Wegerandstreifenprogramm Biologen: Bramscher Öko-Modell ein voller Erfolg


Ueffeln/Balkum. Das Wegerandstreifenprogramm, das die Stadt Bramsche in Ueffeln/Balkum begonnen hat, ist ein voller Erfolg. Das sagen der Biologe Walter Bleeker und Ingo Zapp vom Forsthof Artland, die zwei Jahre nach dem Anlegen die Flächen für das sogenannte Monitoring untersucht haben.

Bei dem vor zwei Jahren begonnenen Programm geht es darum, städtische Flächen am Wegesrand von Äckern als offizielle Ausgleichsmaßnahme ökologisch aufzuwerten. 24 dieser Flächen, auf denen Regiosaatgut ausgebrachte wurde, seien beim Monitoring auf Artenvielfalt untersucht worden, erklärt Ingo Zapp, der das Projekt in Bramsche mit angeschoben hat. „Deutlich mehr Arten als an anderen Standorten“ seien dabei festgestellt worden. Die Etablierungsrate der ausgesäten Arten liege knapp unter 60 Prozent, ein „herausragender Wert“, wie Zapp betont.

Quote schwankt

Dass die Quote zwischen zehn und über 80 Prozent schwanke, sei den Standortbedingungen geschuldet, erklärt der Biologe. Die Saatgutmischung decke das gesamte Artenspektrum ab, aber nicht jede Art könne auf jedem Boden wachsen. Eine Befürchtung aus der Landwirtschaft habe die Untersuchung aber eindeutig zerstreuen können: Auf den 24 Flächen sei genau eine einzige Diestel gefunden worden, obwohl Landwirte deren Ausbreitung befürchtet hatten, wenn die Seitenstreifen nicht gemäht werden. Auch Brennesseln seien selten, wenn die Randstreifen vorher entsprechend ausgemagert werden.

Ortstermin

Beim Ortstermin in Balkum mit Zapp sowie den städtischen Mitarbeitern Wolfgang Tangemann und der Projektbetreuerin Silke Nestler fallen zwei Dinge sofort auf: Während an normalen Wegesrändern nur grüne Gräser wachsen, blüht der aufgewertete Streifen in allen Farben. Und in dem Streifen brummt und summt es. Dass mit der Vielfalt der Pflanzenarten auch die der Tierarten angestiegen ist, haben Zapp und Bleeker durch ihre Zufallsfunde bei der Artenbestimmung gleich mit festgestellt. Neun Hummeln- und Bienenarten, elf Schwebfliegen, zwei Heuschreckenarten, fünf Schmetterlingsarten und anderes mehr listeten die Biologen als Zufallsfund auf. „Für die Fauna ist der Tisch gedeckt“, kommentiert Zapp diese Arten- und Individuenvielfalt.

Blume des Jahres dabei

Zapp präsentiert auf der Fläche auch die Heidenelke, die Blume des Jahres 2012. Die gehört zwar gar nicht zur Saatgutmischung, findet in dem Striefenmit seinem lockeren Bewuchs aber offenbar gute Bedingungen. Der Biologe hat deshalb die Hoffnung, dass sich diese Steifen über die Jahre weiterentwickeln. Weitere Erfahrungswerte müssten gesammelt werden, was den Pflegeaufwand betrifft. Eventuell müssten Streifen abschnittsweise und zu verschiedenen Zeiten gemäht werden.

Ansporn

Für Wolfgang Tangemann ist das eindeutige Ergebnis Ansporn, auf dem bisherigen Weg weiterzumachen. Eventuell könne man im Gespräch mit den beteiligten Landwirten auch einen Flächentausch hinbekommen, der die Optimierung der Biotope ermögliche. Dies sei aber „nicht mal eben so“ zu machen, sondern erfordere einen intensiven, vertraulichen Austausch. Den sucht vornehmlich Silke Nestler, die die Betreuung des Wegerandstreifenprogramms von Nadine Kepper übernommen hat. Durch diese Streifen könne die Stadt eine „tolle Vernetzung“ zu größeren ökologisch wertvollen Flächen hinbekommen und einer „Verinselung“ entgegenwirken. Auf alle Fälle sei die Bramscher Idee, städtische Flächen am Rand von Ackerstreifen als anerkannte Ausgleichsmaßnahme für Bauprojekte aufzuwerten, vielversprechend. Daneben hätten aber auch andere Konzepte, wie etwa Flächenpools ihre Berechtigung.


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