Sichtung in der Gartenstadt Waschbären mitten in Bramsche – ein Problem?

In der Bramscher Gartenstadt sind zwei Waschbären auf Nahrungssuche gesichtet worden. Dass sie mitten in der Stadt aufgetaucht sind, bereitet Jägern Sorgen. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpaIn der Bramscher Gartenstadt sind zwei Waschbären auf Nahrungssuche gesichtet worden. Dass sie mitten in der Stadt aufgetaucht sind, bereitet Jägern Sorgen. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Bramsche. Mitten in der Bramscher Gartenstadt haben Waschbären in privaten Mülltonnen nach Nahrung gesucht. Jäger sehen das durchaus mit Sorge.

Als Markus Beisel kürzlich mitten in der Nacht wach wurde, „da dachte ich, draußen zerlegt jemand mein Auto, so ein Radau war da“, erzählt der Gartenstädter. Doch als er nach draußen ging, sah er keine Diebe – sondern ein Tier, dass sich an seiner Biomülltonne zu schaffen machte. „Es sprang immer wieder hoch und versuchte den Deckel aufzubekommen“, so Beisel. Als es ihn gesehen habe, habe es zunächst die Flucht ergriffen – „aber es kam dann tatsächlich nochmal zurück und stellte sich auf die Hinterpfoten vor mich“, berichtet Beisel weiter von der nächtlichen Begegnung. Erst als aus etwas Entfernung ein weiteres Tier Laut gab, rannten beide zusammen weg.

Beisel war sich gleich recht sicher: Das waren Waschbären – das Aussehen, außerdem „die Laute, die sich anhören wie ein Schnattern“, das passte. Bestätigt wurde der Bramscher in seiner Vermutung durch Youtube-Videos, „da findet man einiges“, weiß er. Da es Beisel ungewöhnlich vorkam, dass die Tiere sich in einem solch dicht besiedelten Gebiet aufhalten, suchte er Rat bei Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann.

Massive Schäden möglich

Und der ist durchaus dankbar für die Meldung. Denn: „Wenn es sich nur um einige wenige Tiere handelt, die im Stadtgebiet sind, dann können wir Jäger noch reagieren“, erklärt er. In anderen Regionen, beispielsweise in Hessen, hätten sich die Waschbären allerdings bereits in großer Zahl derart in urbane Bereiche ausgebreitet, „dass die Tiere auf der Suche nach Nahrung für massive Schäden selbst an Gebäuden sorgen“, so Meyer Lührmann weiter.

Denn während es die Waschbären in der Gartenstadt nur an der Biomülltonne versuchten, würden sie anderswo durchaus Dächer abdecken, um an Fressbares zu gelangen. „Angelockt werden sie zunächst, wenn leicht erreichbares Futter für sie greifbar ist. Wenn in der Folge dann allerdings die Population in dem Gebiet ansteigt, wächst der Druck, Nahrung zu finden. Da gehen die Tiere dann äußerst rabiat vor“.

Vorkommen erheblich gestiegen

Die Vorkommen an Waschbären sind in den vergangenen Jahren in Niedersachsen stark gestiegen: Laut Landesjägerschaft gab es 2016 bereits in 43 Prozent aller Reviere Waschbären – zehn Jahre zuvor jedoch nur in 22 Prozent der Revier. Und auch im Landkreis Osnabrück ist die Zahl der gestreckten – also durch Jäger erlegten – Waschbären rasant gewachsen: „170 Tiere waren es 2016. Einige Jahre davor hatten wir mit Waschbären noch kaum zu tun“, nennt Meyer Lührmann die Größenordnung. Derzeit, so weiß er, würde sich ein recht großer Bestand von Melle aus erweitern. Problematisch sei, dass es sich um eine sogenannte „invasive Art“ handele. Denn Waschbären stammen ursprünglich aus Nordamerika. „Je mehr sich hier das Vorkommen vergrößert, desto mehr nehmen die Waschbären den heimischen Tieren die Lebensgrundlage“, so Meyer Lührmann. Sogar der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland spreche sich mittlerweile für eine intensivere Bejagung des Waschbären aus.

Bitte an die Bramscher

Damit es in Bramsche gar nicht erst zu gravierenderen Schwierigkeiten kommt, bittet der Kreisjägermeister: „Biomülltonnen sollten so präpariert werden, dass sie nicht einfach geöffnet werden können – beispielsweise durch einen schweren Stein auf dem Deckel. Außerdem sollten Gartenbesitzer kein Fallobst liegen lassen. Und auch ganz wichtig: Bitte kein Katzenfutter draußen bereitstellen“.

Wer Waschbären im Stadtgebiet beobachte, könne dies bei der Stadt Bramsche melden. Allerdings, so betont Matthias Hintz als Mitarbeiter des Ordnungsamts, „können wir von Seiten der Verwaltung nicht selbst aktiv werden, das ist ausschließlich Sache der Jägerschaft“. Er selbst würde aber entsprechende Meldungen aufnehmen (Tel. 05461/83-131), ebenso wie sein Kollege Johannes Fünfzig (Tel. 05461/83-178). „Wir sammeln das und geben die Sichtungen dann weiter“, erläutert Hintz.

Meyer Lührmann kündigte an, die Jägerschaften informieren zu wollen, „dass die im Außenbereich um Bramsche verstärkt auf Waschbären achtgeben“. Sollte es zu weiteren Vorkommnissen in Bramsche kommen, „müssten wir gegebenenfalls Lebendfallen aufstellen“, erklärt er. Dass es soweit kommt, ist noch längst nicht sicher. Allerdings, so schildert der Gartenstädter Markus Beisel, seien bei ihm auf dem Grundstück offenbar auch schon vor dem aktuellen Fall ab und an mal Waschbären gewesen. „Die Biomülltonne war schon zwei oder drei Mal umgeschmissen, wenn ich morgens rausgegangen bin. Und die Essensreste lagen verstreut herum. Ich dachte aber immer, das seien Katzen gewesen“.


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