Diskussion zum Reformationsjubiläum „Auf ein Bier mit Luther“ in Bramsche

Von Sigrid Schüler-Juckenack

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Zwei, die sich verstehen, weil sie miteinander reden: Superintendent Hans Hentschel (links) und Bürgermeister Heiner Pahlmann. Foto: Sigrid SchülerZwei, die sich verstehen, weil sie miteinander reden: Superintendent Hans Hentschel (links) und Bürgermeister Heiner Pahlmann. Foto: Sigrid Schüler

Bramsche. Wenn Kirche auf Politik trifft und wenn Politik mit Kirche ins Gespräch kommt, dann kann das sehr unterhaltsam sein. „Auf ein Bier mit Luther“ hatten der Bramscher Superintendent Hans Hentschel und Bürgermeister Heiner Pahlmann ins Café am Hasesee eingeladen.

Gekommen waren Vertreter aus den politischen und kirchlichen Gremien und Bürger, um gemeinsam zu diskutieren. Es ging dabei um die Frage, welche Werte unsere Gesellschaft prägen und was für ein gutes Miteinander wichtig ist. Ein gutes Miteinander habe nicht nur mit Gott zu tun, aber ohne Gott gehe es eben auch nicht, meinte Hentschel. Und: „Lutherische Kirche ist mindestens so schwer wie Kommunalpolitik.“ Deshalb sei es so wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Spielerisch begannen Pahlmann und Hentschel, zu Buchstaben, die aus dem Publikum genannt wurden, passende Begriffe zu nennen, die ihnen als Wert wichtig sind. Den Buchstaben „E“ verbindet Bürgermeister Pahlmann in diesem Zusammenhang mit dem Begriff Ehrlichkeit. Die sei gerade auch in der Kommunalpolitik sehr wichtig, denn Ehrlichkeit gehe einher mit einer gewissenhaften Vorbereitung der Arbeit. Ehrliche Gespräche im Stadtrat seien die Basis für die Arbeit der Kommunalpolitiker, denn auch das Vertrauen gründe darauf. Hans Hentschel ergänzte dazu den Begriff Einigkeit. Die sei wichtig, wenn es darum gehe, Ziele zu erreichen. Und er fügte hinzu, dass er in Bramsche viel Einigkeit erlebt habe, nämlich vor zwei Jahren, als sehr viele Flüchtlinge nach Hesepe gekommen waren. Da seien sich Politik, Kirche und die Menschen einig gewesen und hätten viel erreicht.

Wichtige Werte

Bei „H“ wie Heimat erklärte Hentschel, dass Heimat für ihn einen sehr wichtigen Wert darstelle. Sich zu Hause zu fühlen, Menschen mit dem Namen zu kennen und sie auf der Straße zu grüßen, auch wenn man sie vielleicht nicht persönlich kennt, verbinde er mit Heimat. Diese Heimat erlebe er in Bramsche, und Menschen, die ihre Heimat verloren hätten, fühle er sich sehr nah. Bedingt durch verschiedentlichen Wohnortwechsel sei es ihm aber auch gelungen, sich jeweils an seinen verschiedenen Wohnorten heimisch zu fühlen. Der Bürgermeister folgerte daraus, dass man Heimat also auch neu begründen kann, nämlich wenn der neue Ort zu einem Ort wird, an dem man sich vertraut bewegen kann.

Auch die Zuhörer beteiligten sich an den Überlegungen. Zu dem Buchstaben „F“ kamen Begriffe wie Frieden, Freundlichkeit und Fürsorglichkeit, zu „V“ wurden Vergebung und Vertrauen genannt, aber auch der Begriff Verein, denn Vereine hätten mit der Pflege von Werten zu tun, hieß es aus dem Publikum. Zum Buchstaben „N“ kam auch der Begriff Nachbarschaft. Den treuen Nachbarn habe Luther übrigens zum „täglich Brot“ gezählt, weil eine gute Nachbarschaft das sei, was jeder Mensch brauche, so Hentschel. Immer wieder spickte der Superintendent die Diskussion mit Zitaten von Luther, die erfrischend direkt waren und deshalb mitten aus dem Leben kamen.

Mit flottem Pinselstrich entsteht ein Porträt Luther mit Bierkrug.

Bild des Reformators

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Hentschel innerhalb weniger Minuten ein Portrait des Reformators Martin Luther gemalt, der somit tatsächlich mittendrin in der Veranstaltung war – mit einem Krug Bier in der Hand. Das Bild wurde am Ende für einen guten Zweck versteigert.

Das Fazit des Abends: Ein kurzweiliger Abend mit viel Sinn und Tiefgang, der die Teilnehmer über den eigenen Tellerrand blicken ließ, und sicher auch ein gutes Konzept gegen Kirchenmüdigkeit und Politikverdrossenheit. Die Resonanz der Teilnehmer war am Ende ausgesprochen positiv, und Bürgermeister Pahlmann erklärte, dass er dieses Gespräch in großer Runde gerne fortsetzen würde.


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