Krach bei Nationalkonservativen? AfD will in Osnabrück Bundestagskandidatin zurückziehen

Die ersten Kandidatenprospekte für den Wahlkreis Osnabrück waren offenbar schon gedruckt. Möglicherweise werden sie nun eingestampft. Foto: Marcus AlwesDie ersten Kandidatenprospekte für den Wahlkreis Osnabrück waren offenbar schon gedruckt. Möglicherweise werden sie nun eingestampft. Foto: Marcus Alwes

Osnabrück/Rieste. Paukenschlag innerhalb der AfD in Osnabrück. Die Rechtspopulisten wollen ihre Bundestagskandidatin Tanja Bojani im Wahlkreis 39 zurückziehen. Die Gründe bleiben vorerst im Unklaren.

Offenbar nach einem Beschluss des niedersächsischen AfD-Landesvorstandes in Hannover - und offenbar gestützt durch Teile des Kreisverbandes Osnabrück um den Vorsitzenden Daniel Wolf (Merzen) - soll der zunächst fristgerecht eingereichte Kandidatenvorschlag Bojani wieder eingesammelt und gestrichen werden. Ebenfalls fristgerecht. Aber auch formgerecht mit allen notwendigen Unterschriften? Das ist zur Stunde offen. Ein entsprechendes Schriftstück sei jedenfalls auf dem Weg zum zuständigen Wahlamt der Stadt, hieß es am späten Dienstagabend aus AfD-Funktionärskreisen. „Da ist etwas dran“, bestätigte auch der Kreisvorsitzende Wolf in seiner Rolle als offizielle Vertrauensperson der Partei am Mittwochmorgen gegenüber unserer Redaktion. Im Laufe der nächsten Tage wolle er sich näher äußern, stellte er in Aussicht.

Ferner wurde bekannt: Einen Ersatzkandidaten für Osnabrück und einige Umlandgemeinden wie Belm, Wallenhorst und Hasbergen werde die AfD demnach nicht mehr benennen.

Entscheidung per Münzwurf

Tanja Bojani (41, aus Rieste) hatte sich vor einigen Wochen zunächst vergeblich um eine Kandidatur im Wahlkreis Osnabrück-Land bemüht, danach aber auf der eher dürftig besuchten Mitgliederversammlung eine Kampfabstimmung um den Bezirk Osnabrück-Stadt glücklich für sich entschieden. Durch einen nach der Wahlordnung zulässigen Münzwurf - nach zuvor drei Durchgängen ohne einen Abstimmungssieger (stets 3:3). Ihr unterlegener Gegenkandidat damals: Der vom Kreisvorstand favorisierte Vorsitzende Wolf. Dieser gilt als Mitstreiter des AfD-Landesvorsitzenden Armin-Paul Hampel.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion hatte sich die in Osnabrück aufgewachsene und heute am Alfsee/Rieste lebende Bojani zuletzt als nationalkonservative Kandidatin, aber ohne rechtsradikale oder gar verfassungsfeindliche Parolen präsentiert. Wie die Angestellte eines Sicherheitsdienstes nun auf den Liebesentzug ihres örtlichen Kreisverbandes reagieren wird, ist offen. Bislang ist sie Kreistagsabgeordnete am Schölerberg in Osnabrück. Bojani selbst bezeichnete die angekündigte Herausnahme aus dem Bundestagswahlrennen in einer ersten, kurzen Stellungnahme als „riesengroße Enttäuschung“ und „einen Schock für mich“. Sollte der Sachverhalt sich bestätigen, wolle auch sie sich in Kürze noch einmal öffentlich äußern, sagte sie. Schon jetzt fragt sie, „bin ich zu bunt für die AfD?“

Der bekanntlich zerstrittene Landesverband ihrer Partei in Niedersachsen hatte Bojanis Kandidatenfoto übrigens schon am Dienstagabend von seiner Internetseite gelöscht. Ein Zufall? Wohl kaum. Und anscheinend hat die AfD nun einen internen Grabenkampf mehr.


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