„Haus mit 10 000 Zimmern“ Insektenhotel am Friedhof in Engter aufgestellt

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Ewald Bruning und Günter Stockhowe (vorn) bauen das Insektenhotel am Friedhof in Engter auf. Fotos: Hildegard Wekenborg-PlackeEwald Bruning und Günter Stockhowe (vorn) bauen das Insektenhotel am Friedhof in Engter auf. Fotos: Hildegard Wekenborg-Placke

Engter. Hummeln, Wespen, Wildbienen, aber auch Fliegen oder Käfer finden am Friedhof in Engter jetzt ein komfortables Zuhause. Für die St. Johanniskirchengemeinde als Träger des Friedhofes stellten Ewald Bruning und Günter Stockhowe am Mittwoch, 5. April, 2017, gegenüber der Kapelle ein Insektenhotel auf.

Das Engagement für die Natur ist für die Kirchengemeinde schon gute Tradition. Erst vor wenigen Tagen wurde St. Johannis im Rahmen des kirchlichen Umweltmanagementsystems „Der Grüne Hahn“ für seine Bemühungen zum Erhalt der Schöpfung zertifiziert. Neben größeren Projekten zur umweltfreundlichen Energieversorgung liegt ein Schwerpunkt des Programms auf der Erhöhung der Biodiversität, in diesem Fall besonders auf den Friedhöfen. Das „Hotel mit den 10 000 Zimmern“, wie Bruning sagt, trägt dazu bei, die Artenvielfalt zu erhalten beziehungsweise zu vergrößern.

Zahllose Arbeitsstunden

„Die Idee stammt eigentlich von unserem Weihnachtsmarkt“, erzählt Bruning. Die Engteraner Initiative „Vielfalt ist Mehrwert“ verkaufte dort ähnliche Insektenhotels, wie das, was jetzt auf dem Friedhofsvorplatz steht. In zahllosen Arbeitsstunden entstand aus Europaletten und diversen Materialien das „Hotel“, das im Obergeschoss sogar noch Platz für einen größeren „Mieter“ bietet. Durch einen Boden von dem Gesumme in den unteren Etagen abgetrennt, könnten sich hier Eulen einnisten, hoffen Bruning und seine Mitstreiter.

Immer Richtung Südwesten

Obwohl es „solche Pläne nicht im Internet gibt“, erarbeiteten sich Bruning und Stockhowe, während der Bauzeit einiges an Kenntnissen. So sollte ein Insektenhotel immer Richtung Süd-Westen ausgerichtet sein, außerdem muss eine Wasserstelle in der Nähe sein. Das Engteraner „Hotel“ ist mit einem ziegelgedeckten Spitzdach ausgestattet und deshalb wetterfest. Es darf nämlich auf keinen Fall im Winter in eine Scheune gebracht werden. Wärme würden die Insekten im Winterquartier schlüpfen lassen, draußen in der Kälte könnten sie aber nicht überleben.

Setzen sich für Artenvielfalt ein: Heinrich Windhorn, Ewald Bruning, Günter Stockhowe und Renate Finke von der Kirchengemeinde St. Johannis.

Das Insektenhotel soll nicht das letzte Umweltprojekt der Kirchengemeinde sein. Engter ist eine von neun Kirchengemeinden im Bereich der Landeskirche Hannover, die sich um Fördergelder im Rahmen des EU-Projekts „Bio-Diversität“ beworben haben. Sollte Engter den Zuschlag bekommen, möchte man auf einem an den Friedhof angrenzenden Grundstück, das der Kirchengemeinde gehört, eine Art Friedwald errichten, mit heimischen Bäumen und einer Blühwiese mit regionalem Saatgut. Die „Mieter“ des Insektenhotels würden das sicherlich begrüßen.