Gewässerkoordinator Jürgen Herpin Ein Bramscher ist der Anwalt der Hase


Bramsche/Essen (Oldbg). Wenn es um die Hase geht, führt an einem Bramscher kein Weg vorbei: Jürgen Herpin ist als Geschäftsführer des Dachverbandes Hase Gewässerkoordinator für das Einzugsgebiet des scheinbar kleinen Flusses. 3000 Quadratkilometer umfasst sein Einsatzgebiet.

Im Bahnhof von Essen in Oldenburg hat Herpin sein Büro. Der gesamte Bahnhof gehört dem Unterhaltungsverband Hase-Wasseracht, der Dachverband ist hier ebenfalls untergekommen. Sehr sinnvoll, findet Herpin: „Das ist zentral mittendrin, genau am Haseknick“, sagt Herpin, der häufig zu Außenterminen unterwegs ist. Die Arbeitszeit im Büro und draußen an Flüssen und Bächen im Hasegebiet halte sich in etwa die Waage, schätzt der Geschäftsführer. Auf alle Fälle stehen die Gummistiefel gleich neben dem Schreibtisch.

Ergebnisorientiert

Draußen sein, mit den Leuten reden, den Eigentümern, die etwas für die Verbesserung ihrer Gewässer tun wollen, das ist für Herpin das Wesentliche an seiner Tätigkeit. „Ich habe immer schon ergebnisorientiert gearbeitet“, erzählt der 58-jährige, der seinen Posten als Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis Osnabrück für die zeitlich befristete Aufgabe des Gewässerkoordinators aufgegeben hat. Der Diplom-Ingenieur hat ein Rückkehrrecht zum Landkreis, allerdings nicht in die Leitungsfunktion.

Wechsel nie bereut

In den zweieinhalb Jahren im neuen Amt hat der Bramscher diesen Wechsel zu keiner Zeit bereut. „Ich habe hier keine hoheitlichen Aufgaben“, begrüßt er die Tatsache, nicht für Aufsicht und Genehmigungen zuständig zu sein, sonder im partnerschaftlichen Ansatz mit allen Beteiligten etwas für die Gewässerqualität der Hase tun zu können. „Früher beim Landkreis war die Hase für mich die Kür, hier kann ich mich darauf konzentrieren“, sagt Herpin, der „selbstverständlich“ alle Bäche und Nebenflüsse der Hase kennt.

Kontroversen

Der partnerschaftliche Ansatz bedeutet aber nicht, dass es nicht manchmal deutliche Worte und Kontroversen gibt. Aktuell sorgt zum Beispiel bei Landwirten das Vorhaben der Landesregierung für Ärger, an allen Gewässern einen fünf Meter breiten Schutzstreifen vorzusehen, der nicht bewirtschaftet werden darf. Für Herpin ist diese Verschärfung auch eine Reaktion darauf, dass viele Landwirte den geltenden Schutzstreifen von einem Meter schlicht ignoriert hätten. „Da hängen manchmal bei der Gülleausbringung die Schleppschläuche schon direkt im Bach“, weiß der Gewässerfachmann.

Er vermisst bei den Landwirten ein ausreichendes Problembewusstsein, etwa für die steigende Nitratbelastung. „Die Zahlen lügen doch nicht“, weiß er. Fachlich scheint ihm der Schutzstreifen am Gewässer zudem sinnvoller als der Ansatz der Stadt Bramsche, die Wegerandstreifen aufzuwerten. Weil es leichter sei, Uferzonen komplett zu schützen, sei der Einsatz von Regiosaatgut hier sinnvoller als an Wegesrändern, die doch gelegentlich befahren werden müssten.

Häufig genug erlebt Herpin aber auch eine großere Bereitschaft bei Landwirten und auch Anglervereinen, bei Maßnahmen zur Gewässerverbesserung mitzumachen. Dabei geht es darum., die Hase oder ihre Nebengewässer durchlässiger zu machen oder die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen. Für solche Projekte wirbt der Gewässerkoordinator Fördergelder ein. Bei EU-Projekten sei der erforderliche Aufwand „extrem hoch“, klagt Herpin. Geld sei „genug da“, aber an die Fördertöpfe heranzukommen, erfordere viel Arbeit.

Vorzeigeprojekt

Eines der Vorzeigeprojekte findet Jürgen Herpin in seiner Heimatstadt: Der Anschluss des Hase-Altarms an der Nordtangente sei in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, meint der Gewässerkoordinator. Hier sei es gelungen, im Zusammenspiel mit dem Verein zur Revitalisierung der Haseauen schnell und unbürokratisch MIttel über die Bingo-Umweltlotterie einzuwerben. Zudem sei die Stadt Bramsche mit im Boot, die Flächen zur Verfügung stelle. Der örtliche Anglerverein ist ebenfalls beteiligt. Und am Ende trage das Projekt dazu bei, Gewässerqualität und auch Artenvielfalt in der Hase zu erhöhen. „Was unter Wasser passiert, sieht man ja nicht. Aber diese Entwicklung ist das Spannendste“, sagt der Anwalt der Hase.


Mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie hat alles angefangen. Um die darin festgeschriebene Verbesserung der Wasserqualität zu erreichen, haben die Unterhaltungsverbände an der Hase im Jahr 2002 einen Dachverband gegründet, der die Arbeit koordinieren und nach außen vertreten soll. Als 2015 am Ende des ersten EU-Berichtszeitraumes deutlich wurde, dass die Ziele nur unzureichend erreicht worden sind, hat das Land Niedersachsen für den zweiten Berichtszeitraum bis 2021 eine Geässerallianz mit hauptamtlichen Gewässserkoordinatoren gestartet.Der Dachverband Hase finanziert die Stelle mit und hat das operative Geschäft im Einzugsbereich der Hase übernommen. Jürgen Herpin ist einer von neun Gewässerkoordinatoren in Niedersachsen, drei weitere kommen in diesem Jahr hinzu.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN