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Nachgefragt beim Landkreis Osnabrück Wie steht es um die Notfall-Versorgung in Bramsche?


Bramsche. Nachdem sich Anfang April ein Mann an einem verschluckten Stück Fleisch zu ersticken drohte und professionelle Hilfe nach Angaben von Betroffenen und Augenzeugen erst rund eine halbe Stunde nach dem Notruf eingetroffen sein soll, wird in Bramsche diskutiert: Ist die Notfall-Versorgung in der Tuchmacherstadt selbst ein Notfall?

Wie ist es um die Notfallversorgung in Bramsche bestellt? Stellung dazu nimmt Bärbel Rosensträter, Fachdienstleiterin Ordnung beim für das Rettungswesen zuständigen Landkreis Osnabrück.

Frau Rosensträter, in Bramsche wird – wieder einmal – über die Notfallversorgung diskutiert. Mancher Leser ist da aber vielleicht nicht ganz so im Thema. Können Sie dafür noch einmal benennen, wann im Regelfall von wo ein Rettungswagen und ein Notarzt zu einem Einsatz kommen?

Die Rettungswache in Bramsche ist nach wie vor rund um die Uhr in Betrieb, da hat es keine Veränderungen gegeben. Rettungswagen werden also jederzeit vorgehalten. Und mir ist es sehr wichtig, gleich eingangs zu betonen, dass diese Rettungswagen mit hoch qualifizierten und professionellen Rettungskräften besetzt sind. Die neue Berufsqualifikation als Notfallsanitäter auf den Rettungswagen führt dazu, dass alle lebensbedrohlichen Zustände von der Besatzung des Rettungswagens erkannt und therapiert werden können bis zum Eintreffen des Notarztes bzw. bis zum Eintreffen im Krankenhaus.

Die Veränderungen zum Jahresbeginn 2015 hat es ausschließlich beim Notarzt-Standort Bramsche gegeben. Auch bedingt durch die Veränderungen in den Niels-Stensen-Kliniken, ist in Bramsche ein Notarzt montags bis donnerstags von 7.30 bis 19 Uhr und am Wochenende durchgehend von freitags, 7.30 Uhr, bis sonntags, 23 Uhr, einsatzbereit. In den übrigen Zeiten werden Notärzte von den Standorten Osnabrück, Ankum oder Ostercappeln alarmiert, sofern es erforderlich ist.

Der Einsatz in einem Bramscher Restaurant kürzlich steht auch deshalb in der Kritik, weil weder Notarzt noch Rettungswagen (RTW) der hiesigen Rettungswache zur Verfügung standen. Ist der Standort denn überhaupt ausreichend ausgestattet?

Die Malteser halten in der Rettungswache Bramsche neben einem Notarzteinsatzfahrzeug drei Rettungswagen und einen Krankentransportwagen vor. Dieser rettungsdienstlichen Bedarfsplanung liegen sehr detaillierte statistische Bewertungen zugrunde. Das ist in aller Regel ausreichend. Im vergangenen Jahr hat es im Stadtgebiet 1892 Notfalleinsätze mit Sondersignal gegeben, davon kam 73 Mal kein Bramscher RTW zum Einsatz. Der Anteil liegt also unter fünf Prozent. Dies dürfte mehrheitlich daran gelegen haben, dass zum Zeitpunkt der Alarmierungen die Bramscher RTW bereits in anderen Einsätzen gebunden waren. Zu einem gewissen Anteil lag es aber auch daran, dass auswärtige RTW zum Zeitpunkt des Notfalleingangs einsatzbereit durch Bramsche gefahren sind und daher schneller am Einsatzort sein konnten als die in der Wache befindlichen Bramscher RTW. Denn zum optimalen Schutz der Bürgerinnen und Bürger wird im Rahmen unserer „Nächste-Fahrzeug-Strategie“ immer das dem Einsatzort geographisch nächstgelegene Einsatzmittel alarmiert. Viele RTW durchqueren beispielsweise bei Rückfahrten das Bramscher Gebiet und stehen damit zusätzlich zur Notfallrettung zur Verfügung.

Seit 1. April halten die Johanniter keinen Rettungswagen mehr in der LAB Hesepe vor. Damit konnte in Spitzenzeiten die Rettungswache Bramsche entlastet werden, außerdem mussten die Malteser keine oder kaum RTW-Einsätze in die LAB fahren. Wird da nun eine Kompensation für die Rettungswache fällig?

