So klingt Kirche Schamanenmusik und indigene Klänge in Bramsche

Von Matthias Benz

Das BBQ Stimmenkollektiv wurde in der St. Johanniskirche von Jürgen Zimmermann (vorne) angeführt. Im Hintergrund die grönländische Flagge. Foto: Matthias BenzDas BBQ Stimmenkollektiv wurde in der St. Johanniskirche von Jürgen Zimmermann (vorne) angeführt. Im Hintergrund die grönländische Flagge. Foto: Matthias Benz

Bramsche. Ungewöhnliche Klänge standen am Donnerstag im Programm von „So klingt Kirche“. In St. Johannis präsentierte das BBQ Stimmenkollektiv eine Art indigene Kirchenmusik unter der Überschrift „Grönland ruft“.

„Was wir heute hier machen, ist eigentlich ein Betrug. Wir wissen nämlich gar nicht, was grönländische Musik ist.“ Gleich bei seiner Begrüßung stiftete Chorleiter Jürgen Zimmermann reichlich Verwunderung bei den knapp einhundert Zuhörern in der Johanniskirche. Der Gesang, mit dem er an der Bodhran-Trommel das Konzert eröffnet hatte, habe er von einer Kommilitonin gelernt und komme von den australischen Aborigines.

Der Urspung der grönländischen Musik sei von Schamanen-Musik bestimmt worden, ähnlich der anderer inidigener Völker, ob aus Amerika, Asien oder eben Australien, erklärte Zimmermann Diesen sei von Missionaren der christliche Chorgesang übergestülpt worden. Dies wollte Jürgen Zimmermann umdrehen: „Mit einfachen Trommelschlägen schaffen wir eine indianische Stimmung. Dazu kommen Shanana-Gesänge aus der Populärmusik. So geben wir die Grönland seie Schamanenmusik zurück.“ Nur textlich blieb das BBQ Stimmenkollektiv bei dem Konzert im Rahmen der Aktionswoche „So klingt Kirche“ aber bei christlichen Kirchenliedern.

Was sich zunächst allzu konstruiert und abstrakt vermuten ließ, erwies sich als mitreißend und gut abgestimmt. Das „Baukastensystem“ der Musiker ging auf: Gleich in einem der ersten Stücke wurde der Refrain aus „Born to be Wild“ gekonnt mit „Halte deine Träume fest“ kombiniert. Die rund vierzig Sänger aus Badbergen, Bippen, Berge und Quakenbrück setzten neben ihren Stimmen zahlreiche Instrumente ein, die man sonst kaum in Kirchen hört. Bei „The River is Flowing“ ergänzten sich Tantan-Trommen, Congas, Bummschläger und Rasseln. Im Verlauf des Konzerts kamen noch Kazoos (trötenartige Membranophone), Cajon, Glasharfe, Klappern und Gitarren zum Einsatz.

Das BBQ Stimmenkollektiv bediente sich bei diesem Konzert weniger beim abendländischen Chorklang, sondern wandte eher den rauen Stil der Shanty-Musik an. „Zur Kirchenmusik gehört für mich, dass wir auch mal richtig laut rufen“, meinte Jürgen Zimmermann. Durch die Shanty-Töne, die ungewöhnliche Instrumentierung und das energisch-schnelle Tempo setzte sich das Stimmenkollektiv deutlich von ordinärer Gottesdienstmusik ab.

Besonders aufregend präsentierte sich das Stück „Babylon“, bei dem mit umgedrehten Mülltonnen und großen Blechen Gewittergeräusche erzeugt wurden. Ein echtes Highlight war auch „Come by Here My Lord“, das das altbekannte „Kumbaya“ durch die Shanty-Gesänge aufwertete. Dazu kam Mick Jaggers „Woo woo“ aus dem Rolling Stones-Hit „Sympathy for the Devil“.

Trotz der unterschiedlichsten Einflüsse, zu denen im weiteren Konzertverlauf auch noch Achim Reichel und Lou Reed zählten, zeichnete sich der gesamte Abend durch einen eigenen Sound aus, der ein begeistertes Bramscher Publikum hinterließ.