Große Eisbrocken auf Gehwegen Gefahr durch Eisabwurf in Bramscher Windpark?


Bramsche. Schleudern Windkraftanlagen im Bramscher Windpark Wittefeld Eis von den laufenden Rotoren in die Umgebung? Ein Ehepaar aus Malgarten sieht hier erhebliche Gefahren. Der Betreiber und Behörden stellen die Situation anders dar.

Am vergangenen Sonntag, 8. Januar, machten sich Sabine und Uwe Mörking zu einem Spaziergang auf – von ihrem Haus an der Wittenfelder Allee aus entlang des Windparks Wittefeld. Was sie dort auf einem Gehweg vorfanden in der Nähe der Windkraftanlage 2, schockierte sie regelrecht: „Es waren richtig dicke Eisbrocken, die ganz offensichtlich von den Windkraftanlagen abgeschleudert worden waren. Das konnte man an der Form deutlich erkennen“, schildert Sabine Mörking ihre Eindrücke. Und ihr Mann Uwe ergänzt: „In 80 bis 100 Meter Entfernung lagen lauter Eisbrocken. Manche natürlich zerbrochen in mehrere Teile, aber andere auch noch richtig groß“. Nun am Wochenende waren die Mörkings nochmals im Gebiet des Windparks unterwegs: „Es gab erneut Eisabwurf von der Windkraftanlage 2“, stellten sie fest. Nicht in der Größe wie noch eine Woche zuvor, „aber kleine Eisbrocken flogen unentwegt zu Boden“, berichtet Mörking.

Uwe und Sabine Mörking sind überzeugt, „dass im schlimmsten Fall Lebensgefahr besteht für alle, die an den Anlagen jetzt im Winter vorbeigehen“. Zwar gebe es Warnhinweise, „aber das sind viel zu wenig“, sagt Uwe Mörking.

Betreiber: Automatische Abschaltung bei Eisbildung

Die Beschilderung, mit der vor einem möglichen Eisabwurf gewarnt wird, hält der Leitende Baudirektor der Stadt Bramsche, Hartmut Greife, hingegen für vollkommen ausreichend. „Das ist beim Fernsehturm in Schleptrup beispielsweise genauso“, sagt er. Es sei des Weiteren so, dass sich die Anlagen bei Eisbildung an den Rotoren automatische abschalten würden. Das bekräftigt auch Jürgen Westerhaus, einer der Geschäftsführer der AW Windenergie Bramsche GmbH & Co. KG als Betreiber der Windparks Ahrensfeld und Wittefeld . „Über einen Sensor wird die Anlage bei Eisbildung abgeschaltet“. Das habe bislang seit Inbetriebnahme „drei bis vier Mal sehr gut funktioniert“, sagt Westerhaus weiter. Klar sei aber auch: „Wenn das Eis taut, fällt es natürlich ab“. Dies aber nicht im laufenden Betrieb: „Das Eis wird also nicht von den Rotoren weggeschleudert, sondern fällt einfach senkrecht nach unten“, so Westerhaus. Auch er weist auf die entsprechenden Warnschilder hin.

Risiko für Eisabwurf vernachlässigbar

Das Problem eines möglichen Eisabwurfs durch die Windkraftanlagen wurde bereits betrachtet in einem Umweltbericht, der Teil des Bebauungsplanverfahrens für den Windpark Wittefeld war. Festgestellt wurde durch ein von der Stadt Bramsche beauftragtes Fachbüro, dass „die Wahrscheinlichkeit für eine Eisbildung gering“ und „das Risiko für Eisabwurf vernachlässigbar“ sei. Denn der Windpark liege „in einem Gebiet, „in dem [...] nur eine gelegentliche Vereisung (>1 Tag / Jahr) auftritt“. Falls es aber dennoch zu Eisbildung komme, habe die Anlage „geeignete Messeinrichtungen, dies festzustellen und ggf. ein Abschalten der Anlage zu bewirken“, heißt es weiter.

Und auch der Landkreis Osnabrück, der für die immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Windparks zuständig war, betont in einer Stellungnahme: „Die Bildung von Eis an den Anlagen ist nicht ausgeschlossen“. Die Ausstattung der Anlagen mit der bereits beschriebenen Sicherheitstechnik sei aber zur Auflage gemacht worden. Verhindert werde dadurch der Abwurf oder Wegschleudern von drehenden Rotoren aus. Und: „Ein automatisches Wiederanlaufen ist ausgeschlossen“. Ein Neustart der Windenergieanlage sei also „nur nach Feststellung der Eisfreiheit vor Ort zulässig“.

Sollte die Abschaltautomatik nicht funktionieren, so führt ein Landkreis-Sprecher weiter aus, gebe es verschiedene Möglichkeiten, den Missstand zu beheben: „Je nach Wetterlage und Jahreszeit können behördliche Anordnungen von einer Stilllegung bis zur Anordnung des Nachbesserung mit Fristsetzung reichen“. Bislang seien allerdings keinerlei Beschwerden beim Landkreis bekannt geworden.

Den Darstellungen der Offiziellen können Sabine und Uwe Mörking nicht so recht Glauben schenken. „Unser Eindruck ist, dass die Anlagen bislang überhaupt nicht abgeschaltet waren. Die laufen durch“, meint Uwe Mörking. Die Windkraftanlagen seien offenbar zudem bei Eisbildung deutlich lauter als sonst. „Da muss dringend etwas passieren, so geht es nicht weiter“, fordern sie.

Thema im Ortsrat

Auf die Beobachtungen der Mörkings sind mittlerweile auch Eper Kommunalpolitiker aufmerksam geworden: So erklärt Johannes Schomaker (CDU), er sei am Sonntagnachmittag vor Ort im Windpark Wittefeld gewesen. Nach seinen Worten waren die Windenergieanlagen „trotz Eisbildung an den Rotoren im Betrieb und nicht abgeschaltet“, berichtet er. Eisabwurf selbst habe er allerdings nicht gesehen. Ortsbürgermeister Volker Stuckenberg (SPD) sagt, er habe sich zwar noch nicht selbst ein Bild machen können. Aber , so kündigt er an, das Thema solle bei der nächsten Ortsrats-Sitzung angesprochen werden. „Dazu wollen wir, wenn möglich, auch Herrn Westerhaus von der Betreibergesellschaft einladen“, so Stuckenberg.


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