Ein Naturjuwel im Sperrgebiet DBU-Exkursion in der Wersener Heide in Achmer



Zum Tag des Nationalen Naturerbes hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu einer einer Exkursion durch die Wersener Heide in Achmer eingeladen, einem ehemaligen Truppenübungsplatz.

„Lebensgefahr! Absolutes Betretungsverbot“, heißt es auf den Schildern am Rand der Wersener Heide in Achmer, zu der auch der Flugplatz gehört. Der ehemalige Truppenübungsplatz hat eine wechselvolle Vergangenheit, doch , doch heute geht es um die Zukunft: Aus dem militärischen Sperrgebiet entwickelt sich ein wertvoller Naturlebensraum. Zum Tag des Nationalen Naturerbes lud die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu einer Exkursion ein.

Das 1000 Hektar große Gebiet liegt zu einem Drittel in Niedersachsen, der südliche Teil gehört dagegen zum Land Nordrhein-Westfalen. Erst im Jahr 2012 hat das britische Militär das Gelände an die Bundesrepublik zurückgegeben. Es folgte eine große Diskussion: Was passiert mit der Fläche?

„Wir wollten die Zerstückelung unbedingt vermeiden“

„Das Ziel war für uns ganz klar: Wir wollten eine Zerstückelung unbedingt verhindern und ein zusammenhängendes Gebiet für den naturschutzfachlich erhalten“, erklärt Revierleiter Rainer Schmidt vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser, der die Exkursion anführt. So wurden Teile des Gebietes als Ausgleichsmaßnahmen und Kompensationsflächen ausgewiesen, während andere Bereiche zur Kulturlandwirtschaft verpachtet wurden.

Die DBU übernimmt mit ihrer Tochter „DBU Naturerbe“ dieses Gebiet im Oktober 2017, um den Naturschutz voranzutreiben. „Wir verfolgen dabei zwei Strategien: erstens die natürliche Entwicklung, zweitens aber auch die Erhaltung der Kulturlandschaft durch aktives Management“, erläutert Dr. Sabrina Jerrentrup von der DBU.

Am Heideweiher nahmen die Teilnehmer die Krötenpopulation in Augenschein.

„Management betreiben“

„Management“, dieses Wort fällt während der rund dreistündigen Tour häufig. Naturerbe bedeute eben nicht, eine Wildnis entstehen zu lassen, indem man die Natur sich selbst überlässt. „Man muss Management betreiben, um Wertigkeiten zu erhalten“, sagt Rainer Schmidt. Durch jährliches Mähen soll gegen die Verwaldung und Verbuschung angekämpft werden und das Offenland und Halboffenland erhalten werden.

Um die Natur an diesem Ort zu verstehen, ist ein Blick in die Geschichte wichtig: In der NS-Zeit befand sich auf diesem Gebiet ein großer Einsatzflughafen, der im Luftkrieg gegen England eine wichtige Rolle spielte. „Es herrschte großer Betrieb, auch wegen des direkten Bahnanschlusses. Hier befanden sich viele Gebäude, Bunker, Rohstoffdepots, Wehranlagen und Straßen. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, was hier vor 75 Jahren los war“, so Rainer Schmidt.

„Das Gebiet ist kampfmittelverseuht“

Entsprechend stark wurde das Gebiet auch von den Alliierten bombardiert. „Das ganze Gebiet ist kampfmittelverseucht. Wenn sie etwas Verdächtiges sehen, fassen sie es bitte nicht an!“, warnt Schmidt. Die etwa 15 Teilnehmer gehen auf eigene Gefahr bei der Exkursion mit. Auch wenn die DBU das Naturerbe langfristig „erlebbar“ machen möchte, wird es ein Sperrgebiet bleiben.

Während der Exkursion profitieren die interessierten Besucher von zwei echten Fachmännern: Revierleiter Rainer Schmidt kennt jeden Quadratmeter genauestens und führt die Gruppe mit vielen Informationen an die interessantesten Ecken. Daneben begleitet Hartmut Storch den Rundgang. Er betreut für die Biologische Station des Kreises Steinfurt Naturschutzgebiete. Zusammen sind die beiden Experten in der Lage, jede Pflanze und jedes Tier, das der Gruppe begegnet, zu benennen und Wissenswertes dazu zu berichten.

Mehrfach flüchten aufgeschreckte Rehe vor der Exkursionsgruppe. Wildschweine haben etliche Wühlspuren hinterlassen. Außerdem werden plötzlich fünf Küken entdeckt: Fasane? Rebhühner? Zunächst sind sich auch die Experten nicht sicher, doch als plötzlich ein Fasan aus dem Gebüsch flattert, ist alles klar.

„Störungsarmut ist wichtig für die Natur“

„Störungsarmut ist natürlich ganz wichtig für die Natur. Deswegen gehen wir jetzt auch schnell weiter“, sagt Rainer Schmidt. Viele Tierarten benötigen diese Ruhe, zum Beispiel die Kreuzkröten oder Molche während der Laichzeit an einem Heideweiher.

Noch deutlicher wird der Wert der Naturerbefläche angesichts der zahlreichen Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen, in der Wersener Heide aber geschützten Lebensraum finden. So zum Beispiel einige unscheinbare flache Sträucher, die Hartmut Storch sofort begeistert als Kriech-Weiden identifiziert. Rainer Schmidt nickt: „Wir haben die ganzen Birken an dieser Stelle zurückgeschnitten, damit sich die Kriech-Weide hier entwickeln kann.“

In den trockeneren Bereichen der Sandböden finden sich auch Heidenelken oder Bergsandglöckchen. Ein Highlight der Tour ist aber wohl ein großer Orchideenstandort mitten im Wald. Es handelt sich dabei um das Gefleckte Knabenkraut, deren große Knolle gerne auch mal von Wildschweinen ausgebuddelt wird.

Bombentrichter und feuchte Stellen

Durch die vielen Bombentrichter gibt es auf dem Gebiet auch etliche feuchte Stellen, an denen sich bestimmte Vogelarten finden lassen: daher stammt auch die Ortsbezeichnung „Vogelpool“. Rohrweihen oder Waldschnepfen brüten ganz in der Nähe des Flugplatzes. Auch ein Regenpfeifer wird von der Gruppe beobachtet.

Perfektes Mimikry

An einem Grashalm findet Rainer Schmidt etwas, das aussieht, wie ein Stückchen Holz. „Das ist ein Birkenschwärmer. Eine hervorragende Tarnung, perfektes Mimikry“, erklärt der Revierleiter. „Herr Schmidt, das ist ja wirklich aufregend“, entfährt es da einem älteren Teilnehmer, der sich am Anfang eher einen langweiligen Naturspaziergang ausgemalt hatte.

Am Ende findet Rainer Schmidt ein gutes Schlusswort für die Exkursion im Naturerbe: „Wir haben solche Naturperlen häufig direkt vor der Haustür und sehen sie gar nicht.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN