Nimm dir ein Buch 2017 Auf-und-davon-Geschichten im Bramscher Literaturprojekt

Von Holger Schulze

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Karin Bormann (2. von rechts) hatte sich auf Einladung des Frauentreffs Bramsche für eine Lesung in der Reihe „Nimm dir ein Buch“ das Thema „Auf und davon“ vorgenommen. Foto: Holger SchulzeKarin Bormann (2. von rechts) hatte sich auf Einladung des Frauentreffs Bramsche für eine Lesung in der Reihe „Nimm dir ein Buch“ das Thema „Auf und davon“ vorgenommen. Foto: Holger Schulze

Bramsche. 12 Zuhörerinnen und ein Zuhörer, dazu eine Vorleserin - der große Tisch in der Meyerei war am Montagabend, 27. März 2017, gut besetzt. Der Bramscher Frauentreff hatte zu einer weiteren Ausgabe der Reihe „Nimm dir ein Buch“ eingeladen und Karin Bormann heitere und nachdenkliche Literatur zum Thema „Auf und Davon“ mitgebracht.

„Was heißt auf und davon? Davonmachen oder sich zu neuen Ufern aufmachen, sich aus dem Staub machen, ja auch das Sterben gehört dazu“, mit diesen Überlegungen stieg Karin Bormann in ihre Lesung ein. Das volkstümliche Küchenlied vom verlassenen Mariechen, das weinend im Garten saß, weil ihr der Liebste abhandengekommen war, eröffnete die Reihe der Texte. In Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ klang das Auf und Davon schon ganz anders. Von Reiselust in der schönen Frühlingszeit, mit Frohsinn und Fiedel ist in diesem Werk die Rede. Heinrich Heine dagegen musste zwangsweise „auf und davon“ gehen. Karin Bormann las auch von diesem mit Abschiedsschmerz verbundenen Weggang.

Gefühle eines Zurückgelassenen

Gefühle einer Zurückgelassenen hat Mascha Kaléko im Gedicht „Weil du nicht da bist“ in wunderbar poetische Worte gekleidet. 1932 entstand der erste Teil des „Interviews mit mir selbst“ der Autorin. Die Fortsetzung wurde dann 1945 geschrieben. Beide Teile machten die Gefühle des Herausgerissenseins aufgrund von Migration deutlich.

Von Hildegard Knef stammte das Auf-und-Davon im Stil einer Fabel über einen Tapetenwechsel mit tragischem Ende.

Kurt Tucholsky sah im Reisen zwar die Möglichkeit, neue Eindrücke zu sammeln. Doch ihm war auch klar: Man kann sich dabei selbst nicht entkommen.

Was mit einem geschieht, der in der Fremde seinen Koffer auspackt, verrieten weitere Worte von Kurt Tucholsky. „Man kann sich nicht entrinnen“ war auch hier die Kernaussagen dieser Prosa.

Auswandern im Rückblick

1947 beschäftigte sich Erich Kästner im Rückblick mit dem Auswandern. Er selbst war kurz in der Schweiz, als es gefährlich wurde, kehrte aber zurück, weil er Zeuge sein wollte. In dieser politisch geprägten Reflexion, anknüpfend an die Anfangszeiten des Dritten Reiches um den Reichstagsbrand herum, zeigte sich Kästner als Widerständler von innen heraus, doch mit viel Verständnis für all diejenigen, die den Weg aus der persönlichen Bedrohung heraus gewählt hatten.

Von Thaddäus Troll, mal als ernster Biograf von Kurt Tucholsky, mal als Satiriker mit den Tipps „Wie reise ich kostenlos“, stammten die weiteren Texte, die Karin Bormann ausgewählt hatte. Zum Abschluss kam Eugen Roth mit zwei Reisegedichten zu Wort.

Als Zugabe las Karin Bormann noch aus dem „Tagebuch eines Haarspalters“ von Ephraim Kishon von den zum Scheitern verurteilten Versuchen, den optischen Eindruck eines Jünglings mit lockigem Haar wider die genetisch determinierte Natur zu konservieren.


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