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Silbermünzen in Kalkriese geborgen Bringt neuer Münzfund Klarheit in Debatte um Varusschlacht?

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Bramsche. Die Archäologen in Kalkriese haben einen guten Lauf: Nachdem im vergangenen Jahr der Sensationsfund von acht römischen Goldmünzen gefeiert wurde, gab der Boden in der vergangenen Woche mehr als 200 Silbermünzen frei.

Es handelt sich um Denare der späten Republik und der frühen Kaiserzeit. Die ältesten datiert Grabungsleiter Marc Rappe auf etwa 180 vor Christus, die jüngsten zeigen die Enkel und designierten Nachfolger des Augustus, Gaius und Lucius Caesar, die zwischen 2 und 1 vor Christus geprägt wurden. „Es waren eben keine jüngeren Münzen dabei, somit fügt sich auch dieser Fund in unsere Annahmen zum Ort der Varusschlacht ein“, wagt Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht im Osnabrücker Land gGmbH, eine erste vorsichtige Bewertung, verweist aber gleichzeitig auf die kommenden Untersuchungen, die eine sorgfältige Restaurierung voraussetzen. Mehr als eine Münze pro Tag sei kaum zu schaffen, sodass sicherlich noch ein Jahr gebraucht werde, um diesen Fund wissenschaftlich einzuordnen.

Signal 92: Silber

„Unsere archäologischen Trüffelnasen vom Dienst“, wie Rottmann sie kameradschaftlich nennt, sind die gleichen, die auch im vergangenen Sommer auf die Goldmünzen stießen: Grabungstechniker Klaus Fehrs und der ehrenamtliche Sondengänger Karsten Keune. Ihr Auftrag war, nach Spuren von Kampfhandlungen südlich des Obereschs im sogenannten „Germanenwald“ zu suchen. „Wir waren eigentlich auf Eisen aus, auf Speerspitzen und Bolzen, und dann gibt die Sonde auf einmal das Signal ‚92‘ aus, das bedeutet Silber“, erzählt Rappe von dem Glückstag vor einer Woche.

Keune ergänzt: „Wir hatten viele frustrierende Tage mit höchstens mal einer Dosenlasche aus der Neuzeit, nachdem wir uns stundenlang durch das dichte Wurzelwerk des Waldes gekämpft hatten. Und dann lacht uns auf einmal, in nur zehn Zentimeter Tiefe, der Kaiser Augustus an – man ist überwältigt.“ Und auch danach hörte das Gerät nicht auf zu piepen. Behutsam wurden die Horizonte in Fünf-Zentimeter-Schritten freigelegt, stets auf Bodenverfärbungen achtend. Nach drei Tagen waren 100 Münzen aufgespürt, inzwischen sind es mehr als 200.

Funde auf 150 Quadratmeter

Die Archäologen sprechen von einem „Hortfund“. Soll heißen, die Einzelfunde streuen über eine begrenzte Fläche, in diesem Fall etwa 150 Quadratmeter, gehören aber offensichtlich zusammen und wurden gleichzeitig niedergelegt. Dass nicht alle Münzen auf einem Haufen angetroffen wurden, wird auf später umgestürzte Bäume zurückgeführt, deren Wurzeln den Boden in Aufruhr gebracht haben. Wie kommt eine solche Anzahl an Münzen in den Boden? War es ein Teil der Truppenkasse? „Das Gesamtgewicht beträgt fast ein Kilo, das trägt nicht ein einzelner Krieger so privat mit sich herum“, rechnet Rappe vor.

Wenn sich noch Reste eines Behältnisses wie etwa Metallbeschläge einer Kiste oder Riemen eines Beutels fänden, wäre man schon ein Stück weiter. „So ist das eben: Neue Funde werfen neue Fragen auf“, resümiert Rottmann und deutet damit an, dass auch im 30. Jahr nach dem Startschuss, den die Funde des britischen Majors Tony Clunn auslösten, noch lange kein Ende der Erforschung des Kalkrieser Schlachtfeldes in Sicht ist.

Archäologen bei der Arbeit zuschauen

Für Besucher von Museum und Park Kalkriese ergibt sich diesen Samstag, 1. April, die seltene Gelegenheit, den Archäologen im „Germanenwald“ zwischen 13 und 15 Uhr bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Rottmann weist darauf hin, dass es sich um ein ernsthaftes Angebot und keinen Aprilscherz handelt.

(Lesen Sie auch: War die Varusschlacht wirklich in Kalkriese?)

Der Fund wurde gemacht bei Erkundungsarbeiten, mit denen geklärt werden sollte, ob sich in Kalkriese nicht doch ein römisches Marschlager befunden hatte. Bislang deuten die Spuren nach Meinung vieler Wissenschaftler auf ein riesiges antikes Schlachtfeld hin – möglicherweise der Ort der Varusschlacht zwischen Römern und Germanen.


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