Varusschlacht-Forscher zeigen Funde Weitere römische Wall-Graben-Anlage in Kalkriese entdeckt


Kalkriese. Die jüngste Spurensuche war erfolgreich. Neue Grabungen in Kalkriese haben eine Wallanlage und einen vorgelagerten Graben zutage gefördert – offenbar Teile einer provisorischen Befestigung der Römer. Experten werten das als einen weiteren Hinweis auf den Ort der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus.

„Wahrscheinlich haben sich die Römer im Verlauf der Schlacht hier verschanzt. Der unregelmäßige Verlauf spricht dafür, dass die römischen Soldaten das in großer Eile und Bedrängnis gemacht haben dürften“, erklärte der wissenschaftliche Leiter der Forschungen in Bramsche-Kalkriese, Prof. Dr. Salvatore Ortisi, während einer Pressekonferenz vor Ort. Und er fügte hinzu: „Aufgrund der neuen Ergebnisse aus den laufenden Grabungen zeigt sich, dass der schon vor Jahren gefundene Wallabschnitt im Süden sowie der Wall, der bei Grabungen im letzten Jahr entdeckt wurde, und die jetzt gefundenen Anschüttungen Teil einer römischen Befestigungsanlage sind.“ Bis zu 3000 Legionäre könnten hier zeitweise Schutz gesucht bzw. gefunden haben.

„Neue Erkenntnisse führen zu neuen Fragen“

Die Varusschlacht gilt als entscheidende Niederlage der Römer bei deren Versuch, Germanien zu Zeiten des Kaisers Augustus in Gänze zu erobern. Der Ort dieser militärischen Auseinandersetzung konnte bis heute aber noch nicht endgültig und ohne jeden Zweifel nachgewiesen werden. Eine stattliche Zahl von Wissenschaftlern – darunter Ortisi – geht jedoch nach diversen Funden davon aus, dass das antike Schlachtfeld in einem weiten Areal bei Kalkriese und Niewedde zu finden ist.

„An der Datierung ändern die neuen Erkenntnisse nichts. Vielmehr ermöglich sie uns, den Verlauf der Varusschlacht besser zu verstehen. Es ist wirklich spannend, diesen Ort im Kontext Varusschlacht, die ja mehrere Tage gedauert haben soll, einzuordnen“, so Ortisi im Beisein des Osnabrücker Universitätspräsidenten, Prof. Dr. Wolfgang Lücke, und des Geschäftsführers der Varusschlacht GmbH, Dr. Joseph Rottmann. Letztgenannter betonte dann auch, dass durch die Wall-Graben-Anlage ein weiterer „Trittstein gefunden“ worden sei, der „als Ausgangspunkt für neue Fragestellungen“ diene. „Neue Erkenntnisse führen zu neuen Fragen“, so Rottmann, „ich bin gespannt auf die nächsten Wochen und Monate.“ Die diesjährigen Ausgrabungen sollen auf jeden Fall noch bis in den Oktober fortgesetzt werden. Der Geschäftsführer der Varusschlacht GmbH geht davon aus, dass „sicherlich viele kleine und große Erkenntnisse ans Tageslicht“ kommen werden, von denen die Forscher „bis heute noch nichts wissen“.

Drei weitere römische Fundstücke vorgestellt

Rottmann und Ortisi präsentierten während der Pressekonferenz aber auch drei weitere, neue Fundstücke, die Archäologen zuletzt in Kalkriese entdeckt hatten und die bereits restauriert worden seien. Einen Phallusanhänger und eine Halbmondsichel (Lunula), die beide wohl zur Verzierung von römischem Pferdegeschirr dienten. Dazu ein antikes Kosmetikbesteck. Alle drei Exponante sind gut erhalten und fügen sich nahtlos, so Ortisi, in die bisherige Serie von Fundstücken ein.

Interessierte können sich diese übrigens vom 1. bis 3. Oktober während des nächsten Forum Kalkriese anschauen. Ebenso können dann die Archäologen während ihrer Ausgrabungsarbeiten auf dem Museumsgelände beobachtet und dazu befragt werden. Fachvorträge, Führungen und Aktionen für Kinder rund an allen drei Veranstaltungstagen das Programm ab.


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