„Zeit zum Zuhören“ Neue Schulsozialpädagogen an Bramscher IGS und Hauptschule

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Auf eine Partie Billard n: Schulsozialpädagoge Daniel Fuhrmann und IGS-Rektor Thomas Behning (hinten Mitte und hinten rechts) mit Schülern der sechsten Klasse, Profil Europa. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeAuf eine Partie Billard n: Schulsozialpädagoge Daniel Fuhrmann und IGS-Rektor Thomas Behning (hinten Mitte und hinten rechts) mit Schülern der sechsten Klasse, Profil Europa. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Im Rahmen des Schulpakets der Landesregierung haben Hauptschule, IGS und Realschule Stellen für Schulsozialpädagogen erhalten. An der IGS hat Anfang Januar 2017 mittlerweile Daniel Fuhrmann die Arbeit aufgenommen, an der Hauptschule Esther Goda. Die Stellenbesetzung an der Realschule steht noch aus.

Der junge Sozialpädagoge Fuhrmann begrüßt Besucher gern im Freizeitraum der IGS an der Malgartener Straße, dem „Kurzzeit-Jugendzentrum“, wie er sagt. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr steht hier die Tür offen, außerdem in der ersten großen Pause. Hier erinnert wirklich einiges an ein Jugendzentrum, der Billardtisch, der Kicker, die Sofa-Ecke. Mittendrin, oder richtiger, in einer Ecke des Raumes, hat Fuhrmann sein Büro eingerichtet. „Ich versuche, mit den Schülern eine vertraute Ebene abseits der Lehrerinstanz zu finden“, beschreibt er die Zielsetzung seiner Arbeit. „Die Hemmschwelle, sich zu öffnen, ist für die Kinder so einfach niedriger“. Schulleiter Thomas Behning ergänzt: „Im pädagogischen Dreieck von Eltern, Schülern und Kollegium hat der Schulsozialarbeiter mit allen Seiten zu tun“. Das Kerngeschäft sei allerdings die Beratung und Betreuung der Schüler“.

Fuhrmann ist ein „Haster Junge“, wie er selbst sagt und in eben diesem Osnabrücker Stadtteil war er bislang mit einer Teilzeitstelle auf Elterninitiative am Gymnasium Angelaschule tätig. Die IGS Bramsche aber suchte einen Schulsozialpädagogen in Vollzeit. Nicht zuletzt das spielte, so Fuhrmann selbst, eine Rolle dabei, „dass wir ihn überzeugen konnten, dass er bei uns eine Perspektive hat“ (Behning).

Breites Themenspektrum

Das Themenspektrum von Fuhrmanns Arbeit mit den Schülern ist breit. Es reicht von Themen wie Freundschaft und Liebe über persönliche Krisen oder Krisen in den Familien bis zu Problemen mit den schulischen Leistungen. „Es ist wichtig, dass die Kinder sprechen können“, sagt Fuhrmann. Alles, was an ihn herangetragen wird, unterliegt der Schweigepflicht, auch gegenüber den Lehrern. „Wir versuchen dann, in den Beratungsgesprächen Lösungswege zu finden.

Über die Einzelarbeit hinaus ist der Schulsozialpädagoge in verschiedenen Projekten eingebunden, unter anderem im Bereich der Medienpädagogik oder der Gewaltprävention. „Das muss Stück für Stück wachsen“, meint Behning. Prävention müsse ein „allgegenwärtiger Bestandteil“ der Schulsozialarbeit sein, und immer das Ziel verfolgen, die Persönlichkeit der Schüler zu stärken. Denkbar oder bereits in Planung seien zudem Aktivitäten im Bereich der Studien- und Berufsorientierung oder der Elternarbeit. „Wir haben die Stellenbeschreibung bewusst offen gehalten“, so Behning.

Auf eine Partie Karten: Schulsozialpädagogin Esther Goda (2. von links) ; Hauptschulleiterin Sandra Castrup (rechts) mit Bea (links) und Patrick.

Erst einmal Zugang bekommen

Fuhrmann selbst engagiert sich unterdessen auch im Ganztagsbetrieb, hospitiert in den Klassen, arbeitet an der Vernetzung mit anderen Akteuren der Jugendarbeit - aber spielt auch mal mit den Schülern Fußball wie früher beim TuS Haste.. „Mein Arbeitsschwerpunkt ist, erst einmal Zugang zu bekommen“, sagt er.

Das sieht auch Esther Goda so. Seit Jahresbeginn ist sie an der Hauptschule tätig, und ist damit zwar an ihrem Arbeitsplatz neu, aber nicht in ihrem Job. Für verschiedene Träger war die 51-Jährige bisher in der stationären Jugendhilfe tätig, das heißt in Heimen und Wohngemeinschaften. In Osnabrück geboren, in Bramsche aufgewachsen, in Hannover studiert, aber eigentlich immer in Bramsche gelebt, fasst sie ihren Werdegang zusammen. „Ich fand es ganz toll und sehr spannend, mich noch einmal einer ganz neuen Herausforderung stellen zu können“, unterstreicht sie.

Zeit zum Zuhören

Auch Goda ist beim Land Niedersachsen angestellt. Schulsozialarbeiter Wilfried Gerke, der in städtischen Diensten steht und sich schwerpunktmäßig um die Berufsorientierung kümmert, bleibt der Schule an der Heinrichstraße erhalten. Das Gleiche gilt für Stadtjugendpflegerin Stefanie Uhlenkamp, die an der Hauptschule neben ihrer Beratungstätigkeit unter anderem für die direkte Anbindung an den Freizeitbereich sorge, erläutert Schulleiterin Sandra Castrup . Auch wenn sie im Moment noch damit beschäftigt ist, die Namen aller Schüler und Lehrer kennen zu lernen, hat Goda doch schon einige Pläne. Ein Projekt zum Thema Cyber-Mobbing ist nur eines davon. Mindestens ebenso wichtig ist Castrup aber, „dass Frau Goda das abdeckt, wofür uns im Alltag oft die Zeit fehlt. Sie hat Zeit zum Zuhören, und das ist Gold wert“.