Reformen auch in Bramsche angemahnt Investor Grossnigg: Kündigungen bei neuer Sanders.eu GmbH

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Bramsche. Der Investor aus Wien, Erhard F. Grossnigg , ließ es im Gespräch mit unserer Redaktion nicht an deutlichen Worten mangeln. „Ja, es wird Kündigungen geben“, sagte der Österreicher und fügte hinzu: „Aus sechs Produktionsstandorten werden wir drei machen.“

Die unlängst gegründete Sanders.eu GmbH – mit Grossnigg als neuem Mehrheitsgesellschafter – steht damit offenbar in den kommenden Monaten und Jahren vor erheblichen Umwälzungen.

Aktuell 750 Beschäftigte an sechs Standorten

Was das beim international agierenden Bettwarenhersteller für den Standort Bramsche mit seinen mehr als 120 Arbeitsplätzen bedeutet, muss sich zeigen. Weitere Produktionsstandorte der Sanders.eu GmbH sind Bad Bentheim, das österreichische Hörbranz am Bodensee (Firma Sleepwell Kauffmann GmbH), Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern sowie zwei Werke in der Ukraine. Zusammen sind hier rund 750 Menschen beschäftigt.

Der Umfang des Personalabbaus stehe aber noch nicht fest, erklärte Grossnigg. In der vergangenen Woche – so berichten mehrere Versammlungsteilnehmer übereinstimmend – soll der Finanzberater und Sanierer jedoch konkret von 15 bis 20 Prozent der Gesamtbelegschaft gesprochen haben. Es gehe um „mehr Effizienz in den Unternehmensprozessen“, so Grossnigg gegenüber unserer Redaktion.

Er selbst werde ab übernächster Woche regelmäßig nach Bramsche kommen, um die Umstrukturierungen vor Ort voranzutreiben. „Das Unternehmen ist aus der Insolvenz gekommen, aber es hat sich danach nichts verändert“, legte Grossnigg nach. Er komme nun höchstpersönlich in die Tuchmacherstadt, „um die Geschäftsführung an die Hand zu nehmen“. Geschäftsführer der Sanders.eu GmbH sind Helmut Schrenk und der CEO, Hans-Christian Sanders.

Löhne in Bramsche höher als in Hörbranz

Grossnigg stellte heraus, dass er erwarte, dass auch die Beschäftigten des Bettwarenherstellers Opfer zu bringen hätten („Die Mitarbeiter haben doch bisher nichts verloren“). Durchgesickert war zuletzt, dass es im Gegensatz zu früheren Gebrüder Sanders GmbH in der neuen Gesellschaft wahrscheinlich keine Tarifbindung mehr geben soll. Das geht aus einem im Juni versendeten Text zur sogenannten „Unterrichtung über einen Betriebsübergang“ hervor. Hinter den Firmenkulissen wurde offenbar zudem über die Rückerstattung erfolgter Einmalzahlungen an das Unternehmen durch die Belegschaft gestritten.

Ob damit die finanziellen Einschnitte in jenem Teil der Belegschaft, der bei Sanders.eu seine Arbeitsplätze behalten wird, abgeschlossen sein werden, sagte Grossnigg dagegen nicht. Er wies aber darauf hin, dass die Löhne in Bramsche aktuell deutlich höher seien als bei Sleepwell Kauffmann im österreichischen Hörbranz – oder gar in der Ukraine.

Während deshalb der Bestand der letztgenannten Werke wohl als sicher gelten darf und ein Aus für Güstrow bereits beschlossene Sache ist, dürfte nun am Bodensee, in Bad Bentheim und in Bramsche das mehr oder weniger große Zittern beginnen. Immerhin hatten Sanders-Vertreter in den vergangenen Wochen aber eine Stärkung und einen räumlichen Ausbau des Werkes in den traditionsreichen Hallen an der Maschstraße eingehend prüfen lassen. Das würde nach der Grossnigg-Ankündigung, künftig nur drei Standorte als Produktionsstätten behalten und sichern zu wollen, Schließungen in der Grafschaft und in Hörbranz bedeuten.

Insider gehen jedoch davon aus, dass auch diese kleineren Standorte versuchen werden, ihre möglichen Vorzüge in die Waagschale werfen werden. Hörbranz hätte einen modernen Gebäudekomplex zu bieten, Bad Bentheim viel Platz für eine weitere bauliche Ausdehnung.


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