Der RTW in der LAB Hesepe wurde durch das Land Niedersachsen sonderfinanziert und über den ermittelten Bedarf hinaus vorgehalten. Zur Zeit der hohen Belegungszahlen war die zusätzliche Ressource erforderlich. Die Einsätze in der LAB sind zwischenzeitlich stark rückläufig und können durch die Rettungswagen in Bramsche mit abgedeckt werden. Die Entwicklung der Fallzahlen behalten wir selbstverständlich sehr genau im Blick.

Sie haben gerade von 1892 Notfalleinsätzen in Bramsche gesprochen. Wie sehen denn die Einsatzzahlen für die Rettungswache Bramsche insgesamt aus?

Richtig, in Bramsche wurden im vergangenen Jahr 1892 Notfalleinsätze mit Sondersignal angefahren. Der gesamte Rettungswachenbereich Bramsche erstreckt sich von der Osnabrücker Stadtgrenze bis zum Alfsee sowie in einen Randbereich von Mettingen und umfasst eben auch das gesamte Stadtgebiet Bramsche inklusive aller Ortsteile. Hier hat es im vergangenen Jahr 3.571 Notfalleinsätze mit Sondersignal gegeben. Da hatten wir einen minimalen Rückgang: 2015 wurden noch 3584 Notfälle mit Sondersignal absolviert.

Wie oft wurde ein Notarzt zu einem Einsatz in Bramsche alarmiert?

Bei 654 der 1892 Einsätze wurde auch der Notarzt alarmiert. Dieser kam in 457 Fällen aus Bramsche und 197 Mal von umliegenden Standorten.

Und wie schnell ist in Bramsche Hilfe im Notfall zu erwarten?

Die gesetzlich geforderte Hilfsfrist liegt bei 15 Minuten zwischen der Einsatzentscheidung der Rettungsleitstelle und dem Eintreffen des ersten Rettungsmittels am Notallort, also entweder dem Rettungswagen oder dem Notarztfahrzeug. Diese Eintreffzeit lag bei Einsätzen in Bramsche durchschnittlich bei 6:34 Minuten. In 97,3 Prozent aller mit Sondersignal absolvierten Notfalleinsätze wurde die Hilfsfrist von 15 Minuten eingehalten. Vorgabe ist, 95 Prozent zu erreichen.

Wie oft aber wurde die Hilfsfrist 15 Minuten eingehalten, wenn RTW oder Notarzt aus umliegenden Standorten nach Bramsche alarmiert wurden?

Dieser Wert steht in unserem System nicht gesondert zur Verfügung. In absoluten Zahlen handelt es um sehr wenige Fälle, in denen die Hilfsfrist von 15 Minuten überschritten wurde. Dies lässt sich insbesondere daran ablesen, dass – wie oben beschrieben – in Bramsche in 97,3 Prozent der Notfälle die Hilfsfrist eingehalten wird. Dies bedeutet im Umkehrschluss , dass in Bramsche die Hilfsfristüberschreitungen nur 2,7 Prozent statt 5,0 Prozent der Notfälle ausmachen.

Halten Sie eine Verkürzung der Hilfsfrist für angebracht? In Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist eine Eintreffzeit von nur acht Minuten das Ziel. Auch vor diesem Hintergrund investiert der benachbarte Kreis Steinfurt nun massiv in den Ausbau von Rettungswachen, Ausstattung und Personal.

Die rettungsdienstlichen Vorgaben sind länderspezifisch, die maßgeblichen Festlegungen trifft das jeweilige Bundesland im Rettungsdienstgesetz. Die Frage der Hilfsfrist wird somit nicht regional entschieden. Über die notwendigen Veränderungen von Qualitätsindikatoren berät der Landesausschuss Rettungsdienst unter der Leitung des Innenministeriums. Hier stehen die Träger der Rettungsdienste, die Kostenträger, die Leistungserbringer und Ärztevertreter im fortwährenden Austausch.


Hinweis:

Die Darstellungen des Landkreises Osnabrück zum Rettungseinsatz in einem Bramscher Restaurant am 6. April 2017 bezeichnen Angehörige des dort verunglückten 81-jährigen Mannes weiterhin als grundlegend falsch. Sie wollen nun unter anderem Belege dafür sammeln, dass die aus Osnabrück alarmierten Rettungskräfte tatsächlich erst eine halbe Stunde nach dem Notruf am Einsatzort eingetroffen seien. Eine Berichterstattung dazu wünscht die Familie derzeit nicht, auch um nach dem schrecklichen Erlebnis wieder zur Ruhe kommen zu können.

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