Für Büro und Projekte Neue Räume für Bramscher Amal-Flüchtlingshelfer

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Freuen sich über die neuen Räume: Amal-Vorsitzende Heike Harms, Rolf Blümke, Sonja Rohrmann und die Asylbewerber Payam und Ehsan (von links). Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeFreuen sich über die neuen Räume: Amal-Vorsitzende Heike Harms, Rolf Blümke, Sonja Rohrmann und die Asylbewerber Payam und Ehsan (von links). Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Die Christliche Flüchtlingshilfe Amal e. V. richtet in der „gelben Villa“ am Struwen Eck in Bramsche ein Büro mit Räumen für Treffs, Beratung und Musik- oder Kunstprojekte ein. „Besser kann man es nicht treffen“, sagt Amal-Vorsitzende Heike Harms.

Für die Flüchtlingshelfer erwies es sich als Glücksfall, dass die Integrative Musikschule die Räume im Erdgeschoss des Hauses an der Alten Engter Straße verlassen hat. Schon seit geraumer Zeit hatten die Ehrenamtlichen sich nach geeigneten Räumen gesucht, weil die Arbeit immer umfangreicher wurde. Bisher hatte Harms die Amal-Aktivitäten der Helfer und Hilfesuchenden von zuhause aus organisiert. Wobei die Sozialarbeiterin mit mazedonischen Wurzeln lieber von Mitarbeitenden spricht und von ihrer „Amal-Familie“.

Menschen aus derzeit elf verschiedenen Nationen sind derzeit in den verschiedenen Angeboten von Amal in der Stadt Bramsche und in der LAB in Hesepe eingebunden. Gerade dort versucht Amal e.V., den Migranten den Start in der Fremde ein wenig zu erleichtern, sei es durch Hilfe bei Anträgen und Behördengängen, sei es durch erste Schritte in der deutschen Sprache. Viel wichtiger ist es Harms, die als mazedonische Roma einen Deutschen heiratete und in vielfachen Hilfsprojekten auf dem westlichen Balkan tätig ist, dass die Flüchtlinge eine Art Familie finden - aus Deutschen, Sudanesen, Ägyptern, Syrern und, und, und.

Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang die gemeinsame Arbeit in Projekten wie dem Begegnungscafé im Forum Martinum, dem gemeinsamen Kochen im Gemeindehaus der Heilig-Geist-Kirche, den Tanzabenden für Frauen in der Freikirchlichen Gemeinde in der Hasestraße oder - ganz aktuell - die Renovierung der frisch angemieteten Räume. „Die Angebote in der Stadt sollen auch nach dem Bezug der „gelbe Villa“ bleiben, wo sie jetzt sind. Wir wollen ja gerade, dass die Geflüchteten unter die Menschen kommen“, versichert Harms.

Payam und Ehsan aus dem Iran packen bei den Arbeiten an den neuen Räumen kräftig mit an. Die beiden jungen Christen aus dem Iran sahen sich in der islamischen Republik wegen ihrer Religion zunehmender Verfolgung ausgesetzt, berichten sie Seit neun Monaten ist Payam, der im Iran Bekleidung entworfen hat und von einer Krankenpflegeausbildung in Deutschland träumt, in Deutschland, davor lebte er ein Jahr in Österreich. Der ehemalige Medizinstudent Ehsan lebt seit acht Monaten in Deutschland und hat eigentlich nur einen Wunsch: irgendwann sein Studium wieder aufnehmen zu können. Im Moment leben die jungen Asylbewerber mit dem Status der Duldung in Deutschland, warten auf Fortschritte in ihrem Asylverfahren und verbessern ihre Deutschkenntnisse. Harms und ihre Mitstreiter lernten die jungen Männer in der LAB kennen. So verschieden ihr beruflicher Hintergrund auch ist, in der Villa greifen Payam und Ehsan zu Rolle und Farbeimer, um die neuen Räume zu verschönern. „Wenn man zusammen arbeitet, lernt man Menschen eigentlich am besten kennen“, schmunzelt Harms. So kam auch Ehsans musikalische Begabung ans Tageslicht. Der junge Mann singt und spielt Gitarre. Harms möchte ihn in das geplante Musikprojekt für die Flüchtlinge einbinden. „Für Musik braucht man keine Sprachkenntnisse“, unterstreicht sie. Über die Musik fänden Menschen aus den verschiedensten Ländern zueinander.

Ansonsten spielt der Spracherwerb aber eine enorm wichtige Rolle - besonders auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Schon öfter konnte Amal Praktika oder Hospitationen vermitteln, ein junger Mann macht eine Ausbildung zum Elektroniker bei einer Firma in Neuenkirchen-Vörden, ein Ägypter macht eine Kochausbildung. Allerdings wäre im letzteren Fall diese positive Entwicklung beinahe an mangelnden Sprachkenntnissen gescheitert.

Noch im Oktober möchte Amal die Räume, die „so eine einladende, schöne Atmosphäre“ (Harms) haben, beziehen. Zurzeit werden noch Regale, ein Schreibtisch, Schränke, eine Garderobe und Stühle gesucht. Wer etwas abzugeben hat, kann sich unter der Tel: 0163/1409014 melden.

Das Amal-Projekt wird im Rahmen der „Landinitiative 500“ vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanziert. Ziel des Programms ist die Förderung von Projekten im ländlichen beziehungsweise kleinstädtischen Raum.