Landvolk-Versammlung „Schlechte Stimmung“ bei Bramscher Landwirten

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Bramsche. „Wir hatten eine sehr schlechte Stimmung. Jetzt haben wir nur eine schlechte Stimmung“. So fasste Jörg Schomborg auf der Jahreshauptversammlung des Landvolk-Ortsverbandes Bramsche am Donnerstag die Lage zusammen. Sein Bericht über die kommende Düngeverordnung hellte die Stimmung nicht auf.

Mit der neuen Verordnung werde eine „plausibilisierte Flächenbilanz“ eingeführt, bei der für jeden Betrieb festgehalten werden müsse, welche Nährstoffe zu- und abgeführt werden. Dies komme einer Hoftorbilanz sehr nahe, erklärte der Leiter der Bezirksstelle Osnabrück der Landwirtschaftskammer. Vor jeder Saison müsse der Landwirt den Düngebedarf ermitteln, er habe strengere Abstandsauflagen zu beachten und werde zudem verpflichtet, ausgebrachte Gülle schnell einzuarbeiten. Zudem müsse der Landwirt Lagerkapazitäten vorhalten, um die Gülle sechs bis neun Monate lagern zu können.

Die Bundesverordnung sehe zudem vor, dass die Länder nach Bedarf eigene Bestimmungen erlassen können. Angesichts der hohen Nitratwerte im Grundwasser werde dies in Niedersachsen passieren, so Schomborg. Zentraler Bestandteil der Verordnung sei dabei die Schaffung einer unabhängigen Düngebehörde bei der Landwirtschaftskammer, die die Einhaltung der Verordnung zu überwachen habe. Die Mitarbeiter würden auch die Flächenbilanzen überprüfen, bei mehrfach festgestellten Verstößen drohten Bußgelder.

Bürokratischer Mehraufwand

Wer ihm denn diesen ganzen bürokratischen Mehraufwand bezahle, wollte ein Landwirt wissen. „Das gehört zur Führung des Betriebes dazu“, entgegnete Schomborg, der sich ansonsten als Kammervertreter jeder politischen Bewertung enthielt. Das übernahmen die Bramscher Landwirte für ihn. „Das ist doch das Gegenteil von dem, was man will“, klagte einer: „Der kleine Bauer sagt, das kann ich nicht auch noch, aber für die Großen ist das kein Problem“. Die Landwirtschaftspolitik sei „auf dem Holzweg“, schimpfte ein anderer. Hedgefonds würden den Flächenpreis noch weiter in die Höhe treiben, Kleinbetriebe hätten keine Chance mehr,

Schutzstreifen an Gewässern

Jörg Schomborg hatte für die Landwirte aber noch eine von den meisten als schlecht empfundene Nachricht: Es sei vorgesehen, an den Gewässern dritter Ordnung - das sind die kleinen Bäche und Gräben - einen fünf Meter breiten Schutzstreifen vorzusehen, der nicht angetastet werden dürfe. „Das ist ja wohl Enteignung“, kommentierte ein Landwirt. Das gerade wiedergewählte Vorstandsmitglied Jan-Gerd Bührmann sah das differenzierter: Ein solcher Streifen am Gewässer mache ökologisch bedeutend mehr Sinn als das Wegerandstreifenprogramm der Stadt “, meinte der Sögelner.

Immerhin begann Jörg Schomborg seinen Vortrag mit der etwas verbesserten Einkommenssituation bei den meisten Landwirten. Es gebe diesbezüglich aber auch „sehr viel Nachholbedarf in unseren Betrieben“. Immer noch bleibe aber „viel zu wenig“ für die Eigenkapitalbildung übrig.

Unterdessen gehe der Strukturwandel weiter. Von 2007 bis 2016 sei die Zahl der Landwirte im Bezirk von knapp 4000 auf 3529 gesunken. Aufgegeben hätten vornehmlich Klein- und Nebenerwerbsbetriebe. In Betrieben mit Tierhaltung sei die Zahl der Tiere gestiegen, die der Halter dagegen im Bereich Milchvieh „sehr stark zurückgegangen“. Noch krasser sei der Rückgang bei den Haltern von „Zuchtsauen“, deren Zahl im Vergleichszeitraum von 726 auf 292 zurückgegangen sei. „Da ist immer noch Druck auf dem Kessel“, betonte Schomborg.


In Bramsche arbeiten nach den Zahlen der Landwirtschaftskammer 74 Landwirte im Haupterwerb, dazu kommen 25 Produktionsgesellschaften und 19 Nebenerwerbslandwirte. Der Landvolk-Ortsverband Bramsche mit dem Vorsitzenden Ralf Große Endebrock versteht sich als Interessenvertretung des Berufsstandes.

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