Abschied rückt immer näher Firmenfahnen von Heyform sind in Engter eingeholt


Engter. Der Abschied rückt näher. Die drei Firmenfahnen an der Zufahrt zum Betriebsgelände sind eingeholt und verstaut. Die früheren Hinweisschilder – samt Unternehmenslogo – an den Besucher- und Mitarbeiterparkplätzen sind abgebaut und bereits gegen die des neuen Grund- und Gebäudebesitzers ausgetauscht worden.

Kaum noch etwas deutet an der Heywinkelstraße darauf hin, dass hier der Sitz des inzwischen insolventen Automobilzulieferers Heyform Bramsche GmbH war.

„Stichtag“ ist wohl der 30. Juni

Erst derjenige, der an der Eingangsschranke das Pförtnerhäuschen passiert hat und weit auf das Gelände vordringt, findet in den hintersten Hallen eine kleine verbliebene Restproduktion von Kunststoffkomponenten für Fahrzeuginnenräume. Die Auftraggeber heißen DAF Trucks und Volkswagen AG (also inklusive einiger Tochter-Marken des Konzerns).

„Mindestens bis zum 30. Juni geht es hier noch weiter“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Dietmar Schminkel. Insgesamt 93 Beschäftigte – von ehemals 250 – packen dabei an. Etwas mehr als 70 in der Restproduktion. Zwanzig in mobilen Containern, die Anfang Mai auf dem Hof errichtet worden sind. Ihre alten Büros haben diese Heyformer für die Neu-Besitzer (die Heytex GmbH, ein Hersteller Technischer Textilien) räumen müssen.

Nach und nach werden aber auch diese 93 Beschäftigten in jene Transfergesellschaft überwechseln, die ihnen in den nächsten Monaten auf dem Arbeitsmarkt den Weg zu einem neuen Job ebnen soll, erläutert Betriebsrat Schminkel. Dann wird Heyform in Engter endgültig Geschichte sein.

Im Rahmen des laufenden Insolvenzverfahrens ist es möglich, dass einzelne Firmenteile (darunter die beiden Werke in Rumänen und Tschechien sowie allerlei Maschinen aus Engter) noch an interessierte Investoren verkauft werden. Doch Details dazu werden die verbliebenen Heyform-Mitarbeiter wohl erst in den nächsten Tagen im Rahmen einer Betriebsversammlung erfahren. Dann will Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther Neuigkeiten verkünden.

Transfergesellschaft konnte bereits 24 Arbeitnehmer neu vermitteln

Unterdessen hat der Geschäftsführer der Quotac Management GmbH, Gert Beelmann, mitgeteilt, dass bereits 97 frühere Beschäftigte der Heyform Bramsche GmbH in die besagte Transfergesellschaft gewechselt seien. Diese sollen ihnen – natürlich möglichst rasch – einen Neustart auf dem regionalen Arbeitsmarkt ermöglichen. „Die ersten 24 von ihnen konnten wir schon erfolgreich vermitteln. Das ist sehr schön“, sagt Beelmann. Seine Quotac (mit Hauptsitz in Bremen) zeichnet für die Transfergesellschaft verantwortlich.

Bald ein Büro in der Bramscher Innenstadt

In der Bramscher Innenstadt gibt es für die Ex-Heyform-Arbeitnehmer (noch bis Mai 2018) künftig ein Büro als Anlaufstelle. „Wir sind für diese Menschen Ratgeber. Wir sind Vermittlungsunterstützer, wir sind Anbahner“, sagt Beelmann: „Aber auch Helfer, Qualifikationsorganisator und Begleiter“. Die Finanzierung dieser Transfergesellschaft (ca. zwei Millionen Euro) haben die beiden Heyform-Kunden DAF und Volkswagen übernommen – als Gegenleistung für eine vollständige und termingerechte Erfüllung vereinbarter Produktionsaufträge.

73 Beschäftigte aus Engter sind aktuell in der Transfergesellschaft registriert, weitere 93 werden wohl noch in diesem Sommer folgen. Auch sie unterzeichnen offizielle Verträge mit der Quotac und erhalten monatlich ebenfalls 80 Prozent ihres bisherigen Heyform-Nettoentgeltes. Zwischen drei und elf Monaten können sie in der Transfergesellschaft bleiben. In Einzel- und Kleingruppengesprächen haben Beelmann und seine Mitarbeiter sich bereits ein Bild von jedem einzelnen Arbeitnehmer gemacht (Profiling). „Wir wollen wissen: Was brauchen die Leute? Was können sie sich vorstellen?“ Dann beginnt die Arbeit mit ihnen.

Hilfe bei Bewerbungen, diverse Weiterbildungen, aber auch zusätzliche Qualifikationen (z.B. Staplerscheine) werden ebenso vermittelt wie Besuche oder Praktika in anderen Betrieben – ein Reinschnuppern. Daraus, so Beelmann, ergebe sich dann häufig genug mehr. Nämlich ein neuer, fester Arbeitsplatz.


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