufen“. Oft werde auch der Abfall nach Verwert- oder Verkaufbarem durchsucht. Inzwischen sei das verboten, eine der letzten Einkommensquellen dadurch weggefallen. „Sozialhilfe gibt es für die Roma, die kaum Zugang zu Bildung haben, andererseits nur für die, die mindestens acht Jahre lang eine Schule besucht haben. Auch wer keine Geburtsurkunde vorlegen kann, bekommt keine staatliche Unterstützung“, fügt Harms hinzu.

Solchen „Ärmsten der Armen“ versucht Amal zu helfen, zum Beispiel mit dem „Hühner-Projekt“, einer Art Mikrokredit, den die Hilfeempfänger auch zurückzahlen müssen. Es ist eine Frage der Würde, keine Geschenke annehmen zu müssen, findet Harms. Sechs Küken und das Futter dafür, gibt es dann - und immer ist ein Hahn dabei. „Das kann einer Familie über Jahre einen Teil der Nahrungsmittelversorgung liefern und vielleicht sogar zu einer bescheidenen Einkommensquelle werden“. Und sie ergänzt: „Einige werden das verstehen, andere aber vielleicht auch die Hühner schlachten“. Die Amal-Helfer gehen realistisch an ihre Projekte heran.

Mit elf Jahren endlich zur Schule

Heike Harms zeigt eines der Bilder, die ab dem 3. November im Rathaus zu sehen sein werden. Ein fröhlich lachendes Mädchen ist darauf zu sehen. Sasiza ist elf Jahre alt und wird jetzt endlich zur Schule gehen können. Amal hat die für die Familie, eine alleinerziehende Mutter und ihre fünf Kinder, ausnahmsweise eine Partnerschaft übernommen. Alle Menschen, die auf den Fotos zu sehen sind, haben übrigens ausdrücklich ihre Zustimmung zur Veröffentlichung der Fotos gegeben. „Auch das ist eine Frage der Würde. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass sie nicht vergessen sind“, sagt Harms.

Die Ausstellung ist bis zum 24. November zu den Dienstzeiten im Rathausfoyer zu sehen.

„Irgendwo mit irgendwas“ versuchen sich die Roma, Unterkünfte zu bauen. In solchen illegalen Ansiedlungen leben manchmal Zehntausende von Menschen - zwei Flugstunden von Deutschland entfernt.


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