Finanzinvestor Grossnigg im Gespräch Sanders-Erweiterungspläne in Bramsche an der Maschstraße

Unternehmer Erhard F. Grossnigg in seinem momentanen Büro in Bramsche. Die Produktionsstätten an der Maschstraße will der Manager ggf. modernisieren lassen. Foto: Marcus AlwesUnternehmer Erhard F. Grossnigg in seinem momentanen Büro in Bramsche. Die Produktionsstätten an der Maschstraße will der Manager ggf. modernisieren lassen. Foto: Marcus Alwes

Bramsche. Wie, an welchen Standorten und in welcher Personalstärke es beim traditionsreichen Bettwarenhersteller Sanders.eu weitergeht, will das neue Management bis Ende September entscheiden, betont Unternehmer Erhard F. Grossnigg im Gespräch mit unserer Redaktion.

Er sei momentan jede Woche 20 bis 30 Stunden vor Ort im Werk in Bramsche, um die Umstrukturierungen bei der Sanders.eu GmbH voranzubringen, sagt Grossnigg. Aktuell befinde er sich dabei noch in der Analysephase.

Ferner äußerte sich der Sanierer aus Österreich…

…über die Zukunft des bisherigen Geschäftsführers Hans-Christian Sanders, der momentan nicht im Unternehmen weilt, in der Sanders.eu-Gruppe „Welche Funktion er haben wird, werden wir – wenn Sie so wollen – nach diesem Sabbatical besprechen.“

…über seine augenblickliche Arbeit in der Tuchmacherstadt: „Im Moment versuche ich mich schlauzumachen, wie die Prozesse in diesem Unternehmen laufen. Was ist gut, was ist schlecht? Und ich versuche mir ein klares Bild zu machen, wo ich ansetzen muss, damit das Unternehmen künftig nachhaltig und langfristig erfolgreich wirtschaftet.“

…über seine Absichten, die Zahl der Werksstandorte (Bramsche, Bad Bentheim, Güstrow, Hörbranz/Bodensee, zwei in der Ukraine) zu reduzieren und gegebenenfalls auch Kündigungen auszusprechen: „In Summe wird es am Ende des Tages keine sechs Standorte mehr geben. Wir überlegen, wo wir die Tätigkeiten, die wir insgesamt mit Sanders und mit Sleepwell Kauffmann haben, am besten konzentrieren können. Unstrittig sind die beiden Billiglohn-Standorte in der Ukraine. Im Westen haben wir vier Standorte. Ich denke, da wird es mindestens zwei nicht mehr geben.“

…zur Sicherheit der Arbeitsplätze in der Verwaltung und in der Produktion an der Maschstraße in Bramsche: „Ich glaube, durch die Integration von Sleepwell Kauffmann aus Hörbranz am Bodensee in die Sanders-Gruppe hinein, ergeben sich natürlich auch Chancen für Sanders in Bramsche, dass Tätigkeiten, die momentan in Österreich ausgeübt werden, nun hier ausgeübt werden. Das ist das eine. Das andere ist, dass das Unternehmen hier Strukturen aus einer anderen Zeit hat. Und diese Strukturen müssen wir modernisieren. Wir müssen die Prozesse effizienter gestalten. Und für jedes Unternehmen in einer vergleichbaren Situation gilt die Regel: Weniger Geld, mehr Arbeit.“

…über die Bedeutung des Standortes Bramsche in der neuen Sanders.eu: „Bramsche hat gute Karten. Der Standort hier als Kopf und Hauptquartier der Verwaltung der Gruppe wird auf jeden Fall erhalten bleiben. Der Produktionsstandort hat ebenfalls gute Chancen, weiterhin zu bestehen.“

…über Modernisierungsmaßnahmen im Werk Bramsche: „Die sind notwendig, das sehen Sie ja. Schauen Sie sich nur um. Es ist heute kein moderner Betrieb mehr, ich möchte gerne einen modernen daraus machen. Das würde natürlich bedeuten, dass wir unsere Büroräumlichkeiten, aber auch unsere Produktionsräumlichkeiten einem modernen deutschen Niveau anpassen.“

…über geplante bauliche Erweiterungen und Ausdehnungen entlang der Maschstraße: „Wir haben einen Termin mit der städtischen Baudirektion aus Bramsche gehabt. Die Möglichkeit zur baulichen Erweiterung besteht. Unsere Interessenslage haben wir dort präsentiert. Man hat uns zugesagt, das zu prüfen, und man hat uns positive Signale gegeben. Also, daran wird es nicht scheitern.“

…über die bauliche Erweiterung als ein zwingendes Muss: „Nur dann käme die Option Bramsche für uns überhaupt infrage. Wenn ich hier zwei Werke zusammenlege, brauche ich ja auch den entsprechenden Platz.“


Erhard F. Grossnigg - der neue Mehrheitsgesellschafter der Sanders.eu

Erhard F. Grossnigg (70) stammt aus einer Linzer Wirtsfamilie und verdiente sich einst zu Studentenzeiten sein Geld als Kellner, Croupier und Nachhilfelehrer. Später wurde er Banker in Wien, New York, Paris und Düsseldorf, begann danach mit Firmenrestrukturierungen und schuf so die Basis für die Austro-Holding sowie die Grosso-Holding. Der Österreicher hält heute eine Vielzahl von Unternehmensbeteiligungen. Grossnigg selbst nennt sich „einen Krisenmanager, und das seit 40 Jahren“. In der Alpenrepublik genießt er den Ruf des harten, konsequenten Sanierers.

Im Frühjahr 2017 erwarb seine Grosso Holding GmbH für eine Kaufsumme von 18,6 Mio. Euro eine Dreiviertelmehrheit an der traditionsreichen, aber insolventen Gebr. Sanders GmbH in Bramsche und integrierte diese in die neue Sanders.eu GmbH. Zu dieser (total 750 Beschäftigte) gehören inzwischen auch die Werke des Bettwarenherstellers in der Ukraine, Güstrow und Bad Bentheim sowie das Unternehmen Sleepwell Kauffmann GmbH aus Hörbranz am Bodensee.

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