Elektrofischer im Einsatz Tausende Fische im Schleptruper Ahrensbach umgesetzt

Von Matthias Benz

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Schleptrup. Das neue Industriegebiet in Schleptrup bedeutet einschneidende Veränderungen für die Natur. Da der Unterlauf des Ahrensbaches auf einer Länge von rund 750 Metern verlegt wird, wurden nun tausende Fische aus diesem Bereich eingefangen und im Oberlauf wieder ausgesetzt.

Für diese Arbeit hat die Stadt Bramsche das Planungsbüro von Wolfgang Rötker aus Badbergen beauftragt. „Man kann den Tieren ja nicht einfach eine Schippe Sand auf den Kopf hauen. Wir wollen so viele Tiere retten, wie irgend möglich“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Im weiteren Verlauf der Arbeiten wird der jetzige Unterlauf verfüllt. Der neue Abschnitt, der dichter entlang der Autobahn verläuft, ist bereits gebaut.

Mit Strom gelähmt

Die Fische werden mit elektrischem Strom gelähmt und mit einem Käscher eingefangen. „Das Elektrofischen bedeutet keinen ganz großen Stress für die Fische“, erklärt Rötker, während sein Mitarbeiter Maik Gemüth langsam durch den Ahrensbach watet und ein Tier nach dem nächsten einsammelt. „Die Tiere sind nur einige Sekunden lang gelähmt. Auch das Umsiedeln ist unbedenklich, denn das Gewässer ist schließlich an beiden Stellen das gleiche.“

Mit einer Stromstärke von sechs bis acht Ampere und einer Spannung von etwa 200 Volt ist beim Umgang mit dem Gerät, das in einem Gestell auf dem Rücken getragen wird, aber durchaus Vorsicht geboten. Gemüth und Rötker verfügen über einen entsprechenden Bedienerschein, ohne den diese Arbeiten nicht ausgeführt werden dürfen. Dabei leitet das durch einen Akku betriebene Gerät den umgewandelten Gleichstrom in eine Käscherstange, die mit einem Totmannschalter ausgestattet ist. Mit dieser Stange werden die Fische zunächst aufgefangen, dann in einen zweiten Käscher gegeben und schließlich in einem Eimer gesammelt.

Zwei Durchgänge

Die Groppe, auch Mühlkoppe genannt, gehört zu den FFH-Arten, die im Ahrenbach leben.

„Gegen Feierabend wird das Gewicht schon lästig“, lacht Wolfgang Rötker, der sich mit seinem Kollegen abwechselt. Zweimal gingen sie am Donnerstag das 750 Meter lange Teilstück des Baches entlang, im Schneckentempo, damit möglichst kein Fisch dem Auge entgeht. An einer Sperre weiter oben wurde dafür auch der Wasserdurchfluss reduziert.

Am Freitag folgte ein weiterer voller Tag mit zwei Durchgängen für die Elektrofischer. „Das Wetter und die Jahreszeit sind jetzt optimal“, sagt Rötker.

Begleitet wird das Duo in Schleptrup von Praktikantin Maria Kramer, die Landschaftsentwicklung an der Hochschule Osnabrück studiert. Mit Klemmbrett in der Hand notiert sie, welche und wie viele Fische aus dem Ahrensbach geholt werden. Alleine am Donnerstag kamen über 2500 Fische zusammen, die gerettet und am Oberlauf des Baches, etwa einen Kilometer entfernt, wieder ausgesetzt wurden. „Wir hatten nur ganz wenige Tiere, die diese Maßnahme nicht überlebt haben“, so Maik Gemüth.

„Es handelt sich hier fast ausschließlich um drei Arten: den dreistachligen Stichling, die Mühlkoppe und Larven von Bachneunaugen“, erläutert Wolfgang Rötker. Die beiden letztgenannten Arten stehen auf der Liste der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) und sind damit besonders schutzbedürftig. Der Stichling sei wiederum nicht gefährdet, in hiesigen Gebieten aber durchaus selten.

Fachkompetenz

„Die Larven der Bachneunaugen werden auch Querder genannt. Genau genommen sind diese Tiere auch keine Fische, sondern gehören zu den Rundmäulern“, erklärt Jürgen Herpin. Der Geschäftsführer und Gewässerkoordinator des Dachverbands Hase begleitet das Trio bei den Arbeiten im Industriegebiet. „Ich helfe ein wenig mit, aber die drei sind schon ein eingespieltes Team“, erklärt Herpin, dass ihn eher sein Interesse und das seines Verbandes hier hergelockt haben. Schließlich sei eine solch große Fischbergung nur selten zu sehen. „Wir haben natürlich ein Interesse daran, dass unsere Gewässer – der Ahrensbach gehört zum Hasesystem – in gutem Zustand bleiben und auch wie hier vernünftig wiederhergestellt werden.“ Dabei lobt er die hohe Fachkompetenz Rötkers, der als Experte auch „über die Grenzen der Region hinaus bekannt und gefragt“ sei.

Die Bachneunaugenlarven sitzen im Ahrensbach im Sandsubstrat und kommen durch den elektrischen Strom heraus. Im September werden die Tiere erwachsen und im nächsten Jahr dann geschlechtsreif. Nach der Eiablage sterben die Tiere. Trotz der kurzen Lebensdauer betont Herpin: „Die Bachneunaugen gibt es schon deutlich länger auf der Erde, als uns Menschen.“

Wie es mit dem Fischbestand im Ahrensbach weitergeht, muss beobachtet werden. „Die Besiedlungsdichte im Oberlauf ist durch unsere Arbeiten natürlich extrem hoch. Deswegen denke ich, dass die Tiere sich schnell abwärts in den neuen Bereich ausbreiten werden“, meint Wolfgang Rötker. Zurück in den alten Lauf kommen sie dank einer Absperrung aber nicht mehr.

Der neue Verlauf parallel zur Autobahn ist bereits gebaut, doch vollständige Strukturen, die eine Ansiedlung möglich machen, sind noch nicht vorhanden. Immerhin: „Hier wurden Solgleiten gebaut, um das Gefälle zu reduzieren. Insgesamt ist ein breiter Korridor entstanden, wo sich das neue Gewässer entwickeln kann“, erläutert Jürgen Herpin. Entlang des Unterlaufs wurden Faschinen eingebaut, meterlange Reisig- oder Rutenbündel, die das Ufer stabilisieren, den Sandeinfall reduzieren und für die Ansiedlung von Fischen förderlich sind. „Man hat sich hier auf ganz alte Methoden des Gewässerbaus zurückbesonnen“, lobt Herpin.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN