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Suche nach Mehrheiten SPD und Grüne nehmen in Bramsche erste Gespräche auf

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Der Jüngste im Stadtrat: Jan Beinke (FDP, 19 Jahre).Der Jüngste im Stadtrat: Jan Beinke (FDP, 19 Jahre).

Bramsche. Rot-Grüne Koalition oder Entscheidungen je nach Sachlage? Diese Frage gilt es zu klären, nachdem die SPD ihre absolute Mehrheit im Stadtrat verloren hat. Die bunte Zusammensetzung des Stadtrates verspricht spannende Entscheidungsprozesse.

Schon vor der Wahl hatte die SPD einen Termin für ein Gespräch mit den Grünen verabredet. Am Dienstagabend sollen dabei Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausgelotet werden. „Wir gehen das alles mit sehr viel Ruhe an“, betont Wolfgang Kirchner. Der SPD-Vorsitzende macht aber kein Geheimnis daraus, dass seiner Partei eine feste Koalition lieber wäre als die Suche nach Mehrheiten in jeder einzelnen Sach- und Personalfrage. „Wir wollen versuchen, uns mit den Grünen auf ein paar Dinge zu einigen“, sagt Kirchner.

Zunächst einmal gehe es um ein informelles Treffen“, betont Grünen-Sprecherin Annette Specht. Ein möglicher Knackpunkt liegt auf der Hand: Die SPD will das Industriegebiet in Engter, die Grünen sind da laut Specht „ganz nah bei der Bürgerinitiative“, die genau dies verhindern will.

Mit dem überragenden Ergebnis von Einzelbewerber Werner Ballmann hat die Initiative erheblichen Rückenwind bekommen. „Einfach fantastisch, ich kann das kaum glauben“, kommentierte Ballmann am Wahlabend sein Ergebnis. Auch wenn es nicht einfach ist, als Einzelkämpfer im Stadtrat klarzukommen, will Ballmann „unbedingt den freien Status behalten“ und sich keiner Fraktion anschließen.

Zwei weitere Neulinge sind ebenfalls als Einzelkämpfer unterwegs: Bei Bernhard Rohe von den Linken ist die Freude über den Einzug in den Stadtrat dadurch getrübt, dass das erhoffte zweite Mandat verpasst wurde: „Wir wären da schon gern fraktionsmäßig vertreten gewesen.“

Ganz neu im Geschäft ist naturgemäß Jan Beinke, der mit seinen 19 Jahren bei der ersten Kandidatur gleich die beiden einzigen Mandate für die FDP holte: das im Ortsrat Hesepe und das im Stadtrat. In beiden Gremien verdrängte er mit dem besseren persönlichen Ergebnis den bisherigen Ratsherrn Wolfgang Tiemeyer. „Ich hab mir schon ausgerechnet, dass ich das schaffen kann“, gibt sich der Student der Wirtschaftsinformatik selbstbewusst. Er dürfte der jüngste Ratsherr aller Zeiten in Bramsche sein, obwohl sich dies bei der Stadt am Tag nach der Wahl nicht so ohne Weiteres feststellen ließ. Der bisherige Ratsherr Conrad Bramm will dem Neuling mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ähnlich ist die Stimmungslage bei der CDU, wo der Vorsitzende Gert Borcherding trotz herber Verluste von über sechs Prozent zwei wichtige Wahlziele erreicht sieht: „Lübbersmann ist Landrat, und die absolute Mehrheit der SPD in Bramsche ist gebrochen.“

Der strahlende Wahlsieger hat ganz andere Probleme: Filiz Polat sitzt für die Grünen vom Ortsrat bis zum Landtag in allen Parlamenten. Das Kreistagsmandat will sie annehmen, wohl auch das für den Stadtrat. Lediglich beim Ortsrat gibt es Überlegungen, eventuell einem Nachrücker Platz zu machen. „Das muss sich noch zeigen. Auf alle Fälle sieht es für unsere Zukunft sehr gut aus“, sagte sie. Lob für den Sieger des Wahlabends gab es vom Verlierer des Tages: „Die Grünen in Bramsche haben wirklich gute Arbeit geleistet. Die haben sich das Ergebnis verdient“, meinte Conrad Bramm.


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