Am Stapelberger Weg Archäologische Grabungen in Hesepe beendet


Hesepe. Die archäologischen Grabungsarbeiten im Baugebiet am Stapelberger Weg sind beendet: Innerhalb weniger Tage stellte sich für das Team der Firma „denkmal 3D“ heraus, dass alle relevanten Bereiche abgearbeitet und keine Funde mehr zu erwarten sind. Das Fazit der Mitarbeiter fällt nach rund neun Monaten durchweg positiv aus.

„Zum Abschied wollen wir vor allem danke sagen!“, erklärt Grabungsleiterin Melanie Müller stellvertretend für das gesamte Team. Die Zusammenarbeit mit allen Involvierten habe gut funktioniert; egal ob Stadtverwaltung, Tiefbauunternehmen oder Bauinteressenten. „wir haben hier auch ein ungewöhnlich starkes Interesse der Bevölkerung erlebt“, ergänzt Grabungstechniker Folke Prille.

Besiedlung seit der Jungsteinzeit

Auch wegen der guten Unterstützung sei man mit den Arbeiten sehr gut durchgekommen und nun deutlich vor dem Stichtag fertig. „Es hat in den letzten Tagen keine größeren Überraschungen mehr gegeben. Mit dem Bagger sind noch einmal zwei Flächen aufgezogen worden. Da war dann die die Einschätzung möglich“, erläutert Müller. Zwei Tage später wurde schon eingepackt und aufgeräumt.

Die Zeit in Bramsche war anstrengend und arbeitsreich, aber auch erfolgreich. „Das ist hier eine archäologisch wirklich sehr bedeutende Stelle. Allein die Befunddichte ist erstaunlich: Wir haben alleine 65 Grubenhäuser auf einer Fläche von nur einem Hektar gefunden“, so Prille. Auch seien 14 Brunnen entdeckt worden. Sämtliche Funde könnten unterschiedlichen historischen Phasen zugeordnet werden und so lasse sich klar eindeutig sagen, dass es an dieser Stelle von der Jungsteinzeit bis ins Hochmittelalter eine konstante Besiedlung an diesem Fleck gegeben hat.

Zukünftige Hausbauer müssen sich aber keine Sorgen machen, selbst wenn ihr Eigenheim zukünftig mitten auf einer solchen Fundstelle stehen wird: Alle Brunnen wurden zugeschüttet und anschließend verdichtet, nachdem sie ausgiebig dokumentiert worden waren. Auch müsse niemand Angst haben, dass irgendwann erneut Ausgrabungen in diesem Baugebiet angestrebt werden.

„Das ist ja eben genau unser Job. Wir entnehmen die Fundstücke fachgerecht und auf wissenschaftlicher Basis. Jetzt ist alles weg, es gibt hier keine Archäologie mehr“, betont Melanie Müller. Die Grundstücksbesitzer könnten jetzt sicher sein und müssen keine Angst vor zufälligen Funden haben. „Dies war ja eine Rettungsgrabung: Wir retten die Funde vor der Zerstörung. Eine echte Forschungsgrabung hätte an dieser Stelle wohl 30 Jahre gedauert“, vermutet Folke Prille.

Arbeiten bei extremen Wetterlagen

Das Team habe sich immer darum bemüht, die Arbeiten schnell voranschreiten zu lassen. Durch eine gute Zusammenarbeit von allen Beteiligten sei dies gelungen. „Wir haben hier bei 50 Grad in der Sonne gearbeitet, bei Dauerregen und auch bei Minus sieben Grad im Winter mit dem Eispickel“, ist Melanie Müller stolz auf die Durchhaltekraft aller Mitarbeiter. Die besonderen Funde seien dabei auch ein wichtiger Motivationsfaktor gewesen.

Zum Abschluss deckten die Schatzsucher auch noch etwas Besonderes auf: einen großen Haufen unterschiedlichster Scherben, zusammengedrückt und recht gut erhalten. „Das war eine Art Abfallhaufen einer Töpferei, die hier ganz in der Nähe gestanden haben muss. Hier wurden kaputte Teile weggeworfen“, erzählt Folke Prille. Alle Fundstücke, die in den letzten neun Monaten entnommen wurden, werden in nächster Zeit genau untersucht, sodass man gespannt sein darf, welche Dinge aus diversen Scherben zusammengesetzt werden können.

Viele Indizien sprechen für eine große Bandbreite an Handwerk, das hier im Verlauf vor rund zweieinhalbtausend Jahren betrieben wurde. Interessant für Bramsche: Die Tuchmacherkunst kann in der Stadt bis in die vorrömische Eisenzeit zurückverfolgt werden.

Bramsche wird dem Grabungsteam, das zum Teil aus Ostfriesland oder Hildesheim kommt, gut in Erinnerung bleiben. An Weihnachten besuchten alle gemeinsam ein Konzert im Universum. „Sonst blieb leider wenig Zeit, die Stadt kennenzulernen. Nach neun bis zehn Stunden Knochenarbeit am Tag fehlte dafür häufig die Kraft“, so Prille.


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