Strömungslenker aus Totholz Experten diskutieren Bramscher Hase-Pilotprojekt


Bramsche. „Strömungslenker als Strukturelement in der Hase“. Das war das Thema, zu dem sich am Dienstag Wasserbau-Fachleute aus allen Haseregionen in Bramsche trafen. Dort gibt es seit Kurzem ein Anschauungsobjekt zum Thema: Am Hasealtarm an der Nordtangente ist ganz frisch ein Strömungslenker aus Totholz eingebaut worden.

Im Jahr 2015 ist dieser Altarm wieder an die Hase angeschlossen worden, um ihn neu zu beleben. Es habe aber nicht lange gedauert, bis dieser Altarm versandete, erläuterten Björg Dewert vom Verein zur Revitalisierung der Haseauen und Jürgen Herpin als Gewässerkoordinator vom Dachverband Hase. Insbesondere bei Hochwasser sei auf der Gleituferseite der leichten Rechtskurve des Flusses viel Sand transportiert worden.

Strömungslenker

Um den Sand wieder weiterzuschwemmen, wurde der Strömungslenker eingesetzt. Bauleiter Werner Fricke schilderte die besonderen Herausforderungen beim Bau eines solchen Strukturelementes im Gewässerprofil. Baustoffe sind in etwa zu gleichen Teilen Tothaus und Steine. Eine Pfahlreihe aus Erlenstämmen gibt dem Pappelstamm Halt. Damit der Baumstamm sich nicht bei Hochwasser selbstständig macht, ist er zusätzlich durch Stahlseile gesichert.

Ob die Konstruktion tauglich ist, wird sich erst beim nächsten richtigen Hochwasser zeigen. Erst dann werde das Bauprojekt in Bramsche abgeschlossen, betonte Dewert. Rund 13000 Euro habe dieser Eingriff in das Gewässerprofil gekostet. Weiteres Geld soll noch ausgegeben werden, um die Wirkung durch einen weiteren Strömungslenker am anderen Ufer zu verstärken. Das Geld stamme aus Ausgleichsmaßnahmen des Landkreises.

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Steine und Totholz sind die Bausteine des Strömungslenkers.

„Wir wollten hier nicht lockerlassen“ unterstrich Björg Dewert den Wunsch, den Bramscher Hasealtarm nachhaltig zu beleben. Zwar sei die Hase nun einmal „mehr ein Kanal als ein natürlicher Fluss“, mit kleinen Maßnahmen wie dieser könne die Qualität immerhin angehoben werden. Totholz bringe zudem „eine gewisse Dynamik“ in die Sache, weil es sich als idealer Lebensraum für viele Lebewesen erweise.

Das Vorhaben in Bramsche sei ein Pilotprojekt für andere Abschnitte, betonte Jürgen Herpin. Er sprach von einem doppelten Effekt zum einen durch die Strömungslenkung, zum anderen durch den Totholeinsatz. „Und wenn der Stamm rausgerissen wird, können wir ihn ja spätestens beim Verteilerbauwerk wieder rausholen“, meinte er scherzhaft.

Das war dennoch die Überleitung zu einem ernsten Problem, das den Wasserbauern haseauf, haseab zu schaffen macht: Viele Vorhaben zeigen Wirkungen, die sich nicht genau kalkulieren lassen. Korrekturen aber müssten häufig genug neu beantragt werden und könnten nicht einfach als laufende Unterhaltung erledigt werden. Nicht nur Bauleiter Werner Fricke wünschte sich da mehr Mut und mehr Vertrauen bei den Genehmigungsbehörden. „Das macht den Wasserbau ja so interessant, dass nicht alles so funktioniert, wie man sich das denkt“. meinte er am Ende eines intensiven Austausches unter Fachleuten.


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