Fragen bleiben offen Telepoint Bramsche schließt – wie geht es weiter?

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Nach der Ankündigung, dass der Telepoint in Bramsche schließen wird, sind viele Fragen offen geblieben. Foto: Björn DieckmannNach der Ankündigung, dass der Telepoint in Bramsche schließen wird, sind viele Fragen offen geblieben. Foto: Björn Dieckmann

Bramsche. Der Telepoint-Elektronikmarkt in Bramsche schließt spätestens Ende Februar. Wie geht es weiter mit den Mitarbeitern? Mit den Gewährleistungsrechten der Kunden? Und mit dem Gebäude? Wir haben nachgefragt.

Die Pressemitteilung, mit der die Bünting-Unternehmensgruppe das „Aus“ der gesamten Telepoint-Kette verkündete, blieb in einigen Punkten vage. Klar ist, dass vier Märkte – in Cloppenburg, Vechta, Lemgo und Oldenburg – von der Elektro-Fachmarktkette Expert Bening übernommen wird. Und dass drei weitere Standorte schließen: Neben den Filialen in Dülmen und Jever auch das Geschäft an der Bramscher Maschstraße.

Stehen die nach Unternehmensangaben 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bramscher Telepoint nun unmittelbar vor der Arbeitslosigkeit? Dazu hatte Bünting mitgeteilt, dass mit den Betriebsräten ein Sozialplan ausgehandelt worden sei, die Beschäftigten könnten in eine Transfergesellschaft wechseln. Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte Bünting-Pressesprecherin Helen Drieling, es sei auch „grundsätzlich möglich“, dass Telepoint-Mitarbeiter innerhalb der Bünting-Unternehmensgruppe eine neue Beschäftigung bekommen, „sofern die Voraussetzungen gegeben sind“. In Bramsche betreibt Bünting den Famila-Markt an Meyers Tannen. Auch die Markant-Märkte laufen unter dem Dach der Bünting-Gruppe, werden allerdings von selbstständigen Einzelhändlern betrieben.

Müssen Gutscheine noch eingelöst werden? Für die Kunden in den vier Telepoint-Geschäften, die von Bünting an Expert Bening wechseln, ist die Situation klar: Der Käufer übernimmt alle Rechte, aber auch alle Pflichten. Gutscheine beispielsweise werden ihre Gültigkeit behalten. Wie aber sieht es in Bramsche aus? Dazu teilt Pressesprecherin Drieling mit, dass Gutscheine „nicht zwingend bis zum Schließungstermin eingelöst werden müssen“. Kunden hättenen die Möglichkeit, die Telepoint-Gutscheine in einer der Filialen, die von Expert Bening übernommen werden, einzulösen. „Sollte dies z.B. aufgrund fehlender Mobilität nicht möglich sein, können sich die Kunden direkt an die Telepoint-Elektrohandelsgesellschaft wenden und bekommen den Gutscheinwert erstattet“, so Drieling weiter.

Wie sieht es mit Garantien auf Waren aus, die bei Telepoint erworben wurden? „Die gesetzlichen Garantie- bzw. Gewährleistungsansprüche können Kunden grundsätzlich in jedem Elektronikfachmarkt geltend machen“, teilt Bünting dazu mit – eine Aussage, die so allerdings nicht ganz zutreffend ist, wie eine Sprecherin der Verbraucherzentrale Niedersachsen erklärt: „Es ist zu unterscheiden zwischen einer Garantie, die ein Verkäufer oder Hersteller verspricht, und der Gewährleistung, die sich aus dem Gesetz ergibt“, sagt sie (siehe unten „Zur Sache“). Telepoint selbst hat nach Kenntnis unserer Redaktion keine Garantien auf seine Waren gegeben. Eine Hersteller-Garantie, die meist den Produkten schriftlich beiliegt, bleibe durch die Telepoint-Schließung unberührt, also weiter gültig.

Wird bei einem Gerät ein Mangel festgestellt, sei allerdings zumeist der Verkäufer der erste Ansprechpartner für den Kunden – „und auch in den ersten sechs Monaten nach Kauf in aller Regel in der Verantwortung, den Mangel – einen technischen Defekt an einem Handy beispielsweise – auf eigene Verantwortung und Kosten zu beseitigen“, so die Sprecherin der Verbraucherzentrale. Diese Rechte aber gingen Kunden verloren, wenn die Telepoint-Märkte schließen.

Was müssen Kunden bei einem Waren-Àusverkauf vor Schließung des Telepoint-Marktes beachten? „Da werden womöglich einige Schnäppchen zu holen sein – gut und schön, aber Kunden sollten sich genau über die Bedingungen informieren“, sagt die Expertin der Verbraucherzentrale. Wenn es sich nicht gerade um kleine kostengünstige Geräte oder um Zubehör handele, „sollten Kunden auf jeden Fall nach einer Hersteller-Garantie fragen“, verweist sie auf die bereits genannten Kundenrechte. Denn wenn es eine solche Garantie des Produzenten nicht gebe und nach einiger Zeit erst trete ein Fehler an der Ware auf, „dann habe ich vielleicht zuerst ein vermeintliches Schnäppchen gemacht, muss aber die Reparatur auf jeden Fall aus eigener Tasche bezahlen“.

Wie geht es nun mit dem Gebäude an der Maschstraße weiter?Eigentümer ist das Unternehmen Klaas und Kock (K+K-Märkte). Dessen Immobilienbeauftragter Hans-Joachim Ahuis hat bereits erklärt, dass Telepoint bzw. Bünting an den Mietvertrag gebunden sei, das Gebäude aber untervermieten dürfe. Eine Lösung scheint dabei aber noch nicht in Sicht zu sein. „Die Entscheidung, sich mit Telepoint vom Standort Bramsche zurückzuziehen ist kurzfristig gefallen, daher beginnt die Suche nach einem möglichen Untermieter für die Fläche erst jetzt“, teilt Bünting-Sprecherin Helen Drieling mit.

Für die Telepoint-Fläche ist nach Angaben der Stadt Bramsche ein Sondergebiet mit der Zweckbestimmung „Elektronikmarkt“ festgesetzt. „Dies hat zur Folge, dass jede Nachfolgenutzung, die nicht Elektronikmarkt ist, zuvor einer Änderung des Bebauungsplanes bedarf“, erklärt dazu der Leitende Baudirektor Hartmut Greife. Die Stadt - der Rat - habe also mitzuentscheiden. Allerdings bestehe “ohnehin über die Jahre ein guter Kontakt zur Firma Bünting“, so Greife weiter. Er habe auch schon mit dem zuständigen Mitarbeiter telefoniert. Ergebnis: „Die Stadt wird über die weiteren Verhandlungen informiert“.


Garantie und Gewährleistung – was ist der Unterschied?

Die Gewährleistung ist vom Gesetz vorgeschrieben: Der Verkäufer einer Sache haftet laut Bürgerlichem Gesetzbuch zwei Jahre dafür, dass die Sache beim Gefahrübergang (in der Regel bei Übergabe der Sache) keinen Mangel hat. Die Gewährleistung kann auch nicht einfach vertraglich ausgeschlossen werden.

Garantie ist dagegen ein vom Verkäufer oder Hersteller freiwillig gegebenes Haltbarkeits- oder Funktionsversprechen, das üblicherweise über die gesetzliche Gewährleistung hinausgeht. Die Garantie ersetzt die Gewährleistung niemals, sondern ergänzt oder erweitert sie in zeitlicher Sicht immer nur. Gibt der Hersteller z. B. eine Haltbarkeitsgarantie von drei Jahren, erhält der Kunde dadurch zusätzliche Ansprüche gegen den Hersteller. In den ersten zwei Jahren kann er jedoch, soweit die grundsätzlich strengeren Voraussetzungen der gesetzlichen Gewährleistung auch vorliegen, wahlweise auch diese gegenüber dem Händler geltend machen. Die Rechtsstellung des Kunden wird durch eine Garantie also grundsätzlich verbessert.

Und was ist ein Mangel? Einen Mangel hat die Kaufsache, wenn sie nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat oder wenn sie sich nicht für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung eignet oder wenn sie sich nicht für die gewöhnliche Verwendung eignet oder nicht die übliche Beschaffenheit aufweist.

Der Händler haftet für den Mangel dann, wenn er schon bei Gefahrübergang (in der Regel bei der Übergabe der Sache) vorhanden war. Ob der Mangel zu diesem Zeitpunkt erkennbar war, spielt keine Rolle. Auch Material- oder Verarbeitungsfehler, die erst später zu Problemen führen, sind also Sachmängel. Tritt der Mangel in den ersten sechs Monaten auf, geht das Gesetz davon aus, dass er schon bei Gefahrübergang vorlag. Danach muss der Kunde dies nachweisen.

Und dann? Der Kunde hat bei Mängeln grundsätzlich das Wahlrecht. Zunächst kann er wählen, ob er Nachbesserung oder Ersatzlieferung wünscht. Der Händler kann die vom Kunden gewählte Form nur verweigern, wenn sie für ihn unzumutbar oder unmöglich ist.

Quelle: www.osnabrueck.ihk24.de

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