Vortrag mit Hannelore Keßler Verwaiste Eltern sprechen in Ueffeln über Trauer

Hannelore Keßler näherte sich mit der Selbsthilfegruppe verwaister Eltern der Trauerarbeit nach dem Verlust eines Kindes. Foto: Holger SchulzeHannelore Keßler näherte sich mit der Selbsthilfegruppe verwaister Eltern der Trauerarbeit nach dem Verlust eines Kindes. Foto: Holger Schulze

Ueffeln. „Einen Verlust be- und verarbeiten – Ein Kraftakt“, mit dieser ernsten Thematik nach dem Verlust eines Kindes setzte sich die Selbsthilfegruppe Verwaiste Eltern am Mittwochabend auseinander. Referentin iom Gemeindehaus St. Marien in Ueffeln war Hannelore Keßler, Diplom Psychologin und Verhaltenstherapeutin aus Berge.

„Gott hilft, wenn man daran glaubt. Doch es gibt noch eine ganze Menge anderer Möglichkeiten, um aus diesem Wahnsinn, bei dem man glaubt, die Welt würde stehen bleiben, wieder herauszukommen“, machte Hannelore Keßler den betroffenen Eltern von Beginn an Mut, ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Diese Kräfte und Fähigkeiten wachzurufen, war das Anliegen des gesamten Vortrags.

„Lebenskrisen haben nur einen einzigen vernünftigen Grund, nämlich uns beizubringen, wie man sie bewältigen kann. Die guten Sachen müssen wir uns machen, die schlechten kommen irgendwann im Leben von alleine“, legte Hannelore Keßler zunächst einmal die Grundsystematiken des Leidens frei. „Unsere Selbsterhaltungskräfte sind dazu da, selbst den größten Wahnsinn zu überstehen, wieder heil und gesund zu werden“, meinte Keßler..

Ausprobieren und sich Trauens

Der Prozess der Selbstheilung könne durch die Fragen in Gang gesetzt werden: „Was hilft mir, was habe ich gemacht, um bereits erlebte Krisen zu überwinden“. Für jeden Menschen gäbe es hierbei nur ganz individuellen Antworten und insgesamt sei es eine „Sache des Ausprobierens und des sich Trauens“.

Immer notwendig sei Zeit, dann würden sich irgendwann Kraftquellen auftun. „Diese kennen wir zwar schon, haben sie aber wieder vergessen und dies gerade in Situationen, in denen wir sie am nötigsten brauchen“, machte Hannelore Keßler auf einen weiteren Aspekt der Trauerarbeit aufmerksam. Im Laufe der Zeit ändere sich aber die Trauer. Und dann würden Dinge wichtig, die die Trauernden im verankerten: Freunde, nahe stehende Menschen, Priester oder professionelle Hilfe könnten dann den Weg zurück in das Leben ebnen helfen. „In dem Moment, wo Sie sich trauen, wieder Dinge zu tun, die Ihnen gut tun, arbeiten Sie wieder für sich selbst und nicht mehr nur für Ihre Trauer“, lautete der Ratschlag von Hannelore Keßler.

Kein Dauerzustand

„Jeder Mensch ist immer und in allen Lebenslagen der Experte seiner selbst und im Wiederaufstehen. Großes Glück und tiefes Leid sind ferner keine Dauerzustände, die der Organismus gar nicht aushalten würden, wenn sie ewig anhalten würden“, war sich Hannelore Keßler sicher. Der Blick auf das, was einem zuvor schon einmal wieder aus einer früheren Leidensphase herausgeholt hat, sei die Voraussetzung, um wieder aus dem Tief heraus- und ins Leben zurückzukommen.

Etwas Trost bot Hannelore Keßler mit einer Geschichte aus dem Buch „Der kleinen Prinz“ an. Die Szene, in der der kleine Prinz wieder nach Hause auf seinen Planeten will, es aber mit diesem schweren Leib nicht kann und ihn deshalb ablegt, gab ihr die Gewissheit, „dass unser Leben mit dem Tod vollendet wird“.

„Wir sind immer fassungslos, wenn ein junger Mensch stirbt. Doch wenn wir glauben können, dass jeder immer zu seinem Planeten zurückkehrt, dann hat jeder, unabhängig davon, wie alt er geworden ist, sein Leben mit dem Sterben vollendet“, mit dieser Feststellung beendete Hannelore Keßler ihr Referat und lud die verwaisten Eltern zum Gespräch ein.

Persönliche Gefühle und Erlebnisse

In dieser sich anschließenden Gesprächsstunde kamen sehr persönliche Gefühle und Erlebnisse zum Ausdruck, wie, dass man mindestens ein Jahr brauche, um wieder zu einem neuen Anfang zu gelangen. Oder wie hilfreich eine Gruppe mit den gleichen Erfahrungen sein könne. Auch wurde erwähnt, wie schwer das Aushalten von Hilfslosigkeit fällt und wie entlastend das Weinen sein kann.

Gegen Ende des Abends hatte Hannelore Keßler noch einen weiteren Hinweis für die verwaisten Eltern, speziell, wenn sie gemeinsam trauern, zu bieten: „Miteinander Schweigen und einen Arm anstelle einer Antwort geben“.


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