Klassenspiel des 12. Jahrgangs Weltuntergang in der Waldorfschule Evinghausen

Von Holger Schulze

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Evinghausen. Von Freitag bis Sonntag führt der 12. Jahrgang der Waldorfschule Evinghausen das Theaterstück „Der Weltuntergang oder: Die Welt steht auf jeden Fall nicht mehr lang“ auf. Der Eindruck von der Generalsprobe: vielversprechend.

„Unser Regisseur ist einfach eine Wucht. Die Schüler merkten, wie ernst er sie nimmt, emphatisch auf Augenhöhe mit ihnen kommuniziert, aber manchmal auch ganz streng war, wenn es um Disziplin ging. Ich habe das Gefühl, dass die Klassen seine Arbeit enorm gewürdigt haben.“

Derart viel Lob vor einer Generalprobe kommt selbst an der Waldorfschule selten vor. Sigrid Solbrig. Klassenbetreuerin der 12a, erzeugte mit dieser Wortwahl erste Spannung auf das, was es wohl in diesem Jahr von den beiden 12. Klassen beim obligatorischen Theaterstück zu sehen geben würde. Am Freitag und Samstag ab 20 Uhr sowie am Sonntag, 3. September, ab 17 Uhr, heißt es auf der großen Bühne an der Icker Landstraße 16 „Der Weltuntergang oder: Die Welt steht auf jeden Fall nicht mehr lang“.

Untergehen werden die Schülerinnen und Schüler bei dieser Produktion sicherlich nicht, so viel wurde bereits bei der Generalprobe am Mittwoch deutlich.

Das Stück von Jura Soyfer, ein mit 28 Jahren im KZ Buchenwald an Typhus verstorbener Schriftsteller, sieht das Universum durch den Menschen in ernster Gefahr. So beschließt die Sonne durch den Kometen Konrad den blauen Planeten von dieser Last befreien zu lassen. Eingebettet in den Puls der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg endet das Theaterstück jedoch nicht mit der Auslöschung der Menschheit, sondern vielmehr mit einer Liebeserklärung an die Erde und an die sie bewohnenden Menschen. Jura Soyfer brachte hierdurch seine Hoffnung auf die Überwindung von Hass und auf eine friedvolle Zukunft der Welt zum Ausdruck.

Es ist eine bewährte Vorgehensweise an der Waldorfschule, die anstehenden Klassenspiele von einem auswärtigen Regisseur begleiten zu lassen. In diesem Jahr fiel die Wahl auf den Theaterpädagogen Giovanni Gino Santo. Dieser stand vor viereinhalb Wochen vor der Aufgabe, den Weltuntergang, von der Stückfindung bis zur Aufführungsreife mit den Klassen zu inszenieren. „Ich bin total froh über die Stückentscheidung. Es ist trotz einem ernsten Hintergrund eine witzige und humorvolle Parabel über das Vorkriegsösterreich mit den Reaktionen der Menschen vor den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs. Das Stück bietet zudem viele schöne, spannende und großartige Bilder. Wir konnten aus dem Vollen schöpfen. Auch schauspielerisch konnten alle Schülerinnen und Schüler bedient werden, mit humoristischen oder ernsten Charakteren“.

Das Bemühen um Details wurde auch anhand der Vielzahl an Schuhen deutlich.

Besonders beeindruckend an der Arbeitsphase fand Giovanni Gino Santo die Lust der Schüler auf die Inszenierung und deren Bereitschaft, selbst in Nachmittags- und Nachtschichten bei der Stange zu bleiben.

„Die Arbeit war für mich auch zwischenmenschlich total spannend und bewegend. Ich bin dankbar für die Möglichkeit, dass ich in dieser Kontinuität mit der Professionalität vieler Schüler arbeiten durfte.“

Dass diese Wertschätzung auch von den Schülern erwidert wurde, brachte Friederike Junker zum Ausdruck. „Wir konnten Gino selbst die verrücktesten Ideen vorstellen. Es ist am Ende unser Stück geworden und nicht ein Stück, das uns von Anderen vorgegeben wurde. Die Proben waren zwar auch anstrengend, haben aber sehr viel Spaß gemacht und wir konnten alle unsere Kreativität dabei umsetzen“.

Mit Blick auf die öffentlichen Aufführungen hob Friederike Junker hervor: „Wir freuen uns auf die Vorstellungen. Wir haben viel dafür gearbeitet und diese Arbeit wird am Ende durch diese Aufführungen belohnt. Wir werden am Ende als Gemeinschaft auf der Bühne stehen und den Beifall genießen.“

Die von Giovanni Gino Santo in der Erläuterung der Zusammenarbeit mit den Waldorfschülern gewählte Formulierung „Professionalität vieler Schüler“ war hinsichtlich der bei der Generalprobe gezeigten darstellerischen Leistungen wahrlich keine emphatisch überzeichnete Übertreibung.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN