AfD-Bundestagskandidat im Porträt Waldemar Herdt: „Mit 76 D-Mark in bar“ angefangen

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Sein Lieblingsplatz im Bürosessel: Von dort blickt Waldemar Herdt gerne in seinen Garten. Foto: Marcus AlwesSein Lieblingsplatz im Bürosessel: Von dort blickt Waldemar Herdt gerne in seinen Garten. Foto: Marcus Alwes

Neuenkirchen-Vörden. Dank Platz sieben auf der niedersächsischen Landesliste seiner Partei darf sich Waldemar Herdt konkrete Hoffnung auf den Einzug in den Deutschen Bundestag machen. Wir haben ihn getroffen.

Der zweifache Familienvater erinnert sich genau. „76 D-Mark in bar“ habe er damals in der Tasche gehabt, sagt Waldemar Herdt, als er nach Deutschland kam. Das war vor 24 Jahren, also 1993. Sein ganzes Vermögen hatte er in Kasachstan eingetauscht. Dem Land, in dem er geboren worden war, kehrte er in jenen Tagen den Rücken.

„Das hatte keine wirtschaftlichen Gründe“, sagt der Agraringenieur, „der Anlass war damals ein anderer. Wir konnten dort keine Deutschen mehr sein.“ Seine Arbeitsstelle als LPG-Leiter gab er auf, Haus und Grund blieben zurück. Ein Jahr lang hatte er mit seiner Frau und den beiden Söhnen die Auswanderung von Kasachstan nach Deutschland vorbereitet.

Über Bohmte nach Neuenkirchen-Vörden

Zunächst kam Herdt im Altkreis Wittlage in Bohmte an. Inzwischen lebt er unmittelbar an der Kreisgrenze des Osnabrücker Landes zum Südoldenburgischen. Sein Haus und das großzügige Gelände drum herum liegen auf dem Gebiet der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden. Die andere Straßenseite gegenüber gehört aber zu Rieste.

In der Bau-Branche ist der heute 54-jährige Herdt inzwischen als Unternehmer tätig. Drei Jahre als Futtermeister in der Schweinemast eines örtlichen Agrarbetriebes hakte er ab und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Doch wer mit Waldemar Herdt spricht oder sich in seinem Haus umschaut, bemerkt schnell, dass der Glaube und die Bibel in seinem Leben eine besondere Rolle spielen. In seinem Esszimmer auf einer Anrichte liegen das Alte Testament und das Neue Testament – sowohl in kyrillischer Schrift als auch in lateinischen Buchstaben aufgeschrieben. „Meinen Glauben kann mir keiner wegnehmen“, sagt Herdt, „das haben die Kommunisten nicht geschafft. Das wird auch hier nicht passieren.“

Engagement in einer Osnabrücker Freikirche

In Osnabrück engagiert er sich in einer der evangelikalen Freikirchen – und bedauert, „dass so viele Bürger kaum etwas über unseren Glauben und unsere Kirchengemeinde wissen“. Herdt sieht insgesamt „das Christentum in Deutschland und Europa in Gefahr“. In der Politik bedeuten ihm außerdem die Themen Familienpolitik sowie „ein Altwerden in Würde“ etwas. Dazu die Situation der kleinen Landwirte und die Integration von Zuwanderern. „Wir müssen da ein vernünftiges Konzept erarbeiten, sonst tickt da eine Bombe“, sagt er. Inzwischen engagiert sich Herdt in der Alternative für Deutschland (AfD), zuvor war er einige Zeit im Bundesvorstand der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) aktiv. „Die Umsetzung der Ideen in konkrete Politik ist bei der PBC nicht da“, begründet der Unternehmer den Wechsel zu den Nationalkonservativen.

Sitz im Gemeinderat durch Bundestag „ergänzen“

Seinen Sitz im Gemeinderat von Neuenkirchen-Vörden würde er gerne durch einen Platz im Deutschen Bundestag in Berlin „ergänzen“. Der AfD-Landesverband hat ihn dazu auf Platz sieben der Parteiliste in Niedersachsen gesetzt. Damit hat Herdt in der Tat alle Chancen, den Sprung in das Parlament an der Spree zu schaffen. Durch den Kreisverband Osnabrück hat er sich zudem als Direktbewerber im Bundestag-Wahlkreis 38 (Osnabrück-Land) aufstellen lassen. „Politik ist für mich ein Werkzeug, um etwas erreichen zu können“, sagt Herdt. Das versuche er übrigens auch anderen Russlanddeutschen zu vermitteln. „Ich habe ihnen gesagt, wenn sie aktiv nichts machen, dann dürfen sie sich auch nicht beschweren, dass unsere Anliegen kaum Gehör finden“, erklärt Herdt. Er selbst habe daraus die Konsequenz gezogen, sich zu engagieren und sich einzubringen. Bei den Nationalkonservativen habe er dafür eine Heimat gefunden, die seinem Weltbild entspreche.

Herdt lässt durchblicken, dass er den weiten Bundestags-Wahlkreis von Glandorf bis Quakenbrück erst noch Stück für Stück kennenlernen müsse. Eines sei ihm aber inzwischen vor der eigenen Haustür – vor allem im Bereich Bramsche, Rieste und Vörden – aufgefallen: „Ich bin nicht so der Freund von Windrädern“, sagt er. 36 dieser Riesen-Türme sind hier gerade erst neu gebaut worden. Ansonsten gelte für ihn momentan: „Wir können über lokale Probleme diskutieren, aber es wird aktuell vom Globalen überlagert.“

Die Kandidaten für die Bundestagswahl der Stadt Osnabrück (Wahlkreis 39) im Porträt:

Die Kandidaten für die Bundestagswahl im Wahlkreis Osnabrück-Land (Wahlkreis 38) im Porträt:


